RWE den Stecker ziehen
Kerpen-Manheim ist nur wenige Kilometer von der Kante des Tagebaus Hambach entfernt. Hier campten etwa 300 Menschen eine Woche lang gegen die Braunkohlepläne von RWE – inklusive einer Blockade der konzerneigenen Hambachbahn. Das rheinische Klimacamp bot viele Gelegenheiten, mit den vom Tagebau betroffenen Menschen – baldige oder ehemalige Umsiedler und Randbetroffene – in Kontakt zu kommen.
Auf einer Wiese nördlich von Manheim campten und protestierten Klimaaktivisten eine Woche lang unter dem Motto "RWE den Stecker ziehen". Nach längerer Auseinandersetzung zwischen der Campvorbereitungsgruppe und der Gemeinde Kerpen stellte man diesen Platz zur Verfügung – offiziell wurde das Klimacamp im rheinischen Revier als Dauerkundgebung angemeldet und stand somit unter dem Schutz des Versammlungsgesetzes. Von der Wiese war es dann tatsächlich fast nur noch ein Katzensprung bis zum Objekt des Protests: Der Tagebau Hambach, das größte künstliche Loch Deutschlands. Wenn es nach RWE geht, soll die Ortschaft Manheim bald nicht mehr stehen.

Samba auf den Schienen, aber noch kein Wendland der Klimabewegung. (Foto: Böck)
Neben Protestaktionen gab es mit drei Workshopphasen pro Tag viel Gelegenheit zur Diskussion. Das hoch gelobte Essen – selbstverständlich ökologisch und vegan – wurde durch die politische Kochgruppe Le Sabot zubereitet.

Zehn Tage zelten gegen RWE und den Tagebau Hambach. (Foto: Böck)
Gäste aus Aserbaidschan, Kolumbien, Bangladesch, sowie eine größere Gruppe holländischer Klimaaktivisten gaben dem Camp einen internationalen Charakter. Eine Solidaritätsbotschaft wurde an die zur Zeit in Washington stattfindenden Aktionen gegen Teersandabbau gesendet.
Viele Aktivisten waren sich einig: Das Camp soll nicht der Höhepunkt, sondern nur der Anfang einer Bewegung gegen die RWE-Tagebaue werden. Eine Blockade, die direkt in den Ablauf des RWE-Braunkohlegeschäfts eingreift – das gab es bislang hier noch nie.

Eine RWE-Brikettfabrik musste aussetzen: Schienenblockade auf der Hambachbahn. (Foto: Böck)
Während viele Campteilnehmer hier eine Bewegung gegen RWE erst am Anfang sehen, sind die Menschen aus den betroffenen Orten oft resigniert. So meint ein Mitglieds der Buirer Fußballmannschaft abends am Lagerfeuer: "Ich finde das alles gut was ihr macht – aber es bringt leider nichts." Aber auch Wut über den Nachbarort ist zu hören: "Die Mannheimer haben doch einen an der Klatsche - die wählen die Frau vom RWE-Chef zur Ortsvorsteherin." Es geht um den RWE Power-Vorstandsvorsitzenden Johannes Lambertz, selbst aus Manheim, dessen Frau tatsächlich Ortsvorsteherin eines zur Abbaggerung vorgesehenen Ortes ist.
"Ihr kommt ja viel zu spät.", meinen wieder Andere, insbesondere aus den Orten, deren Abbaggerung bereits beschlossen ist. Die letzte große Auseinandersetzung hier fand bereits 1998 statt – die Grünen brachen ihr Wahlversprechen und akzeptierten als Teil der damaligen rot-grünen Landesregierung von Wolfgang Clement (SPD, inzwischen parteilos) den Aufschluss des Braunkohletagebaus Garzweiler 2.

Ausflug in den Umsiedlerort Immerath. (Foto: Böck)
"Es ist schrecklich, dass die Menschen hier so resigniert sind", so ein Campteilnehmer. "Gäbe es hier stärkere Proteste aus der Bevölkerung, wie das im Wendland der Fall ist, dann sähe die Situation sicher ganz anders aus."
Die Klimacamper wollen nicht aufgeben: Eine kleine Gruppe hat ein Haus in der Region gekauft und plant ein dauerhaftes Klimacamp – einen Ort, an dem sich Gruppen vernetzen und Aktionen geplant werden können. Das "Wendland der Klimabewegung" würden sie sich im rheinischen Braunkohlerevier wünschen.
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