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Hambacher Forst retten, Klima schützen

Ein großer Laubwald stand einmal dort, wo jetzt der Braunkohletagebau Hambach als riesiges Loch in der Landschaft gähnt. Jeden Winter rodet der Kohlekonzern RWE dort 8.000 alte Bäume. Doch diesmal ist vieles nicht wie sonst. Eine Petition erhöht jetzt den Druck.

Der Hambacher Forst ist kein Forst. Der Wald westlich von Köln ist ein alter Laubwald, wie es ihn nur noch selten in Deutschland gibt. In den Hainbuchen und Stieleichen des Bürgewaldes, wie er jahrhundertelang hieß, leben fast 150 gefährdete Tierarten, sogar die vom Aussterben bedrohte Bechsteinfledermaus.

BildKahlschlag im Hambacher Forst 2015: Unter dem wertvollen alten Wald liegt angeblich wertvollere Braunkohle. (Foto: Mohamed Challouf/​Wikimedia Commons)

Der Erzählung nach hat der heilige Arnold von Arnoldsweiler den Wald im 8. Jahrhundert umritten und bekam ihn aufgrund einer Wette von Karl dem Großen geschenkt. Weil er die Armut der Bauern in den umliegenden Dörfern sah, schenkte Arnold ihnen das Waldgebiet. Im 20. Jahrhundert kaufte der Energiekonzern RWE den damals größten Wald Nordrhein-Westfalens, nannte ihn Hambacher Forst und machte daraus den größten deutschen Tagebau.

Nur ein kleiner Rest von den ursprünglich 12.000 Hektar Wald steht noch. Jeden Winter ist Rodungssaison. Auch in diesem Winter, zwei Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen, will RWE etwa 8.000 der über 150 Jahre alten Bäume fällen und zusätzlich große Pumpstationen im Wald bauen. Denn das Land NRW und sein Kohlekonzern wollen die über 40 Jahre alten Abbaupläne nicht stoppen. Die Landesregierung hat sogar verhindert, dass der Wald nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt wird.

Umweltverbände wie der BUND, Wissenschaftler und viele Bürger protestieren immer wieder gegen die Tagebau-Ausweitung. Klimaaktivisten haben den Wald jahrelang besetzt und Baumhäuser gebaut – ganze "Dörfer" sind so entstanden, um das Abholzen zu verhindern. Gleichzeitig gerät RWE durch Gerichtsprozesse wegen der Waldzerstörung und wegen seines Anteils am Klimawandel in Erklärungsnot.

"Lassen Sie uns nicht allein"

Nicht zuletzt der Klimagipfel vor einigen Wochen im nahen Bonn hat vielen klargemacht, dass es so nicht weitergehen kann. Klimaschützer aus den Gastgeberländern Fidschi und Deutschland besuchten gemeinsam den Tagebau Hambach, die Inselbewohner standen ungläubig und betroffen am Tagebaurand: Hier wird der Kohlenstoff herausgeholt, der später als CO2 den Meeresspiegel ansteigen lässt und die Stürme stärker macht.

In die Auseinandersetzung um die Kohle ist Bewegung gekommen. Umweltschützer um Antje Grothus von der örtlichen Bürgerinitiative "Buirer für Buir" wollen jetzt mit einer Petition den Druck auf die verantwortlichen Politiker und Manager verstärken. Sie fordern, dass die Rodungen gestoppt, die Tagebaupläne zusammengestrichen und die Restflächen ordnungsgemäß als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. 

Grothus und ihre Mitstreiter hoffen, dass ihre Versuche, die Konflikte zwischen Mensch, Natur und Wirtschaft aufzulösen und den sozialen Frieden in der Region zu bewahren, jetzt Erfolg haben. "Lassen Sie uns beim Versuch, den 'Hambacher Forst' zu retten, nicht allein!", bittet Antje Grothus.

"Wir haben eine moralische Verantwortung für unsere letzten alten Laubwälder": Der Förster und Buchautor Peter Wohlleben unterstützt die Aktionen für den Hambacher Forst. (Video: Hambacher Forst/​Vimeo)

Unterzeichnen Sie hier die Petition "Hambacher Wald retten und Klima schützen".

Auch darüber hinaus gibt es vielfältige Möglichkeiten, die kohlekritischen Gruppen bei der Waldrettung zu unterstützen und die Informationen darüber weiterzutragen

[Erklärung]  
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