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Wind: Schnellster Weg zur Energiewende

Jetzt haben wir sie, die Energiewende: Aus den großen Atomkraftwerken werden kleine dezentrale Windkraftwerke, Sonnenkraftwerke, Biomassekraftwerke. Hurra? Ein Windrad vor jedem Horizont? Maiswüsten für die Biomasse? Solarparks statt grünem Rasen? Halten wir kurz inne: klimaretter.info läßt die Aspekte der Energiewende diskutieren.

Teil 2 unserer Debattenserie
von Hanno Böck,
Redakteur bei klimaretter.info

Die "Verspargelung der Landschaft" - eine Begrifflichkeit, die einst Baden-Württembergs ehemaliger Ministerpräsident Erwin Teufel prägte – begegnet einem immer öfter als Argument gegen den Ausbau einer ökologischen Energieversorgung. Auch Georg Etscheit führt in seinem Beitrag dieses Argument an und fordert, sich beim Ausbau von Windkraft zurückzunehmen.


Verspargelung der Landschaft oder Ästhetik? (Foto: Hanno Böck)

Etscheit schreibt, an erster Stelle müssen Energieeffizienz und Stromeinsparung stehen. Da wird er von mir keinen Widerspruch ernten. Die Möglichkeiten zum Stromeinsparen sind längst nicht ausgenutzt, die Art und Weise, wie energiesparende Geräte ausgezeichnet werden, ist miserabel, die Erkenntnis, dass die Abschaffung von Standby-Schaltungen alleine schon einige Kraftwerke überflüssig machen würde, ist auch schon ein paar Jahre alt. Aber: Eine Alternative zu Ausbau der Erneuerbaren sind Stromeinsparungen nicht – selbst wenn man von sehr ambitionierten Stromsparzielen ausgeht, die bisherige Energieerzeugung durch Erneuerbare reicht noch lange nicht, um den fossilen Stromerzeugungspark zu ersetzen. Wer wie Etscheit fordert, zuerst auf Stromsparen zu setzen und erst danach die Energiewende mit voller Kraft anzugehen, redet letztendlich einer Verlängerung der fossilen Energieerzeugung das Wort.

Realistisch gesprochen sind Windkraftanlagen an Land die beste Option, um die Energiewende voranzutreiben. Ich habe keine Einwände gegen Offshore-Anlagen, ich warne aber davor, hier allzu optimistische Prognosen abzugeben – Offshore-Windkraft trägt bislang fast nichts zur erneuerbaren Stromerzeugung bei. Im Jahr 2010 erzeugten diese 0,2 Terawattstunden – Onshore-Anlagen dagegen 36,3. Die technischen Herausforderungen sind enorm und längst nicht alle gelöst. Es dürfte klar sein: "Schnell" werden Offshore-Anlagen nicht in großem Umfang zur Verfügung stehen.

Doch genau darum geht es: Die Energiewende muss so schnell wie möglich stattfinden. Glücklicherweise gibt es inzwischen einen breiten gesellschaftlichen Konsens über die Abschaltung der Atomkraftwerke. Der Ausstieg aus der Klimakiller-Kohle muss das nächste Ziel sein und jüngere wissenschaftliche Studien sagen sehr deutlich, dass auch Gaskraftwerke weit weniger klimafreundlich sind als dies in der Vergangenheit angenommen wurde.


Gegen diese beiden Windräder kämpfte einst Erwin Teufel (CDU) - glücklicherweise erfolglos. (Foto: Michael Schulze von Glaßer)

Das Naturschutz-Argument fällt ziemlich schnell in sich zusammen, wenn man es näher betrachtet. Die Eingriffe in die Natur sind im Vergleich zu anderen Industriebauten minimal. Im Jahr 2005 schätzte das Umweltministerium den Flächenverbrauch aller Windkraftanlagen auf 400 bis 760 Hektar. Heute stehen in Deutschland etwa doppelt so viele Anlagen – selbst wenn man die pessimistischere Zahl als Grundlage nimmt, kommt man also auf einen Gesamtflächenverbrauch von etwa 1500 Hektar – für ganz Deutschland. Nur zum Vergleich: Alleine der Frankfurter Flughafen versiegelt ebenfalls mehr Fläche wie alle Windkraftanlagen zusammen (1.940 Hektar). Das deutsche Autobahnnetz bedeckt mehr als 20 mal so viel Fläche.

Wie sehr die Maßstäbe längst verrückt sind, zeigt auch folgendes Beispiel: Für Windräder im windkraftreichen Brandenburg gilt eine Abstandsregelung von 1.000 Metern zur nächsten Wohnsiedlung. Braunkohletagebaue hingegen müssen nicht mit derartigen Einschränkungen kämpfen - sie dürfen bis zu 150 Meter an die Wohnhäuser heranreichen - so vorgesehen etwa beim geplanten Tagebau Welzow-Süd.

Worum es letztendlich geht ist alleine der so genannte Landschaftsschutz – die Optik, das Aussehen der Windräder in der Landschaft. Nun lässt sich über Ästhetik nicht streiten – was der eine als Verspargelung betrachtet, empfinden andere (mich eingeschlossen) als ausgesprochen schön.

Im übrigen ist auch der Maisanbau für die Biogasgewinnung ist ein weit größerer Eingriff in die Natur. Und an dieser Stelle stimme ich Herrn Etscheit zu: Das ist ein Problem. Der NABU schätzt, dass 800.000 Hektar Maisanbaufläche für die Energiegewinnung genutzt werden (wobei diese natürlich nicht direkt mit einer Flächenversiegelung verglichen werden kann). Das schadet nicht nur dem Naturschutz, sondern ist auch alles andere als klimafreundlich. Monokulturen erfordern einen hohen Einsatz von Düngern und Pestiziden – hergestellt aus fossilen Rohstoffen.

Die gute Nachricht ist: Die Windkraft hat weit mehr Fans als gemeinhin angenommen wird. Obwohl es einige lautstarke Gegner gibt, gehen Abstimmungen sehr häufig zu Gunsten der Windenergie aus. Im baden-württembergischen Glottertal nahe Freiburg stimmten in einer Bürgerbefragung 55 Prozent für den Bau von Windrädern – die Dagegen-Partei CDU verhindert dies allerdings trotz Bürgermehrheit bislang. Im nahegelegenen Münstertal wurde zeitgleich mit der Landtagswahl über zwei mögliche Standorte abgestimmt – ein Standort fand 80 Prozent Zustimmung, der etwas umstrittenere andere 75 Prozent.

In Brandenburg, wo schon sehr viele Windparks stehen, erlangte die Windenergie bei einer Umfrage von allen Stromerzeugungsformen die höchsten Sympathiewerte – 66 Prozent wünschen sich eine stärkere Nutzung. In Schleswig-Holstein würden viele Kommunen gerne mehr Windräder aufstellen, befürchten aber gerade, hierbei von der Landesregierung ausgebremst zu werden.

Klar, die Liste ist selektiv, es gibt auch Abstimmungen, die gegen die Windräder ausgehen. Die Akzeptanz steigern können Bürgerwindparks und andere Beteiligungsmöglichkeiten – die Planungen sollten mit den Menschen und nicht gegen sie stattfinden. Dann – davon bin ich überzeugt – ist auch ein ambitionierter und schneller Ausbau der Windenergie mit viel Bürgerbeteiligung und Akzeptanz möglich.

Bisher in unserer Debattenserie erschienen:

Georg Etscheid - Energiewende: Heimat Ade!
Hanno Böck - Wind: der schnellste Weg zur Energiewende
Franz Untersteller - Kein "Durchregieren" für die Energiewende
Prof. Michael Succow - Die "Vermaisung" der Landschaft ist ein Fluch
Claudius da Costa Gomez - Biogas unverzichtbar für die Energiewende

Jetzt haben wir sie, die Energiewende: Aus den großen Atomkraftwerken werden kleine dezentrale Windkraftwerke, Sonnenkraftwerke, Biomassekraftwerke. Hurra? Ein Windrad vor jedem Horizont? Maiswüsten für die Biomasse? Solarparks statt grünem Rasen? Halten wir kurz inne: klimaretter.info läßt die Aspekte der Energiewende diskutieren.
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