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Fasten für das Klima

Kein Fleisch essen kann jeder: Umweltschützer und kirchliche Jugendverbände rufen zum "Klimafasten" auf. Vor allem Jugendliche sollen während der Fastenzeit auf etwas Klimaschädliches verzichten – und sich mit anderen darüber austauschen.

"Das Fasten könnte anstelle eines Alibis auch zum Übungsprogramm für ehrlichere Lebensstile werden", findet der Ökonom Niko Paech. Bei der Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz, kurz BUNDjugend, rennt der bekannte Wachstumskritiker damit offene Türen ein. Schon zum vierten Mal ruft die Organisation zum "Klimafasten" auf: Jugendliche und am besten auch alle anderen – ein Höchstalter gibt es nicht – sollen während der sechswöchigen Fastenzeit auf eine klimaschädliche Sache verzichten.

BildKlimafasten kann auch richtig Spaß machen, wenn man sich mit anderen darüber austauscht. (Foto: BUNDjugend)

"Ob vegane Ernährung, Palmöl- oder Autofasten – es gibt unzählige Möglichkeiten, den eigenen Alltag klimafreundlicher zu gestalten und sich gleichzeitig einer spannenden Herausforderung zu stellen", werben die Jungökos für ihren Vorschlag, der mit dem klassischen Fleischverzicht zwischen Aschermittwoch und Karfreitag auch an traditionelle Fastenregeln anschlussfähig ist.

Allerdings vertraut die BUNDjugend nicht allein auf die Kraft der bloßen Idee. Sie bittet um Anmeldung der Fasten-Versprechen auf ihrer Seite bundjugend.de/klimafasten und verlost "kleine Pakete voll klimafreundlicher Produkte". Die materiellen Anreize sollen "den Einstieg in die Fastenzeit erleichtern".

Getreu dem Grundsatz "Tue Gutes und rede darüber" sollen die Teilnehmenden außerdem auf dem Blog der BUNDjugend und unter dem Social-Media-Hashtag #Klimafasten erzählen, "wie ihre persönlichen Fasten-Challenges verlaufen". Auch über Plastik- oder Smartphonefasten kann man sich dort austauschen.

CO2-Fasten mit Social-Media-Impuls

Eine ähnliche Initiative haben mehrere katholische Jugendverbände gestartet. Gemeinsam werben sie für das "CO2-Fasten" aus Verantwortung für die Schöpfung. Empfohlen werden vegetarische Ernährung, Radfahren und Energiesparen, weitere Vorschläge sind der Kauf von regionalen und saisonalen (Bio-)Produkten und der Verzicht auf überflüssige Verpackung. Wer sich anmeldet, erhält jeden Tag einen "Fastenimpuls" per Newsfeed, Facebook oder Twitter.

Beide Initiativen haben gut gemachte Online-Broschüren veröffentlicht, die von den klimawissenschaftlichen Hintergründen über detaillierte Vorschläge für den Alltag bis zu Spielen und Experimenten alles enthalten, um während der Fastenzeit zumindest keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Ökonom Paech warnt allerdings vor unerwünschten Nebenwirkungen. "Das Fasten kann letzten Endes zu etwas Ähnlichem werden wie der Ablasshandel", sagte er dem Flensburger Tageblatt. "Man nutzt die kurze Zeit der Läuterung nur als Rechtfertigung dafür, vor und nach dem Fasten wieder auf die Tube zu drücken."

BildSieben Wochen Autofasten können die Erkenntnis bringen: Ein autofreies leben ist möglich – und hat Vorteile, an die man gar nicht gedacht hat. (Foto: Autofasten Thüringen)

Hier geht es zum Klimafasten der BUNDjugend

Und hier zum CO2-Fasten der katholischen Jugendverbände

Zum Autofasten rufen Kirchen im Südwesten Deutschlands und in Thüringen auf. Das Umweltbundesamt, die Bundesumweltministerin und die Grünen unterstützen die Aktion.

Lesen Sie auch unser Interview zum Autofasten mit dem Verkehrsexperten Heiner Monheim: "Viele wissen nicht, wo die nächste Haltestelle ist"

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