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REDD

Abkürzung für "Reducing Emissions from Deforestation and Degradation". Jährlich werden weltweit 13 Millionen Hektar Wald abgebrannt oder gerodet, das ist viermal die Fläche von Belgien. Die daraus resultierenden Emissionen sind nach dem Energiesektor die zweitgrößte Quelle von menschenverursachtem Kohlendioxid. 

Auf der Klimakonferenz auf Bali war deshalb 2006 der so genannte REDD-Prozess gestartet worden: Über ihn soll ein Mechanismus gefunden werden, der diese Entwicklung stoppt. Die Idee: dem im Holz gespeicherten Kohlenstoff einen ökonomischen Wert geben. Roden würde so in etwa das selbe sein, wie Geldscheine zu verbrennen. Der Plan macht auch ökonomisch Sinn: Der Stern-Report von 2006 führt aus, dass die Drosselung der weltweiten Entwaldung der kostengünstigste Weg ist, die Kohlendioxid-Emissionen zu senken. 

Wie immer liegt der Teufel allerdings im Detail: Weil sich die von den Europäern dominierte Klima-Debatte immer nur um "Reduzierung" und um das Post-Kyoto-Regime dreht, kommt REDD einfach nicht vom Fleck. Zwar haben Urwaldländer wie Costa Rica, Indonesien, Papua Neu-Guinea oder Brasilien in den vergangenen Jahren etliche Vorschläge bei der ⇒Klimarahmenkonvention (UNFCCC) für die mögliche Ausgestaltung eines REDD-Systems eingereicht. Aber auch sie sind sich nicht einig. 

Prinzipiell werden zwei Wege debattiert: 

1. Wälder werden in den Handel von Kohlendioxid-Zertifikaten einbezogen, den man in Europa bereits seit der Kraftwerksdebatte kennt. Ein intakter Waldhektar bekäme so ein Zertifikat, dass an den Weltbörsen gehandelt werden kann. Klingt gut und erscheint praktikabel. Ist aber höchst umstritten: Was schließlich ist "intakter Wald"? Die Australier haben erklärt, bei ihnen bedeute "Wald" nun einmal 35 Bäume pro Hektar. Und ist eine Teakholzplantage in Thailand "intakter Wald"? 

Das aber ist gar nicht das Umstrittenste: Die Europäer, die gerade versuchen, durch eine deutliche Verknappung der Kohlendioxid-Zertifikate den Preis fürs Klimagift in wirksame Höhe zu treiben, fürchten, dass "Wald-Zertifikate" den Markt überschwemmen könnten - und den ganzen schönen Plan vom "Wir geben Kohlendioxid einen Preis" zunichte machen. 

2. Der Erhalt des Waldes wird über einen speziellen internationalen Fonds finanziert. Die Bäume könnten dann quasi aufgekauft werden und ihren Anwohnern ein Auskommen als Ranger geben. 

Eine gute Möglichkeit - wäre da eine Verbindlichkeit. Zum Beispiel ein Beschluss, pro bundesdeutschem Kopf 100 Euro jährlich einzuzahlen - was 800 Millionen Euro mobilisieren könnte. Bislang wird aber nur über "freiwillige Fonds" debattiert, und das fürchten die Entwicklungsländer wie der Teufel das Weihwasser: Mit großen Tönen übergab die damalige Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul auf einer der vergangenen Klimakonferenzen 40 Millionen Euro zum Waldschutz. Läppische Almosen für die Entwicklungsländer: Die Berliner Stadtreinigung setzt jährlich das Zehnfache um. 

Auf der Klimakonferenz in Nusa Dua beschlossen die Delegierten nun, den REDD-Prozess in die Verhandlungen um ein Post-Kyoto-Regime aufzunehmen. Als ob der Prozess nicht schon kompliziert genug wäre.

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