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Biogas: unverzichtbar für die Energiewende

Jetzt haben wir sie, die Energiewende: Aus den großen Atomkraftwerken werden kleine dezentrale Windkraftwerke, Sonnenkraftwerke, Biomassekraftwerke. Hurra? Ein Windrad vor jedem Horizont? Maiswüsten für die Biomasse? Solarparks statt grünem Rasen? Halten wir kurz inne: klimaretter.info lässt die Aspekte der Energiewende diskutieren. Teil fünf unserer Debattenserie

 Ein Gastbeitrag des Geschäftsführers des Fachverband Biogas, 
von Claudius da Costa Gomez

Droht die "Vermaisung" der Landschaft durch Biogas? Die Biogas-Technologie steht regional in die Kritik, weil nicht nur landwirtschaftliche Reststoffe, sondern auch eigens dafür angebaute Pflanzen wie Mais und Roggen eingesetzt werden. Die Kritiker verlieren dabei leider die Relationen aus dem Blick, und sie übersehen, wie wichtig gerade die Biogas-Nutzung für die Energiewende ist.

Biogas ist derzeit der einzige erneuerbare Energieträger, der zu geringen Kosten in größerem Umfang gespeichert werden kann. Damit ist die Strom- und Wärmeerzeugung aus Biogas sowohl grundlast- als auch spitzenlastfähig. In Zeiten hoher Stromeinspeisung aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen kann Biogas in Folienspeichern bei den Biogasanlagen oder im Erdgasnetz gespeichert werden. Ist die Stromerzeugung aus den fluktuierenden Quellen gering, kann das gespeicherte Biogas verstärkt zur Stromproduktion genutzt werden. Das regenerative Energiesystem wird auf diese Ausgleichsfunktion angewiesen sein. Biogas nimmt also eine Schlüsselfunktion ein.

Um dieser Ausgleichsfunktion gerecht zu werden, muss ein möglichst großes Rohstoffpotenzial erschlossen werden. Die Verwertung von Rest- und Abfallstoffen etwa aus Landwirtschaft, Grünschnitt oder Lebensmittelproduktion wird dafür nicht ausreichen. Der - und das ist wichtig - nachhaltige, also ökologisch verträgliche Anbau von Energiepflanzen wird auch künftig wichtig für die Biogasproduktion sein.


Mais und Weizen in der Rhön. (Foto: J. Treblin)

Derzeit werden für die Biogasproduktion in Deutschland rund 800.000 Hektar mit Energiepflanzen bestellt, wobei Mais den Löwenanteil ausmacht. Das sind nur 6,7 Prozent der Ackerfläche und 4,7 Prozent der gesamten Agrarfläche (Acker und Grünland) in Deutschland. Seit 2009 sind vor allem in solchen Regionen viele Biogasanlagen entstanden, die wegen hoher Viehbestände in der Landwirtschaft bereits einen hohen Anteil an Mais in der Fruchtfolge aufwiesen, etwa in bestimmten Landkreisen von Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Ursache ist der sogenannte Güllebonus, der 2009 in das Erneuerbare-Energien-Gesetz aufgenommen wurde.

Die pauschale Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft wegen der Biogas-Nutzung, wie sie etwa von dem renommierten Naturschützer Michael Succow vorgebracht wird, ist deswegen falsch. Der größte Anteil des Maisanbaus, fast drei Viertel, erfolgt zu Futterzwecken. Im Bundesgebiet wächst Mais auf einer Fläche von rund 2,52 Millionen Hektar. Nach einer Bilanz der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe wird auf rund 0,6 Millionen Hektar Energie-Mais angebaut, also nur auf gut einem Viertel dieser Fläche. Für andere Biogas-Energiepflanzen, wie Roggen und Gras, kommen noch einmal 0,2 Millionen Hektar hinzu.

Der Energiepflanzenanbau für Biogasanlagen bietet in den kommenden Jahren die Chance, neben Mais auch alternative Energiepflanzen wie Rüben und die durchwachsene Silphie (mehrjährig und gelb blühend) anzubauen und damit die Fruchtfolgen noch zu erweitern. Der Fachverband Biogas setzt sich nachdrücklich für die Züchtung und Einführung dieser neuen Energiepflanzen ein. Darüber hinaus beschränkt das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ab 2012 den Einsatz von Mais und Getreide auf maximal 60 Prozent der in Biogasanlagen eingesetzten Stoffe. Die Anlagenbetreiber sind künftig also dazu verpflichtet, auch alternative Energiepflanzen einzusetzen.


Penkun in Nord-Ost-Branbenburg: eine der größten deutschen Biogas-Anlagen.  (Foto: Paul Langrock)

Anders als vielfach behauptet, wird Mais relativ wenig mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Er wird kurz nach der Aussaat einmal mit einem Herbizid gespritzt, danach in der Regel nicht mehr. Andere Kulturarten, zum Beispiel Weizen, werden wesentlich häufiger behandelt, Weizen im Schnitt 3,74 mal, Kartoffeln sogar 8,56 mal - so eine Untersuchung der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft. Mais kommt hier auf nur 1,24 mal – der geringste Wert aller Kulturpflanzen. Darüber hinaus haben die Landwirte in Deutschland die strengen Auflagen des Pflanzenschutzgesetzes zu erfüllen, das etwa die zulässigen Spritzzeiten und die Ausbringtechnik regelt.

Auch beim Thema Düngung wird oft Falsches behauptet. Generell müssen im Ackerbau die Nährstoffe, die durch die Ernte entzogen werden, wieder zurückgeführt werden, um eine Verarmung des Bodens zu vermeiden. Bei Biogasanlagen erfolgt diese Rückführung, indem die sogenannten Gärreste wieder auf die Äcker gebracht werden. Dadurch werden die Nährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium nahezu komplett im Kreislauf gefahren. Das spart endliche Ressourcen ein und schont damit gleichzeitig das Klima, da die Produktion von Düngemitteln sehr energieintensiv ist. Dieser Nährstoffkreislauf hat keinen negativen Einfluss auf das Grundwasser, wenn die Vorgaben der guten fachlichen Praxis eingehalten werden.

Auch andere Probleme, die dem Maisanbau zugeschrieben werden, lassen sich gezielt vermeiden. Die immer wieder kritisierte Gefahr, dass Böden erodieren, wird durch den Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten minimiert. Besonders in Biogasanlagen können diese Pflanzen sinnvoll verwerten werden. Studien belegen, dass langjähriger Biomasse-Anbau keine negativen Auswirkungen auf den Humus-Haushalt hat. Es entspricht eben nicht der Realität, dass ausschließlich Mais auf derselben Fläche ohne Unterbrechung angebaut wird.


Biogasanlage. (Foto: biogastour 2010)

Insgesamt gilt: Der Anbau von Energiepflanzen muss mit Augenmaß betrieben werden. Der Fachverband Biogas spricht sich deswegen eindeutig gegen den Umbruch von bisher als Dauergrünland genutzten Flächen aus, besonders, wenn es sich um artenreiches Grünland handelt. Auf vorhandenen Maisfeldern wiederum kann die Biodiversität zudem durch einfache Maßnahmen, wie die Anlage von Blühstreifen, deutlich erhöht werden. Immer mehr Landwirte tun das auch. Das bringt "Farbe ins Feld". Unter diesem Namen hat der Fachverband Biogas Anfang 2010 ein Blühstreifenprojekt ins Leben gerufen, das immer mehr Landwirte umsetzen (www.farbe-ins-feld.de).

Fazit: Die Biogas-Nutzung ist nicht nur unverzichtbar für die Energiewende, sie bringt auch viele Vorteile für den Erhalt der bäuerlichen Strukturen. Die vorgebrachte Kritik an den Umweltfolgen etwa des Maisanbaus muss ernst genommen werden. Eine genaue Analyse zeigt aber, dass sie in vielen Punkten nicht zutrifft.

Bisher in unserer Debattenserie erschienen:

Georg Etscheit - Energiewende: Heimat Ade!
Hanno Böck - Wind: der schnellste Weg zur Energiewende
Franz Untersteller - Kein "Durchregieren" für die Energiewende
Prof. Michael Succow - Die "Vermaisung" der Landschaft ist ein Fluch
Claudius da Costa Gomez - Biogas - unverzichtbar für die Energiewende

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