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Wald retten, Klima schützen

RWE hat offenbar immer noch nicht verstanden. Die Welt hat einen neuen Klimavertrag, aber der Konzern will Braunkohle baggern und verbrennen wie zuvor. Dafür rodet RWE jetzt wieder schützenswerten Wald am Tagebau Hambach. Eine Aktion von Anwohnern sagt stopp.

Damit hatte niemand gerechnet: Vor einem Jahr wurde der Pariser Klimavertrag mit seinen relativ hohen Zielen beschlossen und jetzt tritt er schon in Kraft. In Paris wurden die Vertreter aus Deutschland für ihre gute Arbeit hinter den Kulissen noch sehr gelobt. Doch seitdem stellt sich mehr und mehr heraus: Politik und Wirtschaft in Deutschland sind dem Anspruch, Klimavorreiter zu sein, nicht gewachsen.

BildDer Hambacher Forst ist kein Forst, sondern ein alter, gewachsener Wald, der eigentlich ins europäische Natura-2000-Schutzgebietsprogramm gehört. (Foto: Lukas Barker/Wikimedia Commons)

Zum Beispiel bei der Kohle. Während Klimaforscher vorrechnen, dass die Ziele von Paris praktisch einen Sofortausstieg aus der Braunkohle erfordern, streicht die Bundesregierung nicht nur das Ausstiegsdatum aus ihrem Klimaschutzplan, sondern gleich den ganzen Begriff Kohleausstieg. Und der Energiekonzern RWE macht keine Anstalten, seine Pläne zur Braunkohleverstromung einem Realitäts-Check zu unterziehen. Das Baggern soll weitergehen, als wäre nichts geschehen.

Im Rheinland will RWE die letzten Reste des Hambacher Waldes abholzen, um im Tagebau Hambach weiter klimaschädliche Braunkohle aus der Erde zu holen. In der Rodungssaison von Oktober bis Februar will der Konzern wieder mehr als 8.000 über 150 Jahre alte, wertvolle Bäume fällen und außerdem große Pumpstationen bauen. Das würde das letzte erhaltenswerte Herzstück des Waldes, das unter die Kriterien für Schutzgebiete von europäischer Bedeutung fällt, endgültig zerstören.

Für einen Rodungsstopp

Das Land Nordrhein-Westfalen und RWE halten an den mehr als vier Jahrzehnte alten Abbauplänen fest. Von dem einstmals 5.500 Hektar großen Waldgebiet sollen nach den Plänen von RWE nur noch fünf Prozent übrig bleiben. Gegen die Rodungen protestieren Klimaaktivisten immer wieder mit Besetzungen des früheren Bürgewaldes. Umweltverbände und Bürgerinitiativen organisieren Protestaktionen.

Unterstützung kommt jetzt auch von energiepolitisch engagierten Mitgliedern der Gewerkschaft Verdi, die in einem Offenen Brief von ihrer Gewerkschaftsführung mehr Einsatz gegen Kohle und für den Wald verlangen. Verdi hatte im März nach langen Kontroversen eine Richtungsänderung beschlossen und will sich jetzt für den "schnellstmöglichen" Kohleausstieg einsetzen – hier wollen die kritischen Gewerkschafter nun von ihrem Vorsitzenden Frank Bsirske Taten sehen.

BildBuschwindröschen im Hambacher Forst, Frühjahr 2014. (Foto: Andreas Magdanz/Wikimedia Commons)

Andere wie Antje Grothus von der Bürgerinitiative "Buirer für Buir" sammeln Unterschriften unter einen Forderungskatalog an maßgebliche Politiker und die RWE-Konzernspitze. Ein Rodungsstopp, der Schutz des Waldes und des Klimas sind Anliegen, die eigentlich alle unterschreiben können, die ein wenig über den Zusammenhang von Paris-Vertrag, Kohleverstromung und Wald nachgedacht haben.

Hier kann die Aktion für Wald und Klima unterstützt werden

Hinweis: Am 10. November sendet der WDR erstmals den neuen Dokumentarfilm  "Klimaschützer gegen Stromriesen" über den regionalen Widerstand gegen die Braunkohle im Rheinland. Schon am 6. November wird dazu ein Radiofeature der gleichen Autoren erstausgestrahlt.

Der Beitrag wurde am 3. November um 9:15 Uhr ergänzt

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