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Hambacher Forst wieder besetzt

Am heutigen Samstag haben Umweltaktivisten zum mittlerweile vierten Mal Bäume im Hambacher Forst besetzt. An mindestens zwei Stellen in dem Restwald im Rheinischen Braunkohlerevier zogen sie Plattformen in die Bäume hoch, verankerten sie und harren dort aus. An einer Stelle seien etwa 20 Aktivisten in die Bäume geklettert, an einer anderen sechs, teilte einer der Besetzer gegenüber klimaretter.info mit. Zahlreiche Helfer befinden sich zusätzlich am Boden. Bis zum Nachmittag (Stand 16.45 Uhr) war die Lage ruhig. Zusätzlich beteiligten sich heute rund 60 bis 70 Personen an einer Demonstration von Kerpen-Buir nach Morschenich. Nach Angaben der Polizei gab es dort keine besonderen Vorkommnisse.

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Ausschnitt aus dem Plakat, das zur Wiederbesetzung des Waldes aufruft. (Bild:
hambacherforst.blogsport.de)

Nachdem der Hambacher Forst Ende März nach siebenmonatiger Besetzung geräumt und sämtliche Baumhäuser zerstört worden waren , protestieren die Umweltaktivisten nun erneut gegen die Abholzung des Waldes für den RWE-Tagebau Hambach. "Uns geht es darum, RWE bei seinen Aktivitäten zu stören", sagte Jan, einer der Aktivisten, zu klimaretter.info. "Unsere Kritik richtet sich aber auch gegen einen Staat, der diese Umweltzerstörung erlaubt und gerade Konzernen erhebliche Vorteile verschafft, anstatt für ein möglichst gutes Zusammenleben aller Menschen zu sorgen." Um mit ihrem Protest wahrgenommen zu werden, hätten sich die Aktivisten bewusst eine Methode ausgewählt, die so nicht erlaubt sei.

Bewusst gewählt haben die Aktivisten auch das heutige Datum, den 28. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl. "Wir können und wollen die Kämpfe gegen Kohle und Atom nicht voneinander trennen", heißt es im Aufruf zur Wald-Besetzung. Es reiche genauso wenig aus, Atomkraftwerke herunterzufahren und dafür auf Kohleenergie zu setzen, wie es genug sei, Kohleabbau und -​verbrennung zu stoppen, nur um dann den Energieverbrauch mit Atomenergie zu decken. "Es ist ein gemeinsamer Widerstand gegen Umweltzerstörung, gegen ständiges Wachstum ohne Hinterfragen der Folgen", machen die Initiatoren klar. "Es ist eine Kritik an der kapitalistischen Logik, in der alles nur in Ressourcen und Kapital eingeteilt wird."

Um Platz für den Braunkohletagebau Hambach zu schaffen, hat RWE bereits große Teile des ursprünglich 5.500 Hektar großen Waldgebiets gerodet. Für den Tagebau Hambach darf RWE eine Fläche von 8.500 Hektar abbaggern. Jährlich werden in dem Tagebau zwischen Köln und Aachen 40 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Rund 1.500 Millionen Tonnen des klimaschädlichsten aller Energieträger liegen noch im Boden. 

Ergänzung 20:00 Uhr:

Die beiden Besetzungen bestehen fort. Es gibt unbestätigte Gerüchte über eine dritte Besetzung. Zwischenzeitlich waren nach Aussage der Besetzer sowohl eine Hundertschaft der Polizei vor Ort als auch Sicherheitskräfte von RWE. Zu größeren Zwischenfällen kam es aber nicht.

Die Nachricht von der erfolgreichen Wiederbesetzung hat sich inzwischen bis nach Schottland verbreitet: Aktivisten der dortigen Anti-Kohle-Bewegung gratulierten den Besetzern im Rheinland zu ihrer Aktion.

klimaretter.info/em

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