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Fünf-B-Wetterlage

Auch Vb-Wetterlage geschrieben. Bezeichnet eine Wettersituation, bei der ein Tiefdruckgebiet von Island in Richtung Osten zieht und dabei meist ergiebige Niederschläge mit sich bringt.  

Bei den im mittleren Westeuropa überwiegend herrschenden Wetterlagen beschreibt die Zugbahn der Tiefdruckgebiete eine annähernde Gerade von West nach Ost – die sogenannte Westwinddrift. In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen wird diese jedoch abgelenkt, weil kalte Luftmassen aus dem Norden nach Süden strömen, um sich mit warmer Luft aus dem Süden auszutauschen.

Unter bestimmten Voraussetzungen beschreibt die Zugbahn des Tiefs aus Island zunächst eine südlich orientierte Spur in Richtung Mittelmeer (Golf von Genua). Hier bezieht das Tief relativ warme und feuchte Luftmassen aus dem Mittelmeergebiet ein. Von dort bewegt es sich im Falle der Vb-Wetterlage in Richtung Osteuropa weiter und passiert dabei Teile der Alpen. Durch Abkühlung der Luftmassen und Aufstieg der Luft können die Wolken das in ihnen gespeicherte Wasser nicht mehr halten und es kondensiert. Niederschlag in Form von Regen (Frühjahr) oder Schnee (Winter) sind die Folge.

Entsteht diese Großwetterlage im Sommer, ist die Wassertemperatur im Mittelmeer deutlich höher und gibt den Luftmassen noch mehr Wasserdampf auf den Weg. Lang anhaltender und ergiebiger Regen ist die Folge. Setzt sich dieses Tiefdruckgebiet nun über Osteuropa fest, dauern dort die Niederschläge noch länger an und können unter bestimmten Voraussetzungen Sommerhochwasser begünstigen.

Diese Voraussetzungen waren beim Elbe-Hochwasser 2002 gegeben. Im Vorfeld der Vb-Wetterlage gab es unabhängig davon bereits mehrere Stark- und Dauerregenfälle. Dadurch war der Boden vielerorts mit Wasser gesättigt und konnte die folgenden Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Überflutungen der Flüsse waren die Folge.

Klimatologen meinen, dass sich aufgrund der Klimaveränderung die Vb-Wetterlagen im Sommer häufen werden. Wenn sich dazu noch die prognostizierte Tendenz der heißen Sommer im Mittelmeer einstellt, werden wir häufiger mit Stark- und Dauerregen im mittleren Osteuropa rechnen müssen.

Dass sich die Vb-Wetterlagen häufen, lässt sich auch schon beobachten. Zwischen 1970 und 2007 gab es gerade eine Handvoll Hochwasser-Ereignisse, die auf diese Wetterlage zurückzuführen waren. Darunter waren das Oder-Hochwasser im Sommer 1997 und das Elbe-Hochwasser 2002.  Allein 2007/2008 gab es innerhalb von zwölf Monaten fünf Mal Vb-Wetter. 2008/2009 gab es schon sechs dieser Ereignisse, die im Mittelmeerraum für Regen und Schnee sorgten. 2010 schneite es in Katalonien (Spanien) im Januar und März so viel wie seit einem Viertel-Jahrhundert nicht mehr. Beide Wetterextreme waren auf Vb-Wetter zurückzuführen.

Wikipedia: Vb-Wetterlage

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