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"Halten Sie sich an Ihre Versprechen"

Am vergangenen Wochenende gingen in Washington wieder mehr als 12.000 Menschen gegen die berüchtigte Ölpipeline Keystone XL auf die Straße. Doch es geht längst nicht mehr nur um eine Öl-Pipeline: Die Demonstranten fordern von Barack Obama, endlich seine Wahlkampfversprechen für mehr Klimaschutz einzulösen und erhöhen damit drei Wochen vor der nächsten Weltklimakonferenz den Druck auf den Präsidenten.

Aus Washington Arne Jungjohann und Eva Zschirnt (Fotos)

In ihnen stecken die großen noch verbleibenden Ölvorkommen der Erde: die sogenannten Teersande. Ihre Ausbeutung aber hat katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt. Beim Abbau von Schweröl aus Teersand werden riesige Mengen an Energie und Wasser benötigt und darüber hinaus viermal mehr Treibhausgase emittiert als bei der Produktion von herkömmlichem Erdöl. Umweltschützer bezeichnen Teersand deshalb als "Carbon Bomb", als  Kohlenstoffbombe. Mit dem Bau der Pipeline Keystone XL wollen die USA und Kanada das bestehende Pipeline-Netz erweitern. Am vergangenen Wochenende regte sich in Washington erneuter Protest gegen das gigantische Infrastrukturprojekt:

12.000 Menschen kamen an diesem sonnigen Herbsttag nach Washington, um das Weiße Haus zu umzingeln. Sie protestierten gegen den Bau der 2.750 Kilometer langen Pipeline, die von Kanada aus in die Vereinigten Staaten führen und ab 2013 täglich rund eine halbe Million Barrel Öl liefern soll.


(Foto: Greenpeace)

In ihrem geplanten Verlauf von Kanada über autonom verwaltetes indigenes Stammesland quer durch die USA bis zu den Raffinerien in Texas und Oklahoma würde Keystone XL große Vogelbrutgebiete durchqueren. Im Fall eines Lecks wäre die Umwelt erheblich getroffen. 

Den Demonstranten geht es aber nicht nur um die lokalen Auswirkungen des Teersandabbaus, es geht um den weltweiten Klimaschutz und die globale Energiewende. Ihre Botschaft an Barack Obama: "Stellen Sie sich den großen Umweltverschmutzern entgegen, stoppen Sie die Keystone XL Teersand-Pipeline, und halten Sie sich an Ihr Versprechen, dem Planeten eine Zukunft jenseits fossiler Energien zu geben!"

Die bunte Kette aus verschiedensten Menschen erinnerte den Präsidenten an ein zentrales Wahlversprechen. 2008 hatte Barack Obama angekündigt: "Während meiner Präsidentschaft wird der Meeresspiegel langsamer steigen und die Heilung unseres Planeten beginnen." Die Umweltschützer aus dem ganzen Land fordern Obama nun auf, sein Versprechen endlich einzulösen.


(Foto: Tar Sands Action)

"Da es sich bei der Keystone XL-Pipeline um ein grenzüberschreitendes Projekt handelt, muss der Präsident prüfen und letztlich entscheiden, ob die Realisierung des Projektes tatsächlich im nationalen Interesse liegt", erklärte Bill McKibben, Gründer der Umweltorganisation 350.org und einer der Wortführer der Proteste. Die kanadische Regierung hat das ökologisch und wirtschaftlich umstrittene Projekt längst abgesegnet. Bei einer Abstimmung im amerikanischen Repräsentantenhaus im Juli hatten 279 Abgeordnete dafür votiert, 147 lehnten die Pipeline ab. Die endgültige Entscheidung liegt nun bei Obama. Bis Jahresende muss über den Bau entschieden werden.

Die Sprecher der Veranstaltung waren sich darin einig, dass diese Demonstration nicht das große Finale war. "Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns", sagte Bill McKibben, der vor einigen Monaten bei einer ähnlichen Aktion schon einmal verhaftet, jedoch noch 48 Stunden wieder freigelassen worden war. "Wir müssen nicht nur die Pipeline stoppen, sondern allen Gefahren begegnen, die unseren Planeten bedrohen. In den kommenden Wochen werden wir weitere Kampagnen starten, um uns gegen die größten Umweltverschmutzer zu stellen. Und hierbei können wir uns auf die unglaublichen Bewegungen stützen, die überall auf der Welt entstehen."


(Foto: Tar Sands Action)

Die amerikanischen Demonstranten sind nicht allein. Kritik kommt aus allen Ecken der Welt: Die Europäische Union möchte im Rahmen der Kraftstoffrichtlinie den Import von aus Teersanden gewonnenem Öl verbieten. Im September forderten neun Träger des Friedensnobelpreises Obama auf, den Bau der Pipeline mit seinem Veto zu stoppen. Britische Aktivisten umrundeten ein Mini-Modell des Weißes Hauses. Umweltschützer in Ägypten besuchten kanadische Botschaften, um ihren Protest kundzutun.
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