Hambacher Forst ist wieder besetzt
Vier Tage nach der Räumung des Waldcamps der Kohlekraft-Gegner im Hambacher Forst ist nun eine Wiese, die ebenfalls dem Braunkohleabbau weichen soll, der neue "Hot Spot" des Widerstandes gegen die Pläne von RWE. Laut dem Portal klimaschutz-netz hat die Polizei die Besetzer aufgefordert, das Areal zu verlassen, da der Besitzer der Wiese Strafanzeige gestellt habe. Jedoch hieß es aus Besetzerkreisen weiter, dass der Wieseneigentümer selbst festgenommen wurde, als er klarstellen wollte, dass er gegen eine polizeiliche Räumung sei.

Laut dem Blog der Waldbesetzer wurde heute der Besitzer der Wiese festgenommen, auf der die Aktivisten ihren Widerstand fortsetzen wollen. Er habe sich gegen eine polizeiliche Räumung ausgesprochen und dadurch die Polizeiarbeit behindert. (Foto: hambacherforst)
Die Waldbesetzer legten auf einer Pressekonferenz im nordrhein-westfälischen Kerpen-Buir, unweit des Hambacher Forstes, nochmals ihre Beweggründe dar. "Der Klimawandel und damit zusammenhängende Kriege, Vertreibung und Verknappung von Ressourcen sind genauso Gründe wie lokale Feinstaub-Emissionen, Radioaktivität, Absenkung des Grundwassers und die Zerstörung einer ganzen Region." Die Besetzung der Wiese sei "ein wichtiges Zeichen dafür, dass der Widerstand sich weder mit bewussten Fehlinformationen noch mit brutaler Polizeigewalt und auch nicht mit medialer Kriminalisierung beenden lässt", erklärten die Aktivisten.
Der Vorwurf der Kriminalisierung scheint nicht ganz aus der Luft gegriffen. Denn die Aussage der Polizei, dass der Aktivist, der sich in einem Tunnel sechs Meter unter der Erde verschanzt hatte und fast vier Tage mit den Rettungskräften Katz und Maus spielte, die Stützen des Tunnels zerstört habe, um einen Zugriff der Polizei zu verhindern, hat sich mittlerweile als falsch erwiesen. Das musste jetzt auch die Polizei-Pressestelle einräumen. Nach Ansicht der Aktivisten war dies möglichweise eine taktische Fehlinformation zur Beeinflussung der Öffentlichkeit. Der Anwalt von "Jonas Zimmermann", nämlicher Aktivist unter der Erde, prüft deshalb rechtliche Schritte gegen die Polizeileitung.
"Herr Zimmermann" selbst – nähere Informationen sind über den jungen Mann nicht bekannt – war bei der Pressekonferenz nicht anwesend. Durch seine Freundin ließ er mitteilen, dass es nicht Absicht der Aktion gewesen sei, seine Person in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stellen. Vielmehr gehe es um die gesamte Bewegung, die hinter der "erfolgreichen Besetzung" stehe, und um die "Entschlossenheit, Wut und Unterstützung vieler Einzelpersonen", die sich gegen die Zerstörung von Natur und Lebensraum durch den Energieriesen RWE richteten.
Weiterhin unklar ist zudem, wer für die Kosten der Räumung aufkommen soll. Theo Kruse, Sprecher der nordrhein-westfälischen CDU-Landtagsfraktion, findet, dass die nach Medienberichten über 800.000 Euro an Kosten vom "Verursacher" bezahlt werden müssten – in seinen Augen sind das die Aktivisten. Diese sehen hingegen den RWE-Konzern als Verursacher. Zudem bemängeln die Aktivisten, dass meist nur von den Kosten der Besetzung und Räumung und von deren Umwälzung auf die Steuerzahler die Rede sei. Stattdessen müssten die "Ewigkeitskosten" – also die Auswirkungen, die das Vorhaben von RWE langfristig haben wird – mehr Beachtung finden.
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