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"Blutkohle" im deutschen Strommix

Die Lieferungen der großen Energiekonzerne enthalten auch Strom aus Steinkohle von zwei umstrittenen Firmen in Kolumbien. Viele Menschenrechtsverletzungen bis hin zu Morden wurden dort bis heute kaum untersucht.Ein offener Brief an EnBW fordert jetzt einen Importstopp.

Die Präsenz von Paramilitärs mit ihren brutalen Methoden gehörte in der Bergbauregion César im Norden Kolumbiens jahrelang zum Alltag. Was sich wie ein weit entfernter Konflikt anhört, geht auch deutsche Stromkunden etwas an, denn von dort importieren hiesige Energiekonzerne zu einem bedeutenden Teil ihre Steinkohle.

BildDen von der Kohleindustrie Betroffenen bleibt oft nicht mehr als Staub und Lärm: Bauer im kolumbianischen Departement Cesár. (Foto: kohleimporte.de)

Nach Angaben der Umweltorganisation Urgewald wurden innerhalb von 20 Jahren 55.000 Bauern in der Region gezwungen, ihr Land aufzugeben, weil sie dem Kohleabbau im Weg waren. Widerstand wurde gewaltsam erstickt. Mehr als 3.100 Menschen sind ermordet worden, weitere 240 werden vermisst. Urgewald spricht deshalb von "Blutkohle".

Von den Tätern, die gefasst wurden, haben viele ausgesagt, dass die Minenkonzerne Drummond aus den USA und Prodeco-Glencore aus der Schweiz die Paramilitärs mit Geld, Ausrüstung und Informationen versorgt haben. Die Konzerne bestreiten das, doch die Opfer der Taten, die sich weiter wehren, werden nach Angaben von Urgewald nach wie vor bedroht.

Die deutschen Stromkonzerne Eon/Uniper, RWE, EnBW und Vattenfall sind wichtige Kunden von Drummond und Prodeco-Glencore. Nach den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sind Kohle-Importeure auch für ihre Lieferkette verantwortlich. Doch nach Ansicht von Urgewald tun die Konzerne viel zu wenig dafür.

Nur das eigene Image verbessert

Zwar gab sich EnBW – ein öffentliches Energieunternehmen in Baden-Württemberg – im vergangenen Jahr "Leitsätze für eine verantwortungsvolle Beschaffung", kauft aber weiter im großen Stil bei Drummond und Prodeco-Glencore ein, ohne groß nachzufragen.

Eon, RWE und Vattenfall verweisen Kritiker stets auf ihre "Better Coal"-Initiative. Sie soll die Menschenrechtslage in Kolumbien und anderen Förderregionen verbessern, dient jedoch vor allem zur Imageverbesserung der deutschen Importeure, wie Urgewald-Kohleexpertin Katrin Ganswindt kritisiert. Denn die von den Umweltschützern und ihren kolumbianischen Partnern kritisierten Fälle seien nicht aufgegriffen worden.

Urgewald fordert nun zunächst von EnBW, die Lieferbeziehungen zu unterbrechen, bis die Vorwürfe untersucht sind und die Opfer substanzielle Unterstützung erhalten haben. Der dänische Energiekonzern Dong hat das bereits getan, auch die italienische Enel zieht einen Importstopp in Betracht.

BildBei der Steinkohleförderung in Kolumbien sind Umweltschutz und Menschenrechte Nebensache. (Foto: Tanenhaus/Flickr)

Einen offenen Brief mit der Forderung an den Chef des EnBW-Haupteigentümers, den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne), kann auf der Urgewald-Website jeder mitunterzeichnen.

[Erklärung]  
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