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Russland unterdrückt den Umweltschutz

Vollbild-VorschauVor den Olympischen Winterspielen in Sotschi werden Aktivisten und Journalisten von den russischen Behörden eingeschüchtert, warnt die Organisation "Reporter ohne Grenzen". Das IOC solle sich stärker für Menschenrechte und Pressefreiheit einsetzen. Teil 3 unserer Serie zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi.

Aus Berlin Lea Meister

Gut eine Woche vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotschi am Schwarzen Meer hat die Organisation Reporter ohne Grenzen auf einer Veranstaltung in Berlin auf die Unterdrückung von Aktivisten und kritischen Berichterstattern aufmerksam gemacht. Die Organisation fordert vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC), sich stärker für Menschenrechte und Pressefreiheit einzusetzen. Das IOC habe mit der Vergabe der Spiele an Sotschi auch eine Verantwortung übernommen. Auch der Deutsche Olympische Sportbund solle sich stärker einbringen.

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Blicken nach Sotschi mit großer Sorge: Wolfgang Büttner von Human Rights Watch und Galina Taschmatowa, Chefredakteurin der Zeitung Nowaja Gaseta Kubani. (Foto: Lea Meister)

Aktivisten und Journalisten, die sich gegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in Sotschi einsetzen, werden von der russischen Regierung seit Monaten schikaniert. "Umweltaktivisten hatten schon immer Probleme rechtlicher Art", sagte Galina Taschmatowa, Chefredakteurin der in der Region um Sotschi erscheinenden Zeitung Nowaja Gaseta Kuban, auf der Veranstaltung. Die Verfolgung der Aktivisten und Berichterstatter lege die "Willkür des Rechtssystems" in Russland offen, ergänzte Wolfgang Büttner von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.

Human Rights Watch berichtet von diversen Fällen, in denen der Staat Umweltaktivisten eingeschüchtert hat. Durch die Medien ging der Fall des Geologen Jewgeni Witischko, der für die Umweltgruppe Environmental Watch on the North Caucasus aktiv ist und wegen des Anbringens einiger Plakate im Dezember zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. Die Polizei suche außerdem Aktivisten zu Hause auf und verhafte Personen bei Protestaktionen, so Human Rights Watch. Begründet werde das mit den verschärften Sicherheitsvorkehrungen für die Olympischen Winterspiele.

Auch die Aktivistin Natalia Kalinowskaja, bekannt für ihre Kritik an den Umweltschäden, die in Sotschi infolge der Baumaßnahmen entstehen, wurde von der Polizei in ihrem Elternhaus aufgesucht. Die Polizei gab an, mit ihr über die Spiele sprechen zu wollen, und forderte sie auf, sich in eine Liste für "Organisatoren von Treffen und bürgerlichen Unruhen" aufnehmen zu lassen. "Die Behörden müssen aufhören, Aktivisten und andere, die berechtigte Bedenken aussprechen, zu schikanieren – oder sie riskieren die weitere Eintrübung der Olympischen Spiele, die ohnehin schon mit Kontroversen belastet sind", sagte Jane Buchanan von Human Rights Watch.

Die russische Umweltorganisation CEI (Zentrum Ökologischer Innovationen) schätzt den CO2-Fußabdruck der Olympischen Spiele in Sotschi auf fünf Millionen Tonnen. 56 Prozent davon würden auf den Bau der Infrastruktur entfallen, der Rest auf Emissionen, die beim Transport und Aufenthalt von Sportlern und Zuschauern entstehen. Nach Angaben des CEI ist bisher auch noch nicht sicher, dass dieser CO2-Ausstoß vollständig kompensiert wird. Bislang könnten die Organisatoren erst den Ausgleich von fünf bis 15 Prozent der Emissionen gewährleisten. 

 
Bisher Vollbild-Vorschauersch
ienen in unserer Sotschi-Serie:

Teil 1: "Wir wurden nicht gefragt"
Teil 2: Schlechtes Klima für die Spiele
Teil 3: Russland unterdrückt den Umweltschutz
Teil 4: Umweltschützer in Russland verhaftet
Teil 5: Die Kompensation ist ein Bluff
Teil 6: Boykottiert Putins Leistungsschau
Teil 7: Die Grenzen des olympischen Wachstums
Teil 8: Auf nach Mekka!
Teil 9: Kunstschnee für die Massen
Teil 10: Willkommen in der ''besseren Welt''

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