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"Im Interesse der Erdöl-Lobby"


franz_alt

 

 

von Franz Alt,
Buchautor und Fernsehmoderator

 




In Brasilien, in den USA und in Frankreich fahren Millionen Autos mit so genanntem "Bio-Sprit" oder mit einem Mix aus Agrotreibstoffen- und herkömmlichem Benzin. Nur in Deutschland gibt es jetzt bei der Einführung von Agro-Sprit E10 Chaos an den Tankstellen. Die Gründe sind nicht technischer, sondern ausschließlich politischer Natur.

Erstens: Die Erdöl-Industrie hat Interesse, möglichst viel Erdöl zu verkaufen, aber nicht Agro-Ethanol. Also hätte die Politik rechtzeitig darauf achten müssen, dass die Öl-Lobby ihre Selbstverpflichtung zu 10 Prozent Agro-Ethanol auch ernstnimmt und die Autofahrer rechtzeitig darüber aufklärt, dass 99 Prozent der deutschen Autos die neue Mischung problemlos vertragen wie anderswo auch.

Zweitens: Jetzt rächt sich, dass die Regierung Merkel mehr die Interessen der heimischen Autowirtschaft vertritt als die Belange der Umwelt und der Gesundheit der Menschen. Als die EU einen Grenzwert von 120 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Pkw-Kilometer festsetzen wollte, hat die damalige Große Koalition in Berlin gebremst und auf 130 Gramm plus Agro-Ethanol-Anteil bestanden. Das seien faktisch auch 120 Gramm argumentierten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Die Autoparteien CDU/CSU und SPD waren wieder einmal vor den Interessen der großen fünf deutschen Autobauer in die Knie gegangen.

Drittens: Agro-Sprit ist für Autohersteller nur interessant, wenn er ihnen hilft, die von der Politik zu bestimmenden Abgas-Grenzwerte zu unterlaufen. Der Auto-Lobby galt Klimaschutz durch Agro-Kraftstoffe schon immer als Öko-Mäntelchen, um weiterhin viel zu große und viel zu schwere Schlitten bauen zu können. Franzosen, Italiener und Spanier bauen und fahren intelligenter weise kleinere und leichtere und damit auch umweltfreundlichere Autos.

Biomasse im Tank hilft dem Klima wenig, wenn die Autos künftig nicht abgespeckt werden. Ein deutscher Autofahrer fährt im Schnitt beinahe zwei Tonnen Blech durch die Gegend, um 70 Kilogramm Mensch zu transportieren. Das ginge auch intelligenter. Also darf die Politik nicht nur an Symptomen wie etwas mehr oder weniger Agro-Sprit im Benzin herum kurieren, sondern sie muss Daimler, BMW und Co. rigidere Auflagen machen.

Aber die Bundesregierungen aus CDU/CSU, SPD und FDP verwirren lieber Millionen Autofahrer als dass sie sich mal mit fünf großen Autokonzernen so richtig anlegen und für eine ökologischere Mobilität kämpfen. Merkels Truppe hatte und hat Angst vor der Auto-Lobby. Das beste Beispiel: VW hat schon vor 10 Jahren das Ein-Liter-Auto gebaut. Es steht im VW-Museum in Wolfsburg anstatt auf den Straßen zu fahren! Gefordert ist endlich eine Mobilitäts-Politik auf der technischen Höhe der Zeit.


Der Stoff, aus dem einmal Agro-Sprit werden soll: Getreide. (Foto: Schulze von Glaßer)


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