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AKW-Besetzung am Rhein

"Hört auf, Europa in Gefahr zu bringen" stand auf dem riesigen Transparent, das Kletterer der Umweltorganisation Greenpeace heute an der Fassade von Reaktor 1 des französischen Atomkraftwerk Fessenheim entrollt haben. Nach mehrstündigen Protesten von mehr als 60 Aktivisten aus 14 Ländern auf dem Gelände des Atomkraftwerks nahe der deutschen Grenze wurden 57 Protestierende von der Polizei in Gewahrsam genommen.

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Gegen das zunehmende Risiko durch alternde europäische Atomkraftwerke und für einen Durchbruch zum Zeitalter der erneuerbaren Energien: Greenpeace-Kletteraktion heute im französischen Fessenheim. (Foto: Bente Stachowske)

Bereits am Vormittag platzierten einige der Aktivisten in Schlauchbooten vor dem Kraftwerk auf dem Rhein ein schwimmendes Banner mit der Aufschrift: "Future is renewable. Stop nuclear". Auch auf der Zufahrt zum Atomkraftwerk demonstrierten Aktivisten.  

Mit 37 Jahren gilt Fessenheim als stark überaltert. Wegen diverser technischer Pannen gerät das AKW in der Nähe von Freiburg immer wieder in die Schlagzeilen. Allerdings sind nach Greenpeace-Angaben auch 65 weitere der 151 Atommeiler in Europa älter als 30 Jahre. Ein aktueller Greenpeace-Report sieht in den alternden Atomanlagen ein zunehmendes Risiko. "Aus Sicherheitsgründen muss Fessenheim sofort abgeschaltet werden", sagte Greenpeace-Atomexpertin Susanne Neubronner. "Das kann jedoch nur der Anfang sein. Viele veraltete Reaktoren in Europa müssen folgen, da sie eine täglich wachsende Gefahr für die Bevölkerung sind." 

Im Wahlkampf 2012 hatte der französische Präsident François Hollande versprochen, Fessenheim bis Ende 2016 vom Netz zu nehmen und den Anteil der Atomkraft in seinem Land bis 2025 von 75 auf 50 Prozent zu verringern. Bis jetzt hat seine Regierung dafür aber nicht die gesetzlichen Grundlagen geschaffen. Greenpeace rief die europäische Öffentlichkeit auf, an Präsident Hollande Protest-E-Mails zu schicken.

Am kommenden Donnerstag und Freitag beraten die EU-Staats- und Regierungschefs über die europäische Klima- und Energiepolitik bis 2030. Zur Debatte steht unter anderem, ob neben einem allgemeinen Ziel zur Senkung des Kohlendioxidausstoßes auch festgelegt wird, dass man dies durch einen bestimmten Anteil erneuerbarer Energien im Energiemix erreichen will. Ohne eine solche Regelung würden Atomkraftwerke trotz ihrer Risiken praktisch zur Klimaschutztechnologie erklärt.

klimaretter.info/mb

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