Down Under zwischen Hochwasser und Buschfeuern

von Falk Hermenau
ehemaliger Koordinator des Volksbegehrens "Keine Neuen Tagebaue" 2009 in Brandenburg
Schon als ich im Oktober 2010 die Ostküste Australiens von Sydney bis Cairns mit dem Bus abreiste, erzählten mit Einheimische, dass sie soviel Regen wie in diesem Jahr noch nie hatten. Im vom Regen weniger betroffenen Sydney habe ich dann das volle Ausmaß der Überschwemmungen aus sicherer Entfernung beobachten dürfen. Eine ganze Region ist dort von einem Hochwasser betroffen, das die Dimensionen vom Elbhochwasser 2002 in Deutschland vollkommen in den Schatten stellen - zumindest was die Wassermengen angeht. Denn so viele Menschen wohnen ja nicht in der betroffenen Region. Weniger als der Mensch ist die Natur hier betroffen von den Auswirkungen des Klimawandels. Doch davon ist in den Mainstream Medien weniger zu lesen.
Die Region um Rockhampton - in Zentral Queensland - wurde schon in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mal vom Hochwasser betroffen. Seit einigen Wochen regnet es nun schon fast ohne Unterbrechung und die Flusspegel sind in der Region sind ständig angestiegen. Der Fitzroy Rover fließt direkt durch Rockhampton, die Farmhauptstadt der Region. Am vergangenen Donnerstag wurde der vorläufige Höchststand 9,2 Metern gemessen. Die katastrophalen Bilder aus den betroffenen Städten sind nur ein Bruchteil dessen was sich hier vor Ort tatsächlich an Naturkatastrophe abspielt. Schwerpunkt der Medien ist allerdings die Berichterstattung im Hinblick auf Verluste für die Landwirtschaft, den Gütertransport per Eisenbahn und die Kohleförderung - in der Australien ja bekanntlich Weltmeister ist.
Die Frage nach Gründe und Ursachen sucht man in der australischen Presse vergeblich: Nur ganz klein am Rande wurde in den letzten Tagen einmal die zu erwartenden Negativ-Auswirkungen auf das Great Barrier Reef erwähnt: Umweltgruppen warnen vor Chemikalien aus Tagebauen und Farmen die über den Fitzroy Rivern in den Ozean geschwemmt werden. Auf das Korallenriff, das als größtes zusammenhängende Ökosystem der Welt sogar vom Weltraum aus (noch) zu sehen ist, wird das zusätzlichen Stress ausüben.
Vor negativen Auswirkungen des Kohle-Bergbaus wie diesen warnen Umweltschützer schon seit Jahren. Aber die Politik in Australien steckt offenbar noch weit stärker im Griff der Kohle-Industrie als etwa in Deutschland. Überdeutlich wurde das bereits im Juni 2010, als eine neue Besteuerung für Kohle-Unternehmen eingeführt werden sollte: Der Druck der Lobbyisten auf die regierende Partei war so groß, dass der in Ungnade gefallen Regierungschef in einer Nacht und Nebel Aktion ausgetauscht wurde. Am Ende wurde eine Minimal-Version der Besteuerung nach der Neuwahl beschlossen, die den größten Klimaschädlingen auch weiter Milliardengewinne aus dem Kohle-Export sichert.
Im Süden Australiens und der Region um Melbourne im Bundesstaat Victoria hat es unterdessen bereits Warnungen vor Buschfeuern gegeben: Auch an der Westküste des Landes um Perth fallen weniger Niederschläge - die Wasservorräte schrumpfen zusammen, so dass eine Rationierung bald wieder nötig sein wird. Die Wasserversorgung ist und bleibt auf dem trockenensten Kontinent der Welt eine der Hauptsorgen seiner Bewohner. Darüber sollte auch eine gewaltige Überschwemmung im Nord-Osten Australiens nicht hinwegtäuschen.
Aber Überschwemmungen gab es ja schon immer - die akuten Auswirkungen des Klimawandels will man hier vielerorts nicht wahrhaben. Interessant: Bereits in den 50er Jahren gebaute Dammsysteme waren Anfang 2010 noch gerade einmal zu rund 26 Prozent gefüllt, am Ende des Jahres bereits zu 80 Prozent. Klar, dass diese Dämme nicht immer dort stehen, wo Flüsse über ihre Uferlinien treten. Der Oppositionsführer und Wahlverlierer der letzten Wahl im Sommer 2010 hat dennoch bereits groß auf die Pauke gehauen und Pläne für neue Dämme in Queensland aus den Schubladen geholt - und setzt auf Aktionismus statt Ursachen-Forschung!
Und das, obwohl im letzten Jahr sehr ambitionierten und engagierten Wissenschaftler und Wirtschaftsprofessoren der Uni Melbourne einen Plan auf den Tisch gelegt hatten, der Australien innerhalb von 10 Jahren den Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare Energien ermöglichen würde und gleichzeitig das Transportsystem ausbauen könnten. Derzeit erzeugt Australien noch 80 Prozent seines Energiemix aus Kohle.
Aber bis die Zusammenhänge zwischen massivem Kohle-Abbau, Export und Verbrennung mit dem Klimawandel von allen Akteueren erkannt wird und die überfälligen Schritte in die Tat umgesetzt werden, wird wohl noch viel Wasser den Fitzroy River und die umliegenden Flusssysteme herunterfließen müssen - leider!
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