Unterschreiben Sie für Yasuní

An keinem anderen Ort der Erde wurden mehr Arten nachgewiesen als in den Regenwäldern am Yasuní Nationalpark in Ecuador. "Es ist die einzige Stelle, wo sich maximale Vielfalt der Amphibien, Vögel, Säugetiere und Pflanzen überschneiden", erklärt der Biologe Dr. Matt Finer.


Artenreich und unberührt: der Yasuni-Nationalpark. (Fotos: Joshua Bousel)

Dummerweise wurde ausgerechnet hier auch ein riesiges Erdölgebiet entdeckt. Die bisher noch unerschlossenen Reserven – geschätzte 846 Millionen Barrel - liegen im Feld Ispingo Tambococha Tiputini (ITT) an der Grenze zu Peru. Das 190.000 Hektar große Gebiet im äußersten Osten Yasunís ist noch völlig unberührt. Und sollte es auch nach dem Willen der Equadorianischen Regierung bleiben: Mit dem Yasuní-Fonds hat Ecuador ein weltweit einmaliges Tauschgeschäft vorgeschlagen. Das lateinamerikanische Land verpflichtet sich, auf die Förderung von Erdöl im Yasuní-Nationalpark zugunsten von Umwelt und der dort lebenden indigenen Bevölkerung zu verzichten. Im Gegenzug zahlt die internationale Gemeinschaft als Ausdruck ihrer "Mitverantwortung" 20 Jahre lang die Hälfte der erwarteten Deviseneinkünfte in einen Kompensationsfonds ein. Das sind insgesamt rund 3,6 Milliarden US-Dollar.

Eine völlig neue Form von internationalem Klimaschutz: Auf diese Weise werden Emissionen direkt eingespart und regionale Entwicklung gefördert. Die schwarz-rote Bundesregierung wollte das innovative Regenwaldprojekt Yasuní-ITT unterstützen, im Bundestag gab es dafür breite Unterstützung, Union, SPD und Grüne haben eine gemeinsame Resolution beschlossen.

Aber dann kam ja die FDP an die Macht: "Entwicklungs"-Minister Dirk Niebel weigert sich trotz anders lautender Beschlusslage des Parlaments, auch nur einen Cent in den Fonds einzuzahlen. Dort sind aktuell 1,8 Millionen Dolla hinterlegt, gezahlt von Spanien, Chile und einigen privaten Institutionen. Wenn bis Jahresende nicht 70 Millionen Euro auf dem Konto zusammen kommen, könnte das Projekt scheitern. 

Die Organisation "Rettet den Regenwald" hat deshalb eine Unterschriften-Kampagne gestartet. "Die Beteiligung Deutschlands ist lebenswichtig für die Initiative", heißt es in der Kampagne, "bitte unterzeichnen Sie unser nachfolgendes Schreiben an den Minister. Wir sammeln die Unterschriften und werden sie in Kürze dem Minister übergeben."

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