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Ablasshandel zwischen Himmel und Erde

Die Politik soll den Flugverkehr nicht länger vom Klimaschutz entbinden, fordert ein internationales Umweltbündnis. Die Luftfahrtindustrie, warnen die 40 Organisationen, plant ein gefährliches Versteckspiel: Statt den CO2-Ausstoß zu reduzieren, will die Branche sich mit Ausgleichsmaßnahmen billig freikaufen. Eine Petition soll das verhindern.

"Keine falschen Klimalösungen!" Das fordert jetzt eine internationale Kampagne gegen das weitere Wachstum des Flugverkehrs. Rund 40 Organisationen und Initiativen haben sich dafür zusammengeschlossen, darunter Friends of the Earth, Robin Wood, Attac, das World Rainforest Movement sowie Bürgerinitiativen gegen Flughafen-Bauprojekte.

BildNur von oben grün: So sehen "Wälder" aus, mit denen die Luftfahrtbranche ihre CO2-Emissionen ausgleichen will. (Foto: Rettet den Regenwald)

Dreh- und Angelpunkt der Kampagne ist eine internationale Petition gegen die jüngsten Pläne der UN-Luftfahrtorganisation ICAO. Die Organisation will das ungebremste Wachstum der Branche damit rechtfertigen, dass es ja bald "klimaneutral" gestaltet werden könne. Das von der ICAO vorgelegte Konzept für "klimaneutrales Wachstum" ist aber für die zivilgesellschaftlichen Organisationen ein klarer Fall von Greenwashing. Mit ihrer Petition wollen sie die Verabschiedung des Papiers bei der nächsten ICAO-Hauptversammlung verhindern, die am 27. September im kanadischen Montreal beginnt.

Der Hintergrund: Die Flugbranche ist der am schnellsten wachsende Treibhausgas-Emittent und will oder kann daran auch nichts ändern. Zudem erlegt der Pariser Klimavertrag dem Luftverkehr keinerlei Pflichten auf. Um der öffentlichen Kritik die Spitze zu nehmen, will die ICAO ab 2020 marktgesteuerte CO2-Kompensationsmechanismen einführen: Durch Investitionen in anderen Branchen sollen Emissionen eingespart werden, damit der Flugverkehr weiter wachsen kann. Beispiele sind Baumplantagen oder auch große Wasserkraftwerke, die CO2 einsparen – zumindest auf dem Papier.

Politik soll aufhören, Flüge und Flughäfen zu fördern

Die Flugindustrie will sich damit von eigenen Klimaschutzanstrengungen günstig freikaufen, befürchten die 40 Organisationen. Sie verweisen auf ihre Erfahrungen mit anderen Kompensationsprojekten, die meist in ärmeren Ländern stattfinden. Dabei komme es zum Beispiel in Wäldern immer wieder zu Betretungsverboten, Land Grabbing oder Zwangsumsiedlungen. Statt solcher "Scheinlösungen" fordert das Bündnis Maßnahmen zur Verminderung des Flugverkehrs.

"Wir brauchen eine Obergrenze für die Treibhausgas-Emissionen der zivilen Luftfahrt", sagt Monika Lege von der Umweltorganisation Robin Wood in Hamburg. Und John Stewart von der Bewegung gegen den Flughafenausbau in London-Heathrow ergänzt:  "Der Aus- und Neubau von Flughäfen muss gestoppt werden." Investitionen sollten stattdessen in einen attraktiven und erschwinglichen Bahnverkehr fließen. Die staatliche Förderung und Bevorzugung von Flughäfen und Flügen müsse aufhören.

BildKlare Botschaft: Das Modell "Ablasshandel" ist keine Lösung für den Klimaschutz im Flugverkehr. (Bild: Robin Wood/SCNCC)

Dabei hantieren die Klimaschützer nicht nur mit trockenen Zahlen. Eine eigens eingerichtete Website informiert in satirischer Form über die Zusammenhänge: "Produzieren Sie weiterhin so viele Emissionen, wie Sie wollen, den Rest erledigt die Dritte Welt für Sie!"

Hier können Sie die Petition mit ihrer Unterschrift unterstützen

[Erklärung]  
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