Heute wird Vattenfall gestürzt

Die "Reclaim Power Tour" in Berlin: Vattenfall soll heute gestürzt werden. Symbolisch zumindest: Ab 12 Uhr gibt es Straßentheater am Hermannplatz, bei dem der Energiekonzern symbolisch zu Boden gehen soll. Für 17.30 Uhr rufen die Veranstalter nach Kreuzberg zu einer Demonstration vom Oranienplatz zum Görlitzer Park. Dort folgt dann eine Party – der "Aktionstag für ein ganz anderes Energiesystem".

Foto
Ein klares Statement gegen Vattenfall: Die Bürgerinitiative will das Berliner Stromnetz rekommunalisieren. (Foto: Laura-Sophia Schulz)

Der Berliner Energietisch hatte vergeblich dagegen protestiert, dass der Senat die Volksabstimmung auf den 3. November legt – also erst sechs Wochen nach dem ebenfalls möglichen Termin bei der Bundestagswahl am 22. September, auf den die Initiatoren des Volksbegehrens gehofft und den sie gefordert hatten. Erfahrungsgemäß ist am Tag der Bundestagswahl mit einer deutlich höheren Beteiligung zu rechnen. Die Quote dürfte entscheidend sein, denn mindestens ein Viertel aller Wahlberechtigten muss sich beteiligen, damit das Plebiszit gültig wird.

Auch die Berliner Grünen hatten den Senat vor möglichen Trickserein gewarnt. Landesvorsitzender Daniel Wesener sagte, die gesetzlichen Fristen sprächen für den Volksentscheid am 22. September: "Das hat den Vorteil, dass eine hohe Beteiligung an der Abstimmung zu erwarten ist und das Land Berlin das Geld für einen separaten Termin spart."

Unterstützung für seinen Protesttag erhält der Energietisch von der Gruppe Gegenstrom – und von den "Reclaim Power"-AktivistInnen, die auf ihrer Fahrradtour vom gerade beendeten Anti-Kohle-Camp in der Lausitz zum nächsten Camp am Niederrhein unterwegs sind und am Mittwoch in Berlin Station machen. "Reclaim Power" bedeutet so viel wie "Holt euch die Energie!" oder auch "Holt euch die Macht!" 

Vattenfall hatte am Dienstag "trübe Marktaussichten" vermeldet und Umstrukturierungen sowie Abschreibungen in Höhe von 3,4 Milliarden Euro angekündigt. Betroffen ist auch das noch immer im Bau befindliche Steinkohlekraftwerk Hamburg-Moorburg, dessen Wert um etwa 500 Millionen Euro nach unten korrigiert werden muss. Damit sinkt die Chance für Vattenfall weiter, dass Moorburg jemals Gewinn schreiben wird.

Zehn Jahre nachdem Vattenfall den größten ostdeutschen Kraftwerkskonzern Veag, den Braunkohleförderer Laubag, dazu die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) und die Berliner Bewag übernommen hatte, war über einen Komplettausstieg der Schweden in Deutschland spekuliert worden. Vattenfall-Konzernchef Øystein Løseth wies dies aber zurück: Ab kommendem Jahr will sich der schwedische Staatskonzern in zwei regionale Einheiten aufteilen. Berlin und Hamburg sollen aber weiter wichtige Standorte bleiben – wenn die Volksentscheide in den beiden Millionenstädten scheitern.

klimaretter.info/reni

[Erklärung]  
Anzeige
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen