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CCS-Technologie

CCS steht für Carbon Capture and Storage – Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CO2).

In mehreren Ländern wird an Verfahren geforscht, mit denen --> Kohlendioxid aus Kraftwerksabgasen abgetrennt und dauerhaft unterirdisch eingelagert werden soll. Mit dem Bau erster Pilotanlagen wurde 2006 begonnen. Die Einlagerungstechnik ist noch im Erprobungsstadium, Marktreife wird nicht vor 2020 erwartet.

CO2-Abscheidung

In Deutschland setzten die Stromkonzerne auf verschiedene Verfahren: Mit dem Oxyfuel-Verfahren experimentierte der Stromkonzern Vattenfall in einer inzwischen stillgelegten Versuchsanlage am Lausitzer Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe. Kohle wird dabei in reinem Sauerstoff verbrannt, der Wasserdampf wird auskondensiert – übrig bleibt ein bis zu 90 Prozent konzentriertes Kohlendioxid-Gas, das unter Druck verflüssigt wird.

Der Konkurrent RWE wollte das sogenannte Pre-Combustion-Verfahren testen: Dabei wird Kohle vor der Verbrennung in einem Vergaser zu Kohlenmonoxid und Wasserstoff umgewandelt. Energieträger ist Wasserstoff. Das Kohlenmonoxid wird mit Wasserdampf zu Kohlendioxid umgewandelt.

Eon setzte auf das Post-Combustion-Verfahren, bei dem das Kohlendioxid chemisch aus den Rauchgasen herausgewaschen wird.

CO2-Speicherung

Nach der Abscheidung muss das Kohlendioxid "nur noch" unter die Erde gebracht werden. Und zwar dauerhaft – worunter aber meist nur 200 oder 10.000 Jahre verstanden werden – und ohne signifikante Leckagen.

In Ketzin bei Potsdam wurde die unterirdische Lagerung des Klimagifts vom Geoforschungsinstitut Potsdam untersucht: 60.000 Tonnen reinen Kohlendioxids wurden in eine 650 Meter tiefe poröse Sandsteinformation gepumpt. Vattenfall wollte sein CCS-Abgas in der Altmark in ausgegasten Erdgaslagerstätten verpressen, RWE eine Rohrleitung nach Schleswig-Holstein bauen. Wegen technischer Probleme und Bürgerprotest wurden die Vorhaben gestoppt.

Es ist noch völlig unklar, ob eine sichere CO2-Endlagerung tatsächlich für viele Jahrhunderte garantiert werden kann. Laut einer Studie der Stanford University in den USA kommt es bei der Verpressung von CO2 in den Boden sehr wahrscheinlich zu schwachen Erdbeben, bei denen die unterirdischen Speicher undicht werden können. Deshalb sei CCS eine riskante und wahrscheinlich erfolglose Strategie zur Treibhausgas-Reduktion.

Ein kurzfristiger Austritt größerer CO2-Mengen wäre lebensgefährlich, denn ab einer Konzentration von etwa acht bis zehn Prozent in der Atemluft ist das farb- und geruchlose Kohlendioxid tödlich. Es ist schwerer als Luft und könnte sich etwa in Talmulden sammeln. Aber auch, wenn das Klimagas nur sehr langsam wieder austritt und dabei jährlich nur 0,01 Prozent der eingelagerten Menge erreicht, verfehlt die CO2-Speicherung ihr Ziel.

Gestritten wird bereits darum, wer für eventuelle Leckagen haftet. Die Energiekonzerne erklären zwar, die Technologie könne sicher gemacht werden, wollen aber nicht haften. 

Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen halten CCS für ein Feigenblatt der Stromkonzerne, um den Weiterbetrieb ihrer fossilen Kraftwerke zu rechtfertigen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht absehbar, ob die Technologie jemals sicher und bezahlbar sein wird. Mehrere ambitionierte CCS-Projekte sind inzwischen aus Kostengründen auf Eis gelegt oder aufgegeben worden, in Deutschland ebenso wie im Ausland.

Nach starken Bürgerprotesten in mehreren deutschen Bundesländern trat in Deutschland 2012 ein CCS-Gesetz in Kraft, das den Bundesländern die Möglichkeit gibt, CCS auf ihrem Territorium zu verbieten. Mehrere Bundesländer haben bereits davon Gebrauch gemacht. Die Bundesregierung lässt aber erforschen, wie sich die Akzeptanz für CCS in der Bevölkerung wieder erhöhen lässt.

In Österreich ist CCS seit 2011 verboten.

Wikipedia: CO2-Abscheidung und -Speicherung

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