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Agro-Diesel

Synthetischer Kraftstoff, der durch Umesterung eines Pflanzenöls hergestellt wird. In Europa wird der meiste Agro-Diesel aus Raps hersgestellt, weniger aus dem Öl der Sonnenblumen. In den USA ist Soja die wichtigste Herstellungsgrundlage, in Asien Palmöl aus den Früchten der Ölpalme.

Bei der Umesterung wird Glycerin im Öl-Molekül durch Methanol ersetzt: Dieses Glycerin, der einfachste dreiwertige Alkohol, ist schwer brennbar, weshalb Pflanzenöle mit Glycerin für moderne Motoren nicht verwendbar sind.

In Deutschland gilt seit Februar 2009 eine Beimischungspflicht von sieben Prozent Agro-Diesel zum herkömmlichen, aus Erdöl erzeugten Diesel. Im Jahr 2009 wurden 32 Millionen Tonnen Diesel in Deutschland verkauft – deutlich mehr als Benzin: 18 Millionen Tonnen. Entsprechend hoch ist der Dieselabsatz: Mit etwa 2,6 Millionen Tonnen ist Deutschland der weltweit größte Agro-Diesel-Markt. In der Bundesrepublik gibt es 25 Agro-Diesel-Hersteller. Allerdings war die Politik in den vergangenen Jahren ausgesprochen unstet: Einer Steuerbefreiung des Agro-Diesels folgte eine Besteuerung, dann eine Quote, eine Korrektur der Quote und so weiter.

Ein Grund dafür waren die zuerst sehr optimistischen Annahmen über die Nachhaltigkeit von Agro-Diesel, die immer weiter korrigiert werden mussten. Nur wenige Arten von Agrosprit sind in der Gesamtbilanz umweltfreundlicher als Benzin.

Die Rohstoffe zur Herstellung von --> Agro-Kraftstoffen sowie nach Deutschland importiertes Agro-Benzin oder Agro-Diesel müssen ein Nachhaltigkeits-Zertifikat tragen. Dadurch soll ausgeschlossen werden, dass Regenwald abgeholzt und in Treibstoff-Produktions-Flächen umgewandelt wird. Die indirekte Änderung der Landnutzung über die Verdrängung von Nahrungsmittel-Anbauflächen (--> ILUC) bleibt jedoch möglich.

Agro-Diesel wird häufig auch als Bio-Diesel bezeichnet. Allerdings steht "Bio" hier nur für die pflanzliche Herkunft der Ausgangsstoffe und keineswegs für Bio-Anbau. Im Gegenteil werden Raps, Soja und Ölpalmen in der Regel in umweltschädlichen Monokulturen angebaut. Besonders bei Ölpalmen und Soja sind damit großräumige Umweltzerstörungen verbunden.

Agro-Diesel hat zudem den Nachteil, dass nur ein geringer Teil der Pflanze – der ölträchtige – verwertet wird. Eine wesentlich bessere Energiebilanz als beim Verbrennen in Motoren erzielt die Ölpflanze deshalb bei der Verwertung für die Strom- und Wärmeerzeugung.

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