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Dominosteine und die Wirtschaftlichkeit

 

 

Ein Standpunkt von Elias Perabo,
Kohlespezialist der Klima-Allianz

 

 

Jetzt also auch noch die Klimaretter - nachdem die Atomindustrie jahrelang mit dem Slogan "Deutschlands ungeliebte Klimaschützer" für den Weiterbetrieb ihrer Atomkraftwerke geworben hatten, greift nun ausgerechnet Nick Reimer aus der Redaktion von klimaretter.info in seinem Artikel vom 28. Januar diese Argumentation auf. Reimer behauptet fälschlicherweise, dass "die AKW-Laufzeitverlängerungen tatsächlich gut fürs Klima werden könnte", da sie den Neubau von Kohlekraftwerken verhindere. Zeit, sich etwas genauer den Zusammenhang zwischen dem Neubau von Kohlekraftwerken und der Laufzeitverlängerung anzuschauen.

Ja, es stimmt, die Neubaupläne für Kohlekraftwerke fallen in Deutschland momentan um wie Dominosteine. Neben den zehn sich bereits seit Jahren im Bau befindenden Kohlekraftwerken stehen heute fast alle weiteren Pläne für Kohlekraftwerkspläne vor dem Aus. Allerdings, mit der Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken hat der Trend gegen den Neubau von Kohlekraftwerken erst mal nichts zu tun. Von den zehn verhinderten Kohlekraftwerken in den letzten zwei Jahren fielen neun Entscheidungen weit vor dem Entschluss einer Laufzeitverlängerung. Lediglich eine Kraftwerksplanung wurde nach der Laufzeitverlängerung aufgegeben und diese nach Aussagen des Betreibers GDF wegen gleich mehreren Faktoren.

Bundesweit lässt sich feststellen, dass der Trend gegen neue Kohlekraftwerke maßgeblich von drei Ursachen bestimmt wird.

Erstens, den massiven und inzwischen durchaus professionellen lokalen Protesten vor Ort und den damit einhergehenden stetig sinkende Akzeptanz für neue Kohlekraftwerke.

Zweitens, zunehmende rechtliche und planerische Unsicherheiten. Die intensive juristische Begleitung von Genehmigungsverfahren, hat nicht nur zu sehr langen Genehmigungsprozesse geführt, sondern bürgen auch die Gefahr einer Klage gegen ein neues Kohlekraftwerk, wie im Falle des Kohlekraftwerks Datteln. Der Weiterbau des Kraftwerks musste nach einem Gerichtsurteil des Oberverwaltungsgerichts Münster gestoppt werden.

Drittens, die sich veränderte Wirtschaftlichkeit von Kohlekraftwerken (wobei natürlich Faktoren wir Reputationsrisiko und rechtliche Unsicherheiten in die Wirtschaftlichkeitsrechnung der Konzerne einfließen).

Während die ersten beiden Ursachen, komplett unabhängig von der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke sind, lässt sich nicht bestreiten, dass die Wirtschaftlichkeit von Kohlekraftwerken unter anderem durch den Atomausstieg beeinflusst wird.

Allerdings gilt auch hier zu beachten, dass viele Pläne für neue Kohlekraftwerke auf Grund von wirtschaftlichen Erwägungen bereits weit vor der Laufzeitverlängerung gekippt wurden. Das arrhenius Institut kam bereits in einem Gutachten 2009 zu dem Schluss dass der Neubau von Kohlekraftwerken auf Grund von Brennstoff-, CO2-Preisen und einem immer größeren Anteil von Erneuerbaren Energien selbst bei einem Ausstieg aus der Atomkraft nicht wirtschaftlich dargestellt werden könnte. Zahlreiche andere WirtschaftswissenschaftlerInnen schlossen sich dieser Sichtweise an.

Die Laufzeitverlängerung verschlechtert also höchstens die ohnehin schon negative Wirtschaftlichkeit von neuen Kohlekraftwerken, die auch bei einem Ausstieg nicht mehr wirtschaftlich gewesen wären. Anstatt also neue Kohlekraftwerk zu verhindern, verhindert der Weiterbetrieb der AKWs vielmehr den weiteren zügigen Ausbau der Erneuerbaren Energien und Klimaschutz ist das auf jeden Fall nicht.

 

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