RFI-Faktor

RFI ist die Abkürzung für Radiative Forcing Index und stellt den Versuch dar, die Klimawirkungen von Flugzeugen vollständig zu erfassen. Die "Erwärmungswirkung" (englisch radiative forcing) der Emissionen des --> Luftverkehrs auf das Weltklima hängt nämlich nicht allein von der Menge des ausgestoßenen --> Kohlendioxids ab, Flugzeuge verursachen daneben noch andere --> Treibhausgase, die noch dazu in besonders sensiblen Schichten der Erdatmosphäre ausgebracht werden: --> Stickoxide zum Beispiel oder auch Rußpartikel und Wasserdampf.

Um die gesamten Klimaschäden durchs Fliegen abzuschätzen, werden die CO2-Emissionen mit dem RFI-Faktor multipliziert. Über die exakte Höhe dieses Faktors bestehen noch wissenschaftliche Unsicherheiten. Der Weltklimarat IPCC hat sich schon 1999 in einem Report ausführlich dazu geäußert und nannte einen Faktor von 2,7. Auf der Basis des IPCC-Berichts von 2007 haben Hartmut Graßl vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und der Berliner Luftverkehrsexperte Dietrich Brockhagen in einem Aufsatz einen RFI-Faktor von 1,9 bis 4,7 vorgeschlagen. Das Umweltbundesamt schrieb 2008 in einem Leitfaden zur freiwilligen Kompensation von Treibhausgasen:

"Bedeutsam für den RFI sind unter anderem die Emission von Stickoxiden und die Förderung vermehrter Wolkenbildung durch den Ausstoß von Rußpartikeln und Wasserdampf. Die Wirkung letzterer lässt sich allerdings bisher noch nicht mit der gleichen Sicherheit wie die anderen Effekte des Flugverkehrs bestimmen, weshalb der RFI nach derzeitigem Wissensstand nur als Spanne angegeben werden kann. Nach Schätzung des Umweltbundesamtes liegt er zwischen 3 und 5, das heißt, die Klimawirkung des Flugverkehrs ist mindestens 3-mal und höchstens 5-mal so groß wie die Wirkung des ausgestoßenen Kohlendioxids allein."

Neuere Publikationen des Umweltbundesamtes bestätigen den Faktor und gehen weiter vom Drei- bis Fünffachen aus.

Seriöse Angebote zur Klimakompensation von Flugreisen sollten deshalb stets einen RFI-Faktor berücksichtigen. Die meisten Fluggesellschaften ignorieren aber die erhöhte Klimaschädlichkeit. Sie betonen gern, dass auf den Luftverkehr nur rund zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes entfielen, womit sie ausdrücken wollen, dass in anderen Wirtschaftsbereichen Klimaschutzmaßnahmen notwendiger und sinnvoller seien. Der durch den Luftverkehr zu verantwortende Klimaschaden beträgt aber bei Berücksichtigung des RFI-Faktors sechs bis zehn Prozent des gesamten menschengemachten Treibhauseffekts – und der Verursacher ist nur ein sehr kleiner, privilegierter Teil der Weltbevölkerung.

Wikipedia: Radiative Forcing Index

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