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OECD eröffnet Verfahren gegen WWF

Die OECD hat ein neues Vermittlungsverfahren aufgenommen. Es geht um die Naturschutzstiftung WWF. Grund ist eine Beschwerde der Menschenrechtsorganisation Survival International, die sich für indigene Völker einsetzt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) will nun untersuchen, was es mit den Vorwürfen von Survival auf sich hat, nach denen der WWF seit Jahren zu Menschenrechtsverletzungen gegenüber Indigenen in Kamerun beiträgt.

BildDie Baka sind ein indigenes Volk in Kamerun, in der Republik Kongo, in der Zentralafrikanischen Republik und in Gabun. (Foto: Michael von Graffenried/​Wikimedia Commons)

Der WWF beteiligt sich dort an der Finanzierung von Wildschutzgebieten und den Wildhütern, die dort arbeiten. Die allerdings, so wirft Survival den Naturschützern vor, würden immer wieder die Menschenrechte der Baka verletzen, indigener Jäger und Sammler. "Die Arbeit des WWF hat für indigene Völker im Kongobecken schmerzvolle Jahrzehnte gebracht", sagte Stephen Corry, Direktor von Survival International. Der WWF habe nichts unternommen, um wirklich auf die Sorgen der Tausenden Indigenen einzugehen, die durch seine Projekte enteignet und misshandelt worden seien. Wenn der WWF nicht gewährleisten könne, dass seine Vorhaben UN- und OECD-Standards einhalten, dürfe er sie nicht finanzieren.

Beim WWF hieß es, man begrüße die Entscheidung der OECD, das Vermittlungsverfahren aufzunehmen. "Der WWF hat sich stets für die Rechte und die Anerkennung der indigenen Bevölkerung in Kamerun stark gemacht", erklärte die Stiftung. So würden in allen Schutzgebieten, in denen der WWF aktiv ist, Sondernutzungszonen für indigene und lokale Gemeinden eingerichtet. "Wir nehmen alle Hinweise auf Menschenrechtsverletzungen sehr ernst und arbeiten intensiv daran, ihnen nachzugehen", so der WWF. Die Vertreter von Survival, die den WWF seit Jahren öffentlich kritisieren, seien aber bisher nicht bereit dazu gewesen, gemeinsam Hinweisen auf Menschenrechtsverletzungen in Kamerun nachzugehen.

Das Verfahren ist ein Präzedenzfall, nicht nur, weil ein NGO-Zwerg versucht gegen einen NGO-Riesen vorzugehen, sondern auch, weil es eigentlich für Untersuchungen von multinational agierenden Konzernen gedacht ist. Erstmals wird eine gemeinnützige Organisation überprüft.

Survival International ist einer der beständigsten Kritiker des WWF, aber nicht der einzige. In seinem "Schwarzbuch WWF" warf der Journalist Wilfried Huismann dem WWF im Jahr 2012 eine zu große Nähe zur internationalen Agrarindustrie und zu Großwildjägern vor. Auch andere kritisierten die Zusammenarbeit des WWF mit kapitalkräftigen Unternehmen wie Supermarktketten, der Bild-Zeitung oder der Palmölindustrie. Gegen Huismann ging der WWF gerichtlich vor, war aber nur zum geringen Teil erfolgreich: Im "Schwarzbuch" darf weiterhin stehen, dass der WWF zu stark mit Firmen kooperiert, die für Umweltzerstörung verantwortlich sind.

klimaretter.info/scz

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