Dänen streiten um Kohlekraftwerk Lubmin
Der Streit um das geplante Steinkohlekraftwerk Lubmin hat nun auch Dänemark erreicht, das Heimatland des Investors. Nach einem kritischen Bericht des dänischen Fernsehens forderten Oppositionspolitiker, der Konzern DONG Energy solle auf das Projekt verzichten. Die gerade ernannte Klima-Ministerin der neu gewählten Regierung, Connie Hedegaard, sah alles andere als erfreut aus, als sie das Kraftwerk im Fernsehen kommentieren sollte. "Das muss ich alles erstmal genau untersuchen", murmelte die Politikerin und sprach von "rein kommerziellen Überlegungen" des Dong-Konzerns. 75 Prozent der Anteile an dem Unternehmen hält der dänische Start.

Dänemarks "grüne Glaubwürdigkeit" mit dem schönen Windenergie-Image sei in den fünf Minuten des Ministerinterviews zum deutschen Kohlekraftwerk in sich zusammengekracht, schrieb daraufhin die dänische Zeitung "Information". Und verwies darauf, dass Dong im eigenen Land nie und nimmer die Bauerlaubnis für ein ähnliches Kraftwerk wie im vorpommerschen Lubmin bekommen würde. Der Vorsitzendes des dänischen Ingenieurverbandes (IDA), Lars Bytoft, warf DONG vor, Politiker und Bürger in Mecklenburg-Vorpommern mit Geldgeschenken bestechen zu wollen. Auch wenn dabei keine Gesetze gebrochen worden seien, seien die Gaben des Konzerns an deutsche Vereine und Schulen "am Rande des moralisch Vertretbaren". DONG-Chef Anders Eldrup erklärte dazu, das sei "völlig normale Praxis".
Auch die EU-Umweltagentur kritisierte das Projekt. Die Chefin der in Kopenhagen ansässigen Agentur, Jacqueline McGlade, erklärte: "Ostdeutschland ist der in Europa am allerbesten geeignete Platz zur Anwendung von Biomasse." Sie forderte den Staatskonzern auf, auf die klimaneutrale Verbrennung von Biomasse zu setzen statt auf die klimaschädliche Kohle. "Alle anderen Lösungen wären besser für DONG", sagte McGlade.
klimaretter.infi/alf
Gegen das Kohlekraftwerk nahe Greifswald - mit einer geplanten Leistung von 1.600 MW eines der größten Deutschlands - sind mittlerweile drei lokale Bürgerinitiativen und zahlreiche Umweltverbände aktiv. Mit einer Eilaktion wurden sie auch von www.wir-klimaretter.de unterstützt.
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