Gewerkschaft will Kohle behalten

Auf den Abschlussbericht des Weltklimarats reagiert die IG Bergbau, Chemie, Energie auf ihre Weise: Unter dem Motto "Nicht an unsere Kohle!" organisierte die Gewerkschaft am Montag drei Revierkonferenzen in Leverkusen (Nordrhein-Westfalen), in der Hauptverwaltung der Vattenfall Europe Mining & Generation AG in Cottbus (Brandenburg) sowie im Kraftwerk Lippendorf in Böhlen (Sachsen-Anhalt).

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IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis bei seiner Rede in Leverkusen. (Foto: Screenshot/Livestream IG BCE)

Aus Sicht der IG BCE geht es nunmehr politisch "ums Ganze". Während sich die Gewerkschaft für gute Arbeitsplätze, bezahlbaren Strom und Versorgungssicherheit einsetze, werde in der Politik "einseitig über weitere Schritte zur CO2-Reduzierung" diskutiert. Man wehre sich gegen Pläne, "kurzfristig und kurzsichtig Kraftwerke vom Netz zu nehmen", Energie für Bürger und Industrie noch teurer zu machen und einer "verfehlten Klimaschutz-Logik" Arbeitsplätze zu opfern, beschwert sich die Gewerkschaft in dem Aufruf.

IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis malte in seiner Rede in Leverkusen nicht nur das drohende Aus für die Kohle an die Wand, sondern auch für Arbeitsplätze in der Glas-, Keramik-, Papier-, Stahl-, Auto- und Zementbranche. Die Braunkohle gehöre wie die Steinkohle zum "deutschen Energiemix", umso mehr, wenn weitere AKW vom Netz gehen würden. Niemand habe etwas gegen Klimaschutz, man sei nur dagegen, wenn er auf Kosten der Arbeitsplätze gehe. Die Hauptverantwortung für den weltweiten Klimaschutz schob Vassiliadis den drei größten Emittenten zu – den USA, Indien und China. International passiere wenig im Klimaschutz, aber in Europa und Deutschand jage ein Ziel das andere, behauptete der Gewerkschaftschef.

Vassiliadis kritisierte auch die Ankündigung von Vattenfall, den Verkauf seiner Lausitzer Braunkohle-Tagebaue und -Kraftwerke zu prüfen. Der Konzern stelle die Braunkohle infrage "als wäre es eine Frittenbude" und nicht sein Kerngeschäft, das ihm Milliardengewinne eingebracht habe. Unzumutbar für die Gewerkschaft sei auch, die im Bundeswirtschaftsministerium – angeblich – kursierende "Schwarze Liste" mit weiteren Kraftwerken, die stillgelegt werden sollen. Die Aktionen würden, verkündete Vassiliadis abschließend, von der Verkehrsgewerkschaft EVG, der IG Metall und der IG BAU unterstützt.

Zuvor hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) angekündigt, die Zahl der Kohlekraftwerke zu verringern, um die klimaschädliche CO2-Emissionen zu reduzieren. "Wir werden Kohlekraftwerkskapazitäten abbauen müssen", so Hendricks am Montag in Berlin. Die jüngsten Erkenntnisse des Weltklimarates wertete sie als Weckruf. Sie sei zuversichtlich, dass Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zur Reduzierung von Kohlekraftwerken bis Dezember Vorschläge vorlegen werde.

klimaretter.info/jst

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