6.000 bei Castor-Aktionstag
Ein Monat vor dem geplanten Atommülltransport nach Gorleben demonstrieren Atomkraftgegner in 57 Städten entlang der wahrscheinlichen Transportstrecke. Die Anti-Atom-Organisation Ausgestrahlt kritisiert, die Endlagersuche sei nicht ergebnisoffen, der Standort Gorleben werde durch den Castor "zementiert".Von Felix Werdermann
In 57 Städten haben heute Atomkraftgegner gegen den geplanten Castortransport nach Gorleben demonstriert. Ende November soll der Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague ins Wendland rollen. Zu dem heutigen "Castor-Aktionstag" hatten mehrere lokale Initiativen aufgerufen.

Hier soll der Atommüll hin, aber die Bevölkerung stellt sich quer: Gelbes X im Wendland. (Foto: Fice / Wikimedia Commons)
Der Aktionstag sollte auch zu der Großdemonstration mobilisieren, die für den 26. November im niedersächsischen Dannenberg geplant ist. Der Transport ist dieses Jahr vor allem deswegen umstritten, weil in Gorleben so hohe Strahlenwerte gemessen wurden, dass das Jahresmaximum womöglich überschritten wird. Greenpeace fordert unter anderem deswegen, den Atommüll stattdessen am Atomkraftwerk im baden-württembergischen Philippsburg zwischenzulagern. Anti-Atom-Initiativen aus dem Südwesten Deutschlands kritisieren diese Greenpeace-Forderung. Der Transport müsse ganz abgesagt werden.

Greenpeace wirbt in einem Youtube-Video für einen Transport nach Philippsburg. (Foto: Youtube-Screenshot)
Im letzten Jahr hatten sich an dem Castor-Aktionstag noch über 10.000 Menschen in 120 Städten beteiligt und damit deutlich mehr heute. In diesem Sommer hat der Bundestag beschlossen, dass einige Atomkraftwerke noch elf Jahre lang laufen dürfen, dann aber abgeschaltet werden sollen. "Mit der weiter völlig ungelösten Entsorgung der radioaktiven Abfälle brennt uns weiter ein riesiges Problem unter den Nägeln", sagt Jochen Stay von Ausgestrahlt. Noch bis Ende 2022 werde EAtommüll produziert, für den es nirgends einen sicheren Lagerplatz gibt."
Gorleben wird "zementiert"
Mit einem Castortransport nach Gorleben würde der dortige Salzstock als Endlager "zementiert". "Die Bundesregierung spricht von einer ergebnisoffenen Suche nach einem Endlagerstandort, baut aber gleichzeitig den völlig ungeeigneten Salzstock in Gorleben aus, als ob es die katastrophalen Fehler in der Asse und in Morsleben nie gegeben hätte."
Im Haushaltsplan 2012 sind für die Erkundung Gorlebens über 70 Millionen Euro vorgesehen, für alternative Standorte nur 3,5 Millionen. "So gesehen ist alles Gerede von ergebnisoffener Suche nur ein Placebo, um die Öffentlichkeit zu beruhigen", meint Stay.
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