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Europa soll Kuschelkurs mit Exxon beenden

Seit den 1970ern weiß Exxon Mobil, dass der Klimawandel sein Geschäftsmodell stoppen wird. Doch der Konzern macht mit Ölbohrungen und Gas-Fracking so lange wie möglich Profit. Nun hagelt es Klagen in den USA und anderswo. Nur in der EU tut sich nichts. Eine Petition will die Politik aufwecken.

Der texanische Ölriese Exxon Mobil war durch eigene, nicht öffentliche Studien schon vor 40 Jahren darüber im Bilde, dass das Fördern und Verbrennen von Öl und Gas die Erde aufheizt. Bereits 1981 liegen dem Konzern entsprechende Klimastudien vor, hatten im vergangenen Jahr kritische US-Wissenschaftler aufgedeckt. Statt seine Unternehmensstrategie zu ändern, finanzierte Exxon "klimaskeptische" Thinktanks und Gruppen mit viel Geld, zunächst offiziell, in den letzten Jahren wahrscheinlich auf verdeckten Wegen.

BildIn der Exxon-Chefetage war man schon vor Jahrzehnten bestens informiert, was der Klimawandel bringt. Was dann folgte, bezeichnen viele als kriminell. (Foto: Dan DeLuca/Flickr/Wikimedia Commons)

Wider besseres Wissen ließ der Weltkonzern Zweifel an der wissenschaftlichen Erforschung des Klimawandels streuen und unterstützte Politiker, die mit Verweis auf Klimaleugner-Thesen die fossile Energiewirtschaft förderten. Exxon hat damit einen großen Anteil an der jahrelangen Desinformation über die Auswirkungen der Erderwärmung.

Erst 2007 räumte der Konzern ein, dass es einen Klimawandel gibt und dass er zum großen Teil durch fossile Energien verursacht wird. In den USA laufen inzwischen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen, weil der Ölkonzern seine Anleger und die Öffentlichkeit jahrzehntelang über die Risiken seines Geschäftsmodells getäuscht habe. Exxon wehrt sich mit allen Mitteln und hat seinerseits mehrere Staatsanwälte verklagt. Eine tragfähige Zukunftsstrategie fehlt noch immer, abgesehen von CCS fällt den Managern nicht viel ein.

Exxon Mobil ist aber auch einer der größten Lobbyisten in der EU-Hauptstadt Brüssel und gab allein 2014 mehr als acht Millionen US-Dollar für Lobbyaktivitäten in Europa aus. Um sich neue Profite mit Gas und Öl zu sichern, drängt das Unternehmen darauf, umstrittene Fracking-Projekte in Europa, gerade auch in Deutschland, genehmigt zu bekommen. Die Risiken für Klima, Umwelt und Gesundheit der Bevölkerung hat Exxon dabei einkalkuliert. Mit groß angelegten Werbekampagnen und umstrittenen Schul-Kooperationen will der Konzern die breite Front der Fracking-Kritiker in der Bundesrepublik aufweichen.

Exxon soll sich auch in Europa verantworten

Die Organisation Food & Water Europe, deren Gründung auf die kanadische Globalisierungskritikerin und Wasser-Aktivistin Maude Barlow zurückgeht, hat deshalb eine Petition an das Europäische Parlament initiiert. Die Abgeordneten werden darin aufgefordert, den Vertuschungsversuchen von Exxon Mobil nachzugehen und das Unternehmen auch in Europa zur Verantwortung zu ziehen. In Deutschland wird die Petition von Hans-Josef Fell unterstützt, dem Chef der Energy Watch Group und Autor des ersten Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

Food & Water Europe ruft alle europäischen Bürgerinnen und Bürger auf, sich der Petition anzuschließen. Denn während in den USA der Rechtsstreit mit aller Härte geführt wird und sogar auf den Philippinen eine Regierungskommission juristisch gegen Exxon vorgeht, bleiben europäische Institutionen gegenüber den Machenschaften des Ölmultis bemerkenswert inaktiv. Die EU-Kommission gewährte Exxon sogar Sonderrechte bei den TTIP-Verhandlungen.

BildIn Europa wird Exxon mit Samthandschuhen angefasst – das muss aufhören, sagen Trinkwasser-Aktivisten. (Foto: Brian Katt/Wikimedia Commons)

Hier können Sie die Petition gegen Exxon unterstützen

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