Sitzsstreik gegen Obamas Klimapolitik
Im Wahlkampf 2008 hatte Barack Obama angekündigt: "In meiner Präsidentschaft wird der Meeresspiegel langsamer steigen und die Heilung unseres Planeten beginnen." Jetzt fordern Umweltschützer aus dem ganzen Land vom US-Präsidenten die Einlösung seines Versprechens. Noch bis zum Morgen protestieren sie vor dem Weißen Haus gegen den Bau der Keystone XL-Pipeline.
Die kanadische Regierung hat das ökologisch und wirtschaftlich umstrittene Projekt längst abgesegnet. In Washington muss bis zum Jahresende darüber entschieden werden. Bei einer Abstimmung im Repräsentantenhaus im Juli hatten 279 Abgeordnete dafür votiert, 147 lehnten es ab. Die endgültige Entscheidung liegt nun bei Obama.

Stein des Anstoßes: Die Keystone XL-Pipeline. (Foto: TransCanada)
Seit Jahren warnen Umweltexperten vor der massiven Umweltbelastung, die die Ausbeutung der Teersandfelder im Norden Kanadas zur Folge hat. "Da es sich bei der Keystone XL-Pipeline um ein grenzüberschreitendes Projekt handelt, muss der Präsident prüfen und letztlich entscheiden, ob seine Realisierung tatsächlich im nationalen Interesse liegt", erklärte Bill McKibben, Gründer der Umweltorganisation 350.org und einer der Wortführer der am 20. August begonnenen Sitzstreik-Kampagne. Gleich am ersten Tag war McKibben verhaftet, nach 48 Stunden aber wieder freigelassen worden.
Bei der Gewinnung von Schweröl aus Teersand werden riesige Mengen an Energie und Wasser benötigt und darüber hinaus dreimal mehr Treibhausgase emittiert als bei der Produktion von herkömmlichem Erdöl. Umweltschützer bezeichnen Teersand deshalb als "Carbon Bomb", Kohlenstoffbombe.
Beschleunigung des Klimawandels
Nach jüngsten Untersuchungen könnten bei der Förderung von Bitumen aus Teersand jährlich 150 Millionen Tonnen CO2 entstehen, eine Menge, die 85 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen aller Länder entspricht. Mächtige finanzkräftige Erdölkonzerne wie Trans Canada, Royal Dutch Shell und Exxon Mobile bestehen auf der weiteren Ausbeutung der Teersandvorkommen.

Teersandabbau ist die schmutzigste Art, Öl zu gewinnen. (Foto: Greenpeace)
Auch die 2.750 Kilometer lange Keystone XL-Pipeline - Abkürzung: KXL - dürfte für zusätzliche Umweltschäden sorgen. In ihrem geplanten Verlauf von Kanada über autonom verwaltetes indigenes Stammesland quer durch die USA bis zu den Raffinerien in Texas und Oklahoma würde sie große Vogelbrutgebiete durchqueren und im Fall eines Lecks die Umwelt der Umgebung verseuchen. Bei Keystone 1, einer kleineren Erdölpipeline, gab es allein im ersten Betriebsjahr zwölf Lecks. Aus derselben Leitung versickerten 2010 im US-Bundesstaat Nord-Dakota rund 80.000 Liter Schweröl in den Boden.
Nach Ansicht der Umweltschützer bedroht die KXL-Pipeline auch eines der weltweit größten unterirdischen Frischwasserreservoirs: das 25.900 Quadratkilometer große, ohnehin gefährdete Ogallala-Aquifer unterhalb der Great Plaines. Experten warnen, KXL könnte auch als Wasserleitung benutzt werden, um die dort ansässigen Industriebetriebe mit aus dem Aquifer abgepumptem Wasser zu versorgen.

Sitzstreik in Washington gegen die Keystone-Pipeline. (Foto: IPS/Kanya D'Almeida)
Vor Baubeginn muss das Projekt KXL zwar noch etliche bürokratische Hürden nehmen, doch die Aussichten auf Genehmigung stehen nicht schlecht. So versicherte Kerri-Ann Jones aus dem für Weltmeere sowie für internationale ökologische und wissenschaftliche Belange zuständigen Regierungsbüro: "Es wird im Umfeld der Pipeline keine ernsthaften Umweltschäden geben." Die Erklärung der Regierungsbeamtin überzeugt weder wissenschaftliche Experten noch die in Washington protestierenden Umweltaktivisten. Pastor Paul Mayer, ein Veteran der Protestbewegung in den USA und Mitbegründer des Netzwerks Climate Crisis Coalition, sagte: "Ich stehe hier, weil ich den Klimawandel für eines der größten moralischen, politischen, kulturellen und geistigen Probleme halte, mit denen unser Planet konfrontiert ist. Durch die Ausbeutung des Teersands rückt das Risiko steigender Meeresspiegel und unerträglich hoher Temperaturen, die Dürre, Hunger und die Vertreibung von Millionen ohnmächtiger armer Menschen zur Folge haben, immer näher."
Warnung an Obama
Der Veteran der Protestbewegung in den USA, der schon für Martin Luther Kings Civil Rights Movement gearbeitet hatte, bekräftigte: "Mit unserem Sitzstreik demonstrieren wir zivilen Ungehorsam und übermitteln dem Präsidenten eine unmissverständliche Botschaft. Er sollte bei der nächsten Wahl nicht mit unseren Stimmen rechnen, solange er nicht zu seinen Versprechen steht, die er in der Nacht nach seiner Wahl gegeben hat."
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