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Rheinland: Blockaden, Rote Linie, Protest

Nach dem Auftakt der Proteste im Rheinischen Braunkohlerevier am Freitag demonstrieren auch am heutigen Samstag wieder tausende Menschen für einen schnellen Ausstieg aus der Kohleverbrennung in Deutschland. Am frühen Nachmittag wurden bei der Aktion "Kohle erSetzen" die Zufahrtswege zum Kraftwerk Neurath in Grevenbroich mit Sitzblockaden versperrt. "Um den so nötigen Kohleausstieg einzuleiten, braucht es dringend solche Aktionen zivilen Ungehorsams", sagte Aktionssprecherin Clara Tempel. "Wir müssen das Ruder noch rechtzeitig herumzureißen – weg von einem katastrophalen Klimawandel hin zu einer klimagerechten Welt."

BildFriedlicher Marsch gegen Klimakiller: Klimaaktivisten bei "Ende Gelände". (Foto: Jens Volle/​Ende Gelände/​Flickr)

Rund 3.000 Menschen zogen am Tagebau Hambach eine "rote Linie gegen Kohle". Aufgerufen hatten die großen Umweltverbände BUND, BUND-Jugend, Greenpeace, Klima-Allianz und Nabu. "Mit der 'Roten Linie' stellen wir uns schützend vor den Hambacher Wald und die betroffenen Dörfer", heißt es im gemeinsamen Aufruf zur Demonstration. "Unsere Linie ist ein Symbol für die Grenze der gefährlichen Erderwärmung, die nicht überschritten werden darf, und zugleich für die Grenze des Abbaus der Kohle."

Gerade vor der UN-Klimakonferenz COP 23 im kommenden November in Bonn müsse die Bundesregierung endlich handeln und einen Aktionsplan zur Reduktion von schädlichen Treibhausgasen vorlegen, forderte Susanne Neubronner von Greenpeace. "Dieser muss die Abschaltung von klimaschädlichen Braunkohlekraftwerken beinhalten." Nur so sei das Ziel noch zu schaffen, die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten und den Klimawandel zu stoppen. Rund um die 23. UN-Klimakonferenz haben zahlreiche Organisationen und Bündnisse weitere Proteste angekündigt.

An vielen Orten im Rheinland fanden heute weitere Aktionen statt. Eine Gruppe von Aktivisten besetzte am frühen Morgen im Tagebau Inden einen Bagger. Der Betrieb der Hambachbahn wurde mit einem einbetonierten Fass blockiert, an das sich zwei Aktivisten gekettet hatten. Inzwischen ist die Blockade geräumt, verletzt wurde dabei nach Polizeiangaben niemand. Andere Klimaschützer blockieren nach übereinstimmenden Angaben der Polizei und des Bündnisses Ende Gelände an drei verschiedenen Punkten die Kohlezufuhr über die Nord-Süd-Kohlebahn. Der Betrieb der Bahn wurde eingestellt. Besetzt wurde nach Angaben von Aktivisten der Aktion "Zucker im Tank" auch ein Förderband im Tagebau Garzweiler.

Bereits am gestrigen Freitag hatten Aktivisten an verschiedenen Stellen Teile der Infrastruktur im Rahmen von Aktionen zivilen Ungehorsams blockiert. Unter anderem schnitten sie für mehrere Stunden das Braunkohlekraftwerk Neurath von der Kohlezufuhr ab, sodass die Kraftwerksleistung ab dem Nachmittag gedrosselt werden musste. Dabei gab es auch Kritik am Vorgehen der Polizei. "Dafür, dass sich die Leute hier friedlich hergesetzt haben, wird hier zu massiv und zu brutal geräumt", kritisierte Marco Böhmer, der für die Linke im Sächsischen Landtag sitzt und als parlamentarischer Beobachter vor Ort war. An anderen Orten berichten Teilnehmer, dass die Polizei Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt habe.

Weitere Aktivisten waren gestern in den Tagebau Garzweiler eingedrungen. "Es ist historisch einmalig, dass wir als soziale Bewegung in die fossile Energieproduktion eingreifen", sagte Ende-Gelände-Pressesprecherin Janna Aljets. "Wir wollen ein gutes Leben für alle und dafür müssen wir auch dauerhaft den fossilen Kapitalismus überwinden." Zwei Aktivisten der Organisation Robin Wood hatten sich über der Bahnlinie zum RWE-Kraftwerk Niederaußem in Bergheim abgeseilt, während andere auf der Brücke ein Banner mit der Aufschrift "Coal kills our future" (Kohle tötet unsere Zukunft) entrollten. Nach Angaben des Bündnisses Ende Gelände sind am heutigen Samstag rund 6.000 Menschen im Rheinischen Braunkohlerevier unterwegs.

Der Beitrag wurde um 16:50 Uhr aktualisiert

klimaretter.info/em

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