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Der Gehörnte hat die Wahl

Von Matthias Willenbacher,
Herausgeber von klimaretter.info, Gründer des Erneuerbaren-Projektentwicklers juwi im rheinhessischen Wörrstadt und Greentech Manager des Jahres 2009

 

Der 21. Dezember ist vorbei und wir leben noch. Die Welt ist zum Glück nicht untergegangen. Da lohnt es sich doch, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und in die Zukunft zu blicken. 2012 war ein turbulentes und auch leider kein einfaches Jahr für die Branche der erneuerbaren Energien. Von Seiten der Politik sind Entscheidungen getroffen worden, die der Branche stark zugesetzt haben.

Ich denke da zum Beispiel an die gravierenden Solarkürzungen Mitte des Jahres. Über fünf Monate war die Solarbranche gelähmt, weil nicht klar war, ob die geplanten Kürzungen nun tatsächlich eintreten würden. Banken und Investoren waren verunsichert, der Bau neuer Photovoltaik-Anlagen stockte. Im Juni bewahrheiteten sich dann schließlich unsere Befürchtungen: Die unangemessen hohen Kürzungen für Solaranlagen gingen weitestgehend durch. Solarparks ab einer Größe von zehn Megawatt werden überhaupt nicht mehr gefördert. Dabei sind gerade diese Anlagen die volkswirtschaftlich günstigste Form der Stromerzeugung im Bereich Photovoltaik. Insbesondere Komponentenhersteller konnten dem Druck nicht statthalten und mussten Konkurs anmelden.

Zum Glück ist juwi, das Unternehmen, das Fred Jung und ich vor 16 Jahren gegründet haben, stabil aufgestellt. Wir sind international aktiv und sind neben der Photovoltaik auch in den Bereichen Windenergie und Bioenergie tätig. Deshalb konnten uns diese Rückschläge für die Branche nicht so hart treffen – auch wenn wir in den vergangenen Monaten unsere Strategie überdenken mussten. Für den Bereich Windenergie war 2012 ein gutes Jahr. Länder wie Baden-Württemberg und Bayern haben sich der Windenergie geöffnet, wir haben viele tolle Projekte umgesetzt. Allein in den vergangenen Wochen haben wir in Costa Rica und den USA zwei große Windparks in Betrieb genommen. Im Hunsrück entsteht derzeit ein Windpark, der genug Strom für 33.000 Haushalte liefern wird – ein weiterer Meilenstein für die Energiewende. Und das ist wichtig.

Es geht um nicht weniger als ein lebenswertes Leben auf dieser Erde und für kommende Generationen

Denn alle predigen die Energiewende, doch der Wille sie wirklich voranzutreiben fehlt oft. Das zeigte auch das abgelaufene Jahr. Im Hintergrund wurden die Fäden gezogen, um die Energiewende so lange wie möglich hinauszuzögern. Und diese Tendenzen könnten sich auch 2013 fortsetzen und die Energiewende gefährden. Nur ein Beispiel: Anstatt regenerative Energien dezentral und schnell dort auszubauen, wo der Strom gebraucht wird, sollen teure Offshore-Windräder den Strom für die Industrie im Süden produzieren. Dieser soll über teure Hochspannungsleitungen, die erst noch mit hohem Zeitaufwand gebaut werden müssen, durch das ganze Land transportiert werden. Das Ergebnis: Die Energiewende wird deutlich verzögert. Und teurer als nötig.

Oder ein anderes Beispiel: Im Oktober wurde bundesweit über die angeblich so teuren erneuerbaren Energien diskutiert – sie würden den Strompreis in die Höhe treiben. Verschwiegen wird aber, dass für die Strompreiserhöhungen der vergangenen Jahre vor allem die fossilen Brennstoffe verantwortlich waren. Für die jetzige Erhöhung war zu einem großen Teil auch die Befreiung hunderter Unternehmen von der EEG-Umlage verantwortlich.

Es gibt also Tendenzen, die Energiewende zu blockieren. Der Gehörnte dabei ist der Verbraucher. Statt sauberen und sicheren grünen Strom soll er, wenn es nach dem Willen der großen Vier – Eon, RWE, Vattenfall und EnBW – geht, weiterhin dreckigen und strahlenden fossilen und atomaren Strom bekommen.

Ich würde mir wünschen, dass diese Tendenzen im neuen Jahr besser erkannt werden. Denn es geht um nicht weniger als ein lebenswertes Leben auf dieser Erde und für kommende Generationen. Der Klimagipfel in Doha vor einem Monat war enttäuschend und hat keine nennenswerten Ergebnisse gebracht. Wirkliche Entscheidungen und Verpflichtungen werden von der Weltgemeinschaft stets auf die kommenden Jahre verschoben. Umso wichtiger also, dass die Verbraucher sich für die Wende einsetzen.

Und die haben 2013 die Wahl. Denn auch die Bundestagswahl entscheidet darüber, wie der Ausbau der erneuerbaren Energien in Zukunft gestaltet wird. Die Bürger und Medien sind deshalb aufgefordert, genau zu prüfen, für welches Konzept die zu wählenden Kandidaten stehen. Ob sie für ein zentralistisches Energiesystem stehen oder für ein dezentrales Energiesystem, an dem die Bürger partizipieren und von dem sie profitieren.


Wo geht es lang? Darüber wird dieses Jahr entschieden. (Foto: Paul Langrock)

Die erneuerbaren Energien wurden oft unterschätzt und haben mehr geschafft, als viele ihnen zugetraut hätten. Deshalb bin ich auch für das kommende Jahr zuversichtlich. 2013 wird in Deutschland vor allem die Windkraft weiter Fahrt aufnehmen. International sind die erneuerbaren Energien weiter auf dem Vormarsch. Das sind gute Zukunftsaussichten.


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