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10. Sternmarsch gegen Tagebau

Zum zehnten Mal haben am Sonntag hunderte Einwohner und Aktivisten mit einem Sternmarsch gegen die drohende Abbaggerung der Orte Grabko, Atterwasch und Kerkwitz durch die geplante Erweiterung des Baunkohletagebaus Jänschwalde im Südosten von Brandenburg protestiert.

BildIhre Heimat steht nicht zum Verkauf – seit zehn Jahren halten die Einwohnder von Grabko, Atterwasch und Kerkwitz an dieser Haltung fest. (Foto: Markus Pichlmaier/​ideengrün)

Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich diesmal rund 800 Menschen an dem Marsch in der Lausitz. Im Vorfeld der Aktion hatte Christian Huschga vom Organisationsteam das "sofortige Ende" der Planungen zum Tagebau Jänschwalde-Nord gefordert. Dass der Protest jetzt schon zum zehnten Mal stattfinden müsse, bezeichnete er als "Armutszeugnis für die brandenburgische Landesregierung". Diese verweigere seit Jahren mit fadenscheinigen Ausreden eine Einstellung des Planverfahrens. "Wenn brandenburgische Minister bei Oligarchen in Prag um neue Tagebaue betteln, statt ihre Bürger zu schützen, wird unser Protest nicht nachlassen", erklärte Huschga.

Die Stimmung bei der zehnten Aktion sei "verhalten optimistisch" gewesen, sagte der Vorsitzende der Brandenburger Grünen, Clemens Rostock, zu klimaretter.info. Die Menschen setzten ihre Hoffnungen vor allem auf die Bundesebene, wo sich beim Kohleausstieg leichte Fortschritte abzeichneten, so Rostock, der am Sonntag auch selbst vor Ort war. Keine positiven Signale kämen allerdings von der brandenburgischen Landesregierung, kritisierte der Grünen-Landeschef. Diese lasse, wie es auch beim Sternmarsch hieß, die Einwohner seit Jahren "zwischen Baum und Borke" schweben.

Der Kohlegegner und ehemalige Koordinatior des Volksbegehrens "Keine neuen Tagebaue" , Falk Hermenau, erinnerte im aktuellen klimaretter.info-Podcast an das einstige Versprechen der Landesregierung aus den 1990er Jahren, dass DDR-Tagebauplanungen wie Jänschwalde-Nord hinfällig seien. Im Vertrauen darauf hätten auch die Einwohner der drei betroffenen Orte Häuser gebaut und sich eine Zukunft geschaffen.

Hintergrund des nunmehr ein Jahrzehnt anhaltenden Protestes ist ein Braunkohle-Planverfahren für einen möglichen neuen Tagebau, mit dem die Grube Jänschwalde erweitert werden soll. Das vom dem neuen Tagebau langfristig zu versorgende Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde gehört allerdings zu den Anlagen, die in die sogenannte "Sicherheitsbereitschaft" wechseln. Nach bisheriger Planung sollen 2018 und 2019 zwei Blöcke des Kraftwerks mit zusammen 1.000 Megawatt vom Netz genommen werden.

Ob der neue Tagebaubetreiber Leag, der kürzlich die einstigen Vattenfall-Kraftwerke und -Tagebaue übernommen hatte, die ursprünglichen Pläne weiterverfolgt, will dieser im kommenden Sommer entscheiden.

klimaretter.info/jst

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