Schwerpunkte

Meeresspiegel | E-Mobilität | Wahl

RWE am Pranger

Letzter Akt für Jürgen Großmann - dann ist der "Atomdino" Geschichte: Wenn sich die Aktionäre des Energieriesen RWE heute zur Hauptversammlung in Essen treffen, wird der 60 jährige Konzernchef Großmann nach fünf Jahren letztmalig im Rampenlicht an der Konzernspitze stehen. Großmann steht wie kein anderer deutscher Energiemanager für das Festhalten an der Energieversorgung von gestern - gleich neunmal schaffte er es binnen der vergangenen vier Jahre auf den Klima-Lügendetektor. Und da ist der Meistercoup des Jürgen Großmann noch gar nicht eingerechnet: Der "energiepolitische Appell", mit dem sich der Manager der Mittel bediente, die doch eigentlich aus der Historie des Protestes enstammen, der Unterschriften-Anzeige.


"Ich seh wie ihr den Mund bewegt, aber ich versteh immer nur blabla" - Protest gegen die Jahreshauptversammlung vor Jahresfrist. Diesmal werden mindestens 200 Aktivisten erwartet. (Foto: Grüne NRW)

Im Oktober 2007 war der Selfmade-Milliardär im Auftrag seiner Aktionäre angetreten um den Konzern zu erneuern, bald folgten  aber Titel wie "Dinosaurier des Jahres" oder das Verschreien als "Atomlobbyist": Wie kein anderer hat Großmann bei der schwarz-gelben Regierung für eine Verlängerung der Atomlaufzeiten intregiert.

Nun ist RWE wegen dieser Politik der kurzfristigen Interessen in schweres Fahrwasser geraten, Großmann wird sich sicherlich zu seinem Abgang eine Menge Kritik gefallen lassen müssen. Dafür werden auch verschiedene Klimaschützer sorgen: Seit Samstag halten Aktivistinnen den Hambacher Forst im rheinischen Braunkohlerevier besetzt - nun schon den sechsten Tag, ohne dass die Polizei eingeschritten wäre. RWE will hier den tiefsten Tagebau Europas um weitere 1.000 Hektar erweitern. Eine Baumbesetzerin erklärte, der Hambacher Forst werde "Germanys next Gorleben". Ein Widerstand wie im Wendland wäre hier, wegen der Dimension der Zerstörung gegen die "Besatzungsmacht RWE" dringend notwendig. Das Rheinische Braunkohlenrevier ist Europas Klimakiller Nummer 1, Deutschland der weltweit größte Braunkohleverstromer.

Zudem haben Klimaaktivisten Aktionen in Essen zur Hauptversammlung angekündigt: Beispielsweise wollen sie zwischen U-Bahn-Ausgang und dem Versammlungsort Grugahalle eine Menschenkette bilden und damit den Aktionären den Zugang versperren. 25 Initiativen hatten sich unter dem Motto "RWE unplugged" verabredet, darunter auch aus den Niederlanden, wo RWE 2009 den Energiekonzern Essent übernommen hat und die Atomkraft ausbauen will. Aufgerufen hat auch die Linkspartei. Eine Sprecherin des Aktionsbündnisses: "RWE bleibt mit einem lächerlichen Anteil von drei Prozent erneuerbarer Energien am Gesamtportfolio ein Atom- und Kohlekonzern." Nach der Blockade ist geplant, mit möglichst vielen Menschen zusammen auf die Waldbesetzung zu fahren, um eine "Nach der Blockade ist auf der Besetzung"-Party zu feiern. 

Dass sich unter dem neuen RWE-Chef Peter Terium wesentliches zum Besseren ändern wird, glaubt Markus Duffner nicht. Der Chef des Dachverbandes der Kritischen Aktionäre bilanziert: "RWE hat einfach die Wende zu den erneuerbaren Energien verpasst".

klimaretter.info/reni

Infos: hambacherforst.blogsport.deBuirern für Buir und beim BUND.

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen