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Ist Philippsburg besser als Gorleben?


Streit unter Atomkraftgegnern: Um einen Transport nach Gorleben zu verhindern, fordert Greenpeace mittlerweile, den Atommüll aus Frankreich am baden-württembergischen Atomkraftwerk Philippsburg zwischenzulagern. Anti-Atom-Initiativen aus dem Südwesten Deutschlands sind empört.

Von Felix Werdermann

Heute will sich die Anti-Atom-Bewegung warmlaufen für die Proteste gegen den für Ende November geplanten Atommülltransport ins niedersächsische Gorleben. Umweltinitiativen rufen zu einem "Castor-Aktionstag" auf, in knapp 60 Städten entlang der voraussichtlichen Transportroute wollen Atomkraftgegner heute auf die Straße oder auf die Schiene gehen. Doch die Mobilisierung zu den Castor-Protesten ist überschattet von einem Streit unter Umweltschützern.


Da soll der Atommüll hin: Greenpeace wirbt auf Youtube für einen Transport nach Philippsburg. (Foto: Screenshot Youtube)

Anlass ist ein Greenpeace-Video, das auf der Internetplattform Youtube zu sehen ist. In dem Trickfilm wirbt die Umweltorganisation für einen Castortransport nach Philippsburg. Der Atommüll solle am dortigen AKW zwischengelagert werden, weil sich dadurch der Transportweg um 550 Kilometer verkürze. Außerdem müsse der strahlende Abfall nicht umgeladen werden, weil der Reaktor an das Schienennetz angeschlossen ist. Danach wird erklärt, dass das Zwischenlager in Gorleben kaum besser als eine Kartoffelscheune sei. Nach knapp drei Minuten endet das Video mit der Forderung: "Kein Atommüll ins Kartoffellager! Zwischenlagerung in Philippsburg genehmigen."

"Atomindustrie aus der Patsche helfen"

Als Greenpeace verschiedene Anti-Atom-Gruppen darum bat, den Film im Internet zu verbreiten, bekam die Umweltorganisation eine wütende E-Mail zurück. Die "südwestdeutschen Anti-Atom-Initiativen" empörten sich, dass Greenpeace mittlerweile für Castortransporte wirbt, und verfassten prompt eine Presseerklärung. Greenpeace wolle mit der neuen Forderung "scheinbar der Atomindustrie aus der Patsche helfen", heißt es darin. "Die Atommülltransporte dienen nur einem Zweck: Atomanlagen weiter betreiben zu können und eine Lösung der Atommüllproblematik vorzugaukeln."

Ein möglicher Sicherheitsgewinn durch die Umleitung nach Philippsburg sei "minimal". In dem Brief an Greenpeace schreiben die Gruppen: "Keine Kartoffelscheune ist besser als die andere, eine Diskussion darüber dient nur den Interessen der Atomindustrie."

Greenpeace gegen Lagerung in Frankreich

Diese Vorwürfe wollte Greenpeace nicht auf sich sitzen lassen und antwortete ebenfalls mit einem Brief. Die hauptamtlichen Atomreferenten schreiben, Greenpeace habe "in der Tat seine Strategie verändert und die Position verlassen, der zufolge jeder Castor-Transport verhindert werden soll, solange der Atomausstieg nicht abgeschlossen ist und solange keine Entscheidung über ein Endlager gefällt ist." Für eine Lagerung in Philippsburg sprächen jedoch drei Gründe: Gorleben werde nicht als Endlagerstandort zementiert, durch die kürzere Strecke werde das Transportrisiko minimiert und zudem werde das Verursacher-Prinzip berücksichtigt, wenn der Müll direkt am Atomkraftwerk gelagert werde.


Noch lagert der Müll in der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague. Aber wohin damit? Oder da lassen? (Foto: Morpheus2309, Wikimedia Commons)

Eine "längerfristige Zwischenlagerung" in der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague sei "keine Option". "Zu Recht verlangen Greenpeace Frankreich und andere Organisationen der französischen Anti-Atom-Bewegung den schnellstmöglichen Rücktransport des deutschen Strahlenmülls nach Deutschland."

Die südwestdeutschen Anti-Atom-Initiativen sehen das anders: "Mit dem Abtransport aus der Plutoniumfabrik in La Hague wird dort Platz geschaffen für die weitere Abtrennung von atomwaffenfähigem Plutonium und einhergehender Verseuchung der Umwelt." Französische Atomkraftgegner wollten den diesjährigen Transport bei der Abfahrt stoppen. Greenpeace falle den Aktivisten nun in den Rücken.

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