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Auf ins Klimacamp! Nur in welches?

In allen deutschen Braunkohlerevieren finden in diesem Sommer Klimacamps statt. Da geht es um Begegnung, Wissensvermittlung und Aktionen für eine wirkliche Energiewende, aber ebenso um Alternativen zum Wachstumszwang. Auch in weiteren Sommercamps lässt sich das richtige Leben im falschen ausprobieren.

Dieser Sommer wird ganz bestimmt nicht langweilig. Das verspricht ein Blick in den Kalender der Klimacamps, Sommerakademien und Jugendtreffen im Juli und August. Die Camps sind dabei nicht nur Orte für Vernetzung und Wissensaustausch, sondern auch Experimentierfelder für nachhaltiges Leben und respektvolles Miteinander.

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Klimacamp 2013 im Rheinischen Braunkohlerevier. (Foto: ausgeCO2hlt)

Wer will, kann sogar zum Klimacamp-Hopping durch die drei Braunkohlereviere des Landes aufbrechen. Selbstorganisierte Seminare und kulturelle Veranstaltungen behandeln dort Energie- und Klimafragen, aber auch Ökologie, Ressourcengerechtigkeit und Wachstumskritik stehen im Programm. Möglichkeiten des gewaltfreien Widerstands sollen ebenfalls diskutiert und erprobt werden.

Den Auftakt macht vom 11. bis 13. Juli das Klimacamp in der Region Lützen im Mitteldeutschen Braunkohlerevier, dem kleinsten in Deutschland. Neben Workshops, Diskussionen und einer Tagebaubegehung wird am Samstag demonstriert, und zwar mit bayerischen Gästen gegen die geplante Stromtrasse von Sachsen-Anhalt durch den Thüringer Wald nach Bayern.

Vom 26. Juli bis zum 3. August folgt das diesjährige Klimacamp im Rheinland. Eine Woche gemeinsames Lernen und Aktionen in Borschemich im Rheinischen Braunkohlerevier – direkt neben dem Schaufelradbagger des Tagebaus Garzweiler – sollen dem Kohlekonzern RWE zeigen, wie eine sinnvolle Landnutzung aussieht. Das Camp will die klimafreundliche Vernetzung voran- und den klimaschädlichen Kohle-Betrieb durcheinanderbringen. Höhepunkte sind am Mittwoch ein Straßenfest und am Freitag ein Aktionstag.

Vom 16. bis 24. August findet in Kerkwitz bei Guben das vierte Lausitzer Klima- und Energiecamp statt. "Kein Land mehr für Kohle" heißt das Motto. Für Kerkwitz eine existenzielle Frage, will doch Brandenburgs rot-rote Landesregierung das Dorf in der Niederlausitz für einen neuen Braunkohletagebau wegbaggern lassen – und damit ebenso von der Landkarte radieren wie die rot-grüne NRW-Regierung das rheinische Borschemich.

Höhepunkt beim Lausitzcamp ist am Samstag eine deutsch-polnische Anti-Kohle-Menschenkette von Kerkwitz nach Grabice. Das polnische Dorf ist ebenfalls von der Braunkohle bedroht, die der staatliche Kohlemonopolist PGE noch viele Jahrzehnte lang aus der Erde holen und verheizen will. Die Menschenkette soll auch ein Signal nach Schweden senden, wo immer mehr Bürger die Auslands-Aktivitäten ihres Staatskonzerns Vattenfall missbilligen und wo im September Reichstagswahlen stattfinden.

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Gibt es wirklich "kein richtiges Leben im falschen"? Oder gibt es bloß zu viele faule Ausreden? Lausitzcamp 2013. (Foto: Benjamin von Brackel)

Das Besondere an den Klimacamps ist, dass sich hier Menschen aus Umweltverbänden, aus unterschiedlichen linkspolitischen Richtungen und aus Bürgerinitiativen zusammentun, um trotz aller Unterschiede ein Zusammenleben auszuprobieren, das auf Lebensfreundlichkeit und Solidarität und nicht auf Wachstumszwang und Ausbeutung beruht.

Etliche weitere Sommercamps und Touren komplettieren den Kalender. Es beginnt am 4. Juli mit der Robin-Wood-Floßtour. Von Berlin geht es über Spree, Havel, Elbe und den Nord-Ostsee-Kanal bis nach Kiel. In den Häfen werben die Robin-Wood-Flößer für eine Energiewende von unten und weisen auf die Probleme der Konzern-Energie hin – vom verschmutzten Wasser aus dem Braunkohletagebau bis zu den "Routine"-Atomtransporten aus Russland über Kiel und Hamburg nach Frankreich. Am Zielort der Floßtour bei Kiel finden vom 4. bis 8. August das Nuclear Heritage Network gathering und vom 9. bis 16. August ein Anti-Atom-Camp gegen die Atomtransporte statt.

Noch mehr Camps: Von Anti-Atom bis Wachstumskritik

Gegen eine neue Schnellstraße bei Leipzig wehrt sich das diesjährige Aktionscamp "Reclaim The Fields" vom 7. bis 15. Juli in Taucha-Sehlis. Aber auch um emanzipatorische Landwirtschaft und gemeinschaftliches Leben und Arbeiten soll es gehen.

Vom 25. bis 27. Juli wollen die Wagentage in Freiburg auf ökologisch nachhaltige und solidarische Formen des Wohnens und der Ressourcennutzung aufmerksam machen.

Gewohnt herrschaftskritisch kommt das Sommercamp der Naturfreundejugend in Waltershausen bei Erfurt daher. Vom 28. Juli bis 3. August geht es um alles, was links und gegen rechts ist. Nebenbei kann das schöne Leben genossen werden.

Friedensaktivisten treffen sich vom 2. bis 11. August zum Protest- und Aktionscamp am Fliegerhorst Büchel in der Eifel, wo die Bundeswehr den Abwurf der dort stationierten US-Atombomben trainiert.

Auch das Aktionscamp gegen Tierfabriken vom 6. bis 10. August an der Schlachtfabrik Holte bei Wietzen soll als Platt­form für Work­shops und krea­ti­ve Aktio­nen sowie zur Ver­net­zung die­nen.

Vom 8. bis 17. August in Potsdam geht es auf dem Jugendumweltkongress (Jukss) unter anderem um "Tierbefreiung" und die Food-Not-Bombs-Bewegung. Außerdem sollen "20 Jahre Jukss" gefeiert werden.

Bei der Sommerwerkstatt "Wirtschaft anders machen" vom 11. bis 16. August können Jugendliche von kritischen Ökonomiestudenten in Leipzig erfahren, wie sich die Wirtschaft so gestalten lässt, dass sie stabiler und verträglicher für uns und unseren Planeten wird. Konzepte wie Gemeinwohlökonomie, Postwachstumsökonomie oder Solidarisches Wirtschaften werden erläutert, diskutiert – und ausprobiert. Das reicht von solidarischer Landwirtschaft über Umsonstläden bis zum Upcycling.

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Was hat Klimaschutz mit Fahrrädern zu tun? Mehr als mit Elektroautos, wollen Ökonomiestudenten aus Leipzig in ihrer Sommerwerkstatt zeigen. (Foto: knoe.org)

Antimilitaristisch geht es beim dritten "War Starts Here"-Camp in der Letzlinger Heide bei Magdeburg vom 17. bis 25. August zu. Auch hier richtet sich der Blick auf Kriegsübungen.

"Action, Mond und Sterne" verspricht das Sommercamp der Falken und anderer linker und kulturbewegter Gruppen vom 21. bis 24. August in Sim­mers­feld im Schwarz­wald. Vom Workshop "Klet­tern als Ak­ti­ons­form" bis zum Abwaschen ist alles selbstorganisiert.

Wasser als Lebensraum und Ressource ist das diesjährige Thema beim Eine-Erde-Camp der BUNDjugend vom 29. August bis 5. September in Ortenberg in der Wetterau.

Ein Energiewendefestival gibt es schließlich noch in der Schweiz, vom 4. bis 17. September in Rubigen bei Bern. Hier geht es darum, der Schweizer Energiewende auf die Sprünge zu helfen, welche die Politik bislang viel zu zögerlich angeht.

Am Ende bleibt nur noch eins: die Qual der Wahl.

[Erklärung]  
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