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In Paris erfolgreich: Nächstes Ziel Brüssel

Die Online-Petition des Stadtrats Arash Derambarsh aus einer Pariser Vorstadt schlug ein: Binnen weniger Monate verbot Frankreich seinen Supermärkten das Wegwerfen von Essen. In Deutschland und fünf anderen Ländern soll eine Petition an die EU den Erfolg wiederholen – und peilt bereits die Millionenmarke an.

18 Millionen Tonnen Essensabfälle landen nach Angaben der Umweltstiftung WWF jedes Jahr in Deutschland in der Tonne – fast ein Drittel des derzeitigen Nahrungsmittelverbrauchs von fast 55 Millionen Tonnen. Etwa zwei Drittel des weggeworfenen Essens stammen von Privathaushalten, aber auch der Handel trägt zu dem Skandal bei. Supermärkte werfen jeden Tag kiloweise unverdorbene Lebensmittel weg. 

BildIn Deutschland landet fast ein Drittel aller Lebensmittel in der Tonne. (Foto: Schulze von Glaßer)

Das ist auch ein Klimaproblem: Auf weggeworfene Nahrung entfallen hierzulande fast 48 Millionen Tonnen CO2 im Jahr – fünf Prozent der Treibhausgasemissionen. Eigentlich haben sich die Mitgliedsstaaten der EU in ihrem Programm "Europa 2020" zum Ziel gesetzt, die Lebensmittelabfälle bis 2020 zu halbieren. Verbindlich festgeschrieben wurde die Vorgabe jedoch nicht. Auch die Bundesregierung hat bis auf eine Informationskampagne bislang kaum konkrete Maßnahmen ergriffen.

Anders als Deutschland hat Frankreich klare Vorschriften erlassen. Ein Gesetz, das im Mai vergangenen Jahres beschlossen wurde, verbietet Supermärkten, Lebensmittel in den Müll zu werfen. Sie sollen das Essen an soziale Einrichtungen spenden oder der Landwirtschaft für eine sinnvolle Verwendung übergeben.

Aus der Petition wird ein Gesetz

Vorangegangen war dem Beschluss in Paris eine landesweite Kampagne, angestoßen von Arash Derambarsh, Stadtrat in der Pariser "Problem-Vorstadt" Courbevoie. Völlig unerwartet unterstützten über 210.000 Bürger Derambarshs Petition auf der Plattform Change.org für einen Gesetzentwurf – und erreichten am Ende, dass Frankreich nun ein wegweisendes Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung im Handel hat.

Gleich nach dem großen Erfolg taten sich Aktivisten aus Frankreich, Belgien, Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien und Griechenland zusammen und starteten eine neue Petition, um die europäische Legislative ebenfalls überzeugen zu können. Die Forderung an das Europaparlament und die EU-Kommissionschefs ist im Prinzip dieselbe: Die EU soll in ihre Kreislaufwirtschafts-Strategie eine Verpflichtung für Supermärkte aufnehmen, überschüssiges Essen zu spenden statt wegzuwerfen. 807.503 Unterschriften hat die Kampagne schon gesammelt, jetzt peilt sie die Millionen-Marke an.

FotoJährlich landen in der Bundesrepublik 18 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll statt auf dem Teller. (Foto: Taz Sporkist/Flickr)

Hier können Sie die europaweite Petition gegen Lebensmittelverschwendung unterstützen

[Erklärung]  
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