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Philippinen: Alleingelassen im Klimawandel

FotoDie Philippinen leiden besonders stark unter dem steigenden Meeresspiegel. Auf den Kosten bleiben sie sitzen, denn von den Industrienationen, den Verursachern des Klimawandels, kommt keine Hilfe. Teil 26 der klimaretter.info-Serie: Strategien gegen den Anstieg des Meeresspiegels.

Von Jacque Manabat

In der philippinischen Hauptstadt Manila ist der Meeresspiegel, relativ zur Küste, in den vergangenen Jahrzehnten um 80 Zentimeter gestiegen. Im zentralen Legazpi sind es 30 Zentimeter und in der südlichen Davao-Bucht immerhin noch 24 Zentimeter.

Meeresspiegelanstieg in Manila: Selbst wenn die Klimaziele erreicht werden, hat die Stadt schlechte Karten. (Video: Carbon Virgin/​Vimeo, Daten: Hansen/​Sato)

Es trifft fast die gesamte Bevölkerung. Denn die Philippiner wohnen am Wasser: Das Land besteht aus 7.000 Inseln mit 36.000 Kilometern Küste. Die Inseln sind flach, die Buchten ragen weit ins Land. Das macht sie anfälliger für steigende Meeresspiegel. "Hinzu kommen die tropischen Wirbelstürme. Wenn wir nicht schnell Schutzmaßnahmen ergreifen, ist unsere Landwirtschaft gefährdet und damit unsere Ernährung", sagt die Klimaexpertin Analiza Solis vom philippinischen Wetterdienst.

Laut einer Studie der Asiatischen Entwicklungsbank von 2012 gehören die Philippinen zu den fünf am meisten vom Klimawandel bedrohten Ländern. Am stärksten betroffen werden die Bewohner der Pazifikküsten im Osten sein: Dort drückt der Wind zusätzlich Wasser in ihre Buchten.

Der Fünfte Sachstandsbericht des Weltkimarates IPCC prognostiziert: Der Anstieg der Meere wird sich beschleunigen. Das wird verheerende Folgen für die Philippinen haben: Höhere Wasserspiegel in den Buchten bedeuten, dass Taifune noch mehr Schaden anrichten können. Rund 20 tropische Stürme ziehen pro Jahr über das Land.

Nach einer Studie der Naturschutzstiftung WWF werden mehr als 13 Millionen Philippiner aus den Küstengebieten umgesiedelt werden müssen. Schon jetzt erreicht das Hochwasser Gebiete, die nie zuvor überschwemmt wurden. Betroffen sind vor allem ärmere Menschen, die häufig in selbst gezimmerten Behausungen leben, die schon bei leichteren Stürmen einstürzen können.

Dies hat einmal mehr der Taifun "Haiyan" gezeigt, der im Jahr 2013 wütete und zu den stärksten jemals gemessenen Stürmen zählt. Er spülte den Reis fort, der kurz vor der Ernte stand. Boote und Fischereianlagen wurden zerstört. Viele Menschen hatten keinen Zugang mehr zu Nahrungsmitteln. Schätzungsweise sechs Millionen Menschen in der Visayas-Region wurden von "Haiyan" vertrieben.

"Die reichen Länder zahlen nichts"

Auch die Tierwelt ist von den großen klimatischen Veränderungen betroffen. Das Tubbataha-Riff auf der Insel Palawan ist ein wertvolles Habitat für Seevögel. Die Insel verschwindet langsam. Seit sie 2004 erstmals vermessen wurde, ist sie von 1,5 Hektar auf 1,1 Hektar geschrumpft.

Der Weltklimarat geht davon aus, dass der Anstieg des Meeresspiegels das Wachstum von Pflanzen beeinträchtigt, dass Getreidefelder überschwemmt werden und sich durch stehendes Wasser Krankheiten wie Dengue-Fieber stärker ausbreiten können. Aber bis heute haben die Philippinen noch keine Antwort auf die Bedrohungen für Mensch und Tier. Sie haben keine Ressourcen, um diese Gefahren abzuwenden. Und die internationale Gemeinschaft tut wenig, um den ersten Opfern des Klimawandels zu helfen.

"Wir haben von den reichen Ländern kein Geld gesehen, um uns zu helfen, uns anzupassen. So können wir nicht weitermachen. Das ist kein Leben, wenn wir am Ende immer vor Stürmen davonlaufen müssen", sagt Naderev Saño, der die Philippinen auf den UN-Klimakonferenzen vertritt. Jeder zerstörerische Tropensturm koste sein Land zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, weitere zwei Prozent müssten in den Wiederaufbau gesteckt werden.

BildDie philippinische Stadt Tacloban nach dem Taifun "Haiyan": Höherer Meeresspiegel bedeutet mehr Wirbelsturmschäden. (Foto: Eoghan Rice/​Caritas/​Wikimedia Commons)

Für ein Entwicklungsland wie die Philippinen mit fast 100 Millionen Einwohnern, verteilt über Tausende von Inseln, ist es eine unlösbare Aufgabe, die Betroffenen umzusiedeln. Bei Stürmen verwandeln sich schon jetzt öffentliche Schulen in Evakuierungszentren und beherbergen Hunderte vertriebene Familien. Wenn das Hochwasser nachlässt, gehen die Bewohner an die Küsten zurück, um sich ihre Existenz von vorn aufzubauen. Sie sagen, sie bräuchten schließlich etwas zum Leben – und hätten keine andere Wahl.

Jacque Manabat ist Journalistin beim großen philippinischen Nachrichtensender ABS-CBN. Als Fellow der Konrad-Adenauer-Stiftung schrieb sie in Berlin für das Rechercheportal Correctiv, das bei seinem Meeresspiegel-Projekt mit klimaretter.info kooperierte. Inzwischen arbeitet sie wieder auf den Philippinen

 
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Zuletzt erschienen in der Meeresspiegel-Serie:

Teil 25: Meer bedroht 60 Millionen Afrikaner
Teil 24: Europa kann nicht alle schützen
Teil 23: Tuvalu – "Auf keinen Fall siedeln wir um"
Teil 22: Florida Keys – Ein Paradies geht unter
Teil 21: Hilferuf der Inselparadiese
Teil 20: Kamerun – Wenn der weiße Strand im Meer versinkt
Teil 19: St. Petersburg sucht eine Strategie
Teil 18: Bangladesch – Beton für zehn Prozent
Teil 17: Mauritius – Lernen gegen den Klimawandel

[Erklärung]  
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