Lernen gegen den Klimawandel

FotoDer Klimawandel hat für Mauritius einschneidende Folgen. Die wirtschaftlichen Grundpfeiler des Inselstaats im Indischen Ozean – Tourismus, Landwirtschaft und Fischfang – sind bedroht. Anpassungsmaßnahmen sollen nun eine nachhaltige Entwicklung als Basis für das Leben kommender Generationen ermöglichen. Die Schüler auf der Insel machen bereits eifrig mit. Teil 17 der klimaretter.info-Serie: Strategien gegen den Anstieg des Meeresspiegels.

Aus Port Louis (Mauritius) Nasseem Ackbarally (IPS)

Eile ist geboten. Daran lässt der am 5. Juli in der mauritischen Hauptstadt Port Louis vorgestellte Nationale Strategieplan für die Anpassung an den Klimawandel (NCCAPF) keinen Zweifel. Bereits 2015 könnte die Hälfte der bei Touristen beliebten Strände verschwunden sein, weil der Meerespegel weiter steigt und immer häufiger auftretende Stürme an Heftigkeit zunehmen. Die Süßwasserquellen werden um voraussichtlich 13 Prozent schrumpfen, während die Nachfrage nach dem kostbaren Nass stetig ansteigt.

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Regenwasser sammeln, Bäume pflanzen, Sonnenkollektoren aufstellen: 250.000 Schüler sollen für Klimaschutz sensibilisiert werden. (Foto: Nasseem Ackbarally/IPS)

"Es hat uns wirklich schockiert zu hören, dass mindestens ein Teil unserer schönen Insel zu verschwinden droht, weil der Meeresspiegel ansteigt", sagt die Schülerin Felicia Beniff nach einer Unterrichtsstunde zum Thema Umweltschutz und Klimaveränderungen. "Wir haben Angst, denn wir werden noch viele Jahre leben. Wohin sollen wir gehen?"

Der Teenager besucht die Medco-Cassis-Oberschule in Port Louis und ist einer von etwa 250.000 Schülern in Mauritius, die von der Regierung mit den Prinzipien nachhaltiger Entwicklung vertraut gemacht werden. Mit der Initiative Maurice Île Durable (Mauritius, die nachhaltige Insel) will der Staat klimaschädlichen Praktiken entgegenwirken. Die Sensibilisierung Jugendlicher ist Teil des langfristig angelegten Konzepts.

Kompostgewinnung und Mülltrennung

Schüler der Rabindranath-Tagore-Schule in Ilot im Norden von Mauritius stellen Kompost aus organischen Abfällen her. "Außerdem sammeln wir Plastikflaschen und sorgen dafür, dass beim Verlassen der Klassenräume Licht und Klimaanlage abgestellt werden", berichtet der Schüler Ashootosh Jogarah. "Und wir pflanzen Bäume."

Nach Ansicht von Schulrektor Mahen Gangapersad haben die Inselbewohner den Reichtum der Natur zu lange als selbstverständlich betrachtet und sich für die ökologischen Schäden, die sie selbst verursachen, nicht verantwortlich gefühlt. Die Einführung des staatlichen Aufklärungsprogramms kommentiert er mit "besser spät als nie".

An vielen Schulen der Insel, die 900 Kilometer östlich von Madagaskar liegt, werden inzwischen Bäume gepflanzt, Sonnenkollektoren aufgestellt, Gärten angelegt, organische Abfälle kompostiert und Regenwasser gesammelt. Ziel ist es, alle Schüler in Mauritius an dem Umweltprogramm zu beteiligen, wie Veenace Koonjal, Sonderberater im Bildungsministerium, erklärt. Davon erhofft man sich einen Schneeballeffekt, da die Jugendlichen ihren Familien von den neuen Erfahrungen berichten. Auf der Insel leben insgesamt rund 1,2 Millionen Menschen.

Öffentliches Klimainformationszentrum 

Angesichts der Gefahr, die der Klimawandel für den Inselarchipel darstellt, wurde außerdem ein Klimainformationszentrum eröffnet, das entsprechende Daten sammeln und der Öffentlichkeit zugänglich machen soll. Die Regierungsstrategie zielt vor allem darauf ab, die Bürger zu sensibilisieren und informieren.

Wie andere kleine Inselstaaten produziert Mauritius selbst kaum Treibhausgase, wird aber die volle Wucht der Auswirkungen des weltweiten Klimawandels zu spüren bekommen.

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Der Klimawandel bedroht die ökonomischen Grundlagen der Mauritier: Überschwemmungen vor vier Monaten in Port Louis. (Foto: Nasseem Ackbarally/IPS)

Mauritius hat bereits drei Millionen US-Dollar vom Afrikanischen Anpassungsprogramm erhalten, das über die Initiative Cool Earth Partnership der japanischen Regierung finanziert wird. 

Wie aus dem Umweltministerium von Mauritius zu erfahren ist, wird noch in diesem Jahr ein Projekt zur Förderung klimafreundlicher Technologien anlaufen. Das Weltumweltprogramm UNEP und das Risø Centre in Dänemark werden technische Hilfe leisten, die Globale Umweltfazilität GEF steuert 120.000 Dollar zu. 

 
Bislang in der Serie erschienen:

Teil 1: Die Malediven - Ein Land plant den Umzug
Teil 2: Singapur verpflichtet holländische Deichbauer
Teil 3: Bangladesch - Überleben im Hochbunker
Teil 4: Pazifik - Das Paradies bittet um Asyl
Teil 5: Venedig - Mit Schleusentoren und Mose
Teil 6: New York - Die zukunftslose Stadt
Teil 7: Die Niederlande - Holland lässt die Häuser schwimmen
Teil 8: Shanghai - Die Last des Wirtschaftsbooms
Teil 9: Deutschland - Was die Schafe lehren
Teil 10: Grönland - sonnig, mild, 18 Grad Celsius
Teil 11:  USA - Die ungehörte Botschaft der der Chesapeake Bay
Teil 12: Thailand - Flutwelle rollt auf Bangkok zu
Teil 13: Forschung - Der Meeresspiegel steigt schneller
Teil 14: Nigeria - Wasser im Traum und unter dem Bett
Teil 15: USA - Der große Meersspiegelhumbug
Teil 16: Bangkok - Kreuzkur für ein Sensibelchen

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