112.000 Mal gegen Welzow

In Cottbus sind heute 112.157 Widersprüche gegen den neuen Tagebau Welzow-Süd II den Planungsbehörden von Berlin und Brandenburg übergeben worden. Der Energiekonzern Vattenfall plant in der Lausitz fünf weitere Tagebaue, durch die 3.200 Menschen umgesiedelt werden müssten. Für den geplanten Braunkohle-Tagebau Welzow-Süd II etwa müsste das Dorf Proschim weichen. Eine Allianz aus Betroffenen, Bürgerinitiativen, Umweltorganisationen und Verbänden hatte dagegen mobilgemacht und etwa mit dem Film "Opa ohne Lobby" um Unterschriften geworben. "Wir Betroffenen haben mit der hohen Zahl an Einwendungen einen starken Rückhalt für unseren Widerstand gegen den Tagebau erhalten", sagte Hauptdarsteller "Opa" Johannes Kapelle.

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Kisten voller Widerspruch: Die Sammler vor dem Planungsamt in Cottbus. (Foto: Klima-Allianz)

Der Lausitzer Bundestagskandidat Wolfgang Renner (Bündnis 90/Die Grünen) bezeichnete die Zahl der Einwendungen als "historisch". Noch nie hätten sich mehr Menschen gegen die Pläne der Landesregierung und des Vattenfall-Konzerns gewandt, sagte der Lausitzer Bündnisgrüne: "Niemand fordert einen sofortigen Ausstieg, aber die sogenannte Brücken-Energie Braunkohle muss in den 2030er Jahren ein Ende haben." So lange würden auch noch die bislang genehmigten Braunkohle-Tagebaue ausreichen. Die letzten Einwendungen gegen Welzow werden morgen eingereicht, bis dahin kann noch online unterschrieben werden.

Gegen die geplanten Tagebaue in der Lausitz demonstrieren seit dem heutigen Morgen mehrere schwedische und deutsche Greenpeace-Aktivisten. Sie haben sich an die Gleise der Braunkohlebahn am Tagebau Welzow-Süd gekettet. Über diese und andere Strecken bringen Güterzüge laut Greenpeace täglich circa 17.000 Tonnen Braunkohle zum Vattenfall-Kraftwerk Schwarze Pumpe. "Für jeden Schweden ist es eine Schande, dass der schwedische Staatskonzern Vattenfall in der Lausitz einige der schmutzigsten Kohlekraftwerke Europas befeuert", sagte die Energie-Expertin Emma Petersson von Greenpeace Schweden.

Deutschland will seine Kohlendioxid-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 senken und damit auf einen Gesamt-Ausstoß unter 625 Millionen Tonnen CO2 kommen. Die Braunkohle ist als klimaschädlichster fossiler Energieträger in hohem Maße am deutschen CO2-Ausstoß beteiligt, allein das Kraftwerk Schwarze Pumpe produziert laut Greenpeace jährlich fast 12 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Dabei ist ein Mehr an Braunkohle energiewirtschaftlich unnötig, wie ein Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaft feststellte. "Die Energiewende macht Braunkohle mittelfristig überflüssig", findet auch Gerald Neubauer von Greenpeace. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die Heimat Tausender Menschen dem Profit eines Konzerns geopfert wird."

klimaretter.info/woh

HIER können Sie noch bis zum morgigen Dienstag um 15.00 Uhr online Ihre Einwendung einreichen.

HIER gibt es eine Fotostrecke zum Tagebau Welzow-Süd 

[Erklärung]  
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