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Gesprengte Berge und deutsches Geld

Mit der brutalen Bergbaumethode "Mountaintop Removal" wird in den USA Kohle gefördert. Bergspitzen werden gesprengt, Wasser und Luft vergiftet. Mit im Geschäft: RWE und die Deutsche Bank. Eine kleine Umweltorganisation will den Chefs und Managern jetzt Druck machen und sie zum Umdenken bringen.

Man hält es eigentlich nicht für möglich, dass in einem reichen, zivilisierten Land im 21. Jahrhundert so mit der Natur umgegangen wird. Doch es gibt immer noch riesige Naturgebiete in den USA, wo das Wegsprengen ganzer Bergkuppen zur Rohstoffgewinnung erlaubt ist.

BildUm an die Rohstoffe zu kommen, wird einfach der Berg geköpft. Hier in West Virginia, dem "Mountain State" der USA. (Foto: I Love Mountains/Flickr)

In den Appalachen im Nordosten der USA wird das brutale Abbauverfahren "Mountaintop Removal" (MTR) praktiziert, um an Steinkohle zu gelangen. Der Schutt mitsamt giftigen Chemikalien wird in ein nahes Tal verkippt, Schwermetalle gelangen in Bäche und Flüsse. Die Gesundheit mehrerer Millionen Menschen ist durch Staub und kontamininertes Wasser bedroht. Was die meisten nicht wissen: Konzerne aus Deutschland sind an der unglaublichen Naturzerstörung finanziell beteiligt.

Der deutsche Kohlekonzern RWE hält über eine Tochter in den USA große Anteile an der Firma Blackhawk Mining. Dieser Minenbetreiber kauft im großen Stil MTR-Tagebaue und andere Minen von insolventen Bergbauunternehmen auf. Das haben Recherchen der Umweltorganisation Urgewald ergeben.

Auch die Deutsche Bank ist Urgewald zufolge in das schmutzige Geschäft involviert. Die größte deutsche Privatbank hat Blackhawk Mining in den letzten Jahren mehrmals mit umfangreichen Krediten ausgeholfen. Damit nicht genug, wird durch Mountaintop Removal gewonnene Kohle auch noch nach Deutschland importiert und dort in Steinkohlekraftwerken verbrannt.

Druck auf "Totengräber der Berge"

Zwar hat die Deutsche Bank nach jahrelanger Kritik an der zerstörerischen Abbaumethode jetzt erklärt, sie wolle sich "schrittweise aus der Vergabe von Krediten an und der Ausgabe von Anleihen und Aktien für Bergbauunternehmen zurückziehen, sofern diese wesentlich zur Kohleproduktion durch MTR-Verfahren in den USA beitragen". Für Urgewald ist das aber nur ein Trippelschritt, wo andere Finanzierer beim Ausschluss von Mountaintop Removal längst viel weiter sind.

Die dehnbare Formulierung sehen die Umweltschützer als Zeichen, dass die Deutsche Bank – laut Urgewald-Ranking die weltweite Nummer sieben der Kohle-Banken – noch lange nicht an einen endgültigen Schnitt denkt. Spätestens mit dem Klimaabkommen von Paris kann es aber für Finanzgeschäfte mit Kohle keine Ausrede mehr geben, findet Urgewald. Inzwischen gebe es für einen Kohle-Ausstieg auch genug Vorbilder.

BildGespenstische Mischung aus Mondlandschaft und Restnatur: Aus der Dokumentation "Deutsche Bank und RWE – Totengräber der Berge". (Foto: Paul Corbit Brown/Urgewald)

Mit einer Multimedia-Dokumentation über das Bergkuppen-Sprengen in den Appalachen und einer Online-Unterschriftenaktion gegen die Beteiligung von Deutscher Bank und RWE will Urgewald jetzt Druck machen. "Betätigen Sie sich nicht länger als Totengräber der Berge", heißt es in der Petition an die Konzernchefs. "Schließen Sie Mountaintop Removal generell aus und trennen Sie sich von der Kohle."

Hier können Sie die Forderungen an RWE und die Deutsche Bank unterstützen

[Erklärung]  
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