Anzeige

Bürger fordern Tagebau-Verkleinerung

Lausitzer Bürger protestieren zur Stunde mit einem Sternmarsch von Kerkwitz nach Taubendorf gegen den Braunkohletagebau Jänschwalde bei Cottbus. Bei ihrer traditionellen Winterwanderung fordern sie einen früheren Stopp des Tagebaus, der die Grundwasserstände massiv sinke lasse und dadurch Seen, Wälder und Schutzgebiete bedrohe. An dem Sternmarsch nehmen rund 300 Menschen teil, sagte René Schuster von der Grünen Liga, die den Protest mitorgansiert, gegenüber klimaretter.info.

BildRund 300 Menschen machen heute mit einem Protestmarsch auf die Schäden durch die Braunkohle aufmerksam. (Foto: Grüne Liga)

Zwar wurden die Planungen für einen neuen Tagebau Jänschwalde-Nord Ende November endgültig eingestellt. Diesem wären die Orte Kerkwitz, Grabko und Atterwasch zum Opfer gefallen. Mit ihrem Sternmarsch wollen die Organisatoren – die Agenda-21-Gruppe der Gemeinde Schenkendöbern und das Umweltnetzwerk Grüne Liga – einen größeren Abstand des Tagebaues zu Taubendorf erreichen, um die Bewohner vor Lärm und Staub zu schützen. Zugleich fordern sie einen Kohleausstiegsfahrplan und mehr Klarheit beim Umgang mit den Bergbaufolgen.

"Bis zu sieben Seen verlieren Wasser durch das Abpumpen des Grundwassers, für das zu keinem Zeitpunkt eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt wurde", kritisierte René Schuster. Der Tagebau Jänschwalde sei auf Grundlage "falscher Annahmen und Versprechungen" genehmigt worden, so Schuster. Er müsse rechtzeitig gestoppt werden, bevor er weiteren Schaden anrichten könne.

"Im Bund beginnen jetzt die Sondierungen zwischen CDU, CSU und SPD, deren Ausgang noch völlig offen ist", sagte die Grünen-Politikerin Annalena Baerbock, die ebenfalls am Sternmarsch teilnimmt. "Wir erwarten von Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass sie bei ihrer Zusage bleibt, die umweltschädlichsten Kohlekraftwerke vom Netz zu nehmen." Auch müsse der Bund stärker als bisher den Strukturwandel in der Lausitz unterstützen, so die in Brandenburg lebende Bundestagsabgeordnete.

Der Eigentümer des Lausitzer Braunkohleunternehmens Leag lehnt allerdings einen vorzeitigen Kohle-Ausstieg ab. "Die Kohle wird auch in Deutschland noch mindestens 25 bis 30 Jahre gebraucht", sagte kürzlich der Vorstand der Prager Energieholding EPH, Jan Špringl. Für den Fall, dass eine künftige Bundesregierung die Abschaltung von Kohlekraftwerken durchsetzen sollte, verlangt die Leag Entschädigungen.

In dem Zusammenhang räumte Špringl auch erstmals öffentlich ein, dass die EPH-Dachgesellschaft nicht für die Verpflichtungen der Leag haftet. Im Falle der Insolvenz der Leag oder ihrer Dachgesellschaft müssten nach aktueller Lage die Steuerzahler für die Braunkohle-Folgekosten aufkommen. Diese sollen allein für den Tagebau Welzow bei etwa drei Milliarden Euro liegen.

klimaretter.info/vk

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen