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Die Zündschnur zur Kohlenstoffbombe

In Washington versammeln sich heute Umweltaktivisten, um gegen die Ölpipeline Keystone XL zu protestieren. In den nächsten zwei Wochen sind verschiedene Aktionen zivilen Ungehorsams geplant. Mehrere Menschen wurden heute verhaftet, darunter Bill McKibben, Gründer der Aktion 350.org. Die Keystone XL-Pipeline soll eine deutliche Ausweitung der Lieferung von Öl aus kanadischen Teersanden ermöglichen.

Von Hanno Böck

 Von einer "Carbon bomb", einer Kohlenstoffbombe, sprechen Umweltaktivisten, wenn es um die kanadischen Teersande geht. Sie sind eines der größten noch verbleibenden Ölvorkommen auf der Erde, doch die Folgen für die Umwelt und den Klimawandel sind katastrophal. Man geht inzwischen davon aus, dass Öl aus Teersanden im Vergleich zu konventionellem Öl die vierfache Menge an Kohlendioxidemissionen verursacht. Doch vor allem die Vereinigten Staaten wollen vom kanadischen Ölboom profitieren. Die Förderung soll deutlich ausgeweitet werden - und damit auch das Pipelinenetz. Keystone XL ist, um in der Sprache der Aktivsten zu bleiben, die Zündschnur zur Kohlenstoffbombe.

 

Mit prominenter Unterstützung mobilisieren Umweltaktivisten in den USA seit Wochen für die Proteste gegen die Pipeline. Viele Prominente, darunter der Gründer der Aktion 350.org, Bill McKibben, der Schauspieler Mark Ruffalo, der NASA-Klimawissenschaftler James Hansen, der Regisseur des Films "Gasland", Josh Fox und der Schwulenaktivist Daniel Choi.

Bei der heutigen Auftaktaktion vor dem Weißen Haus wurden etwa 70 Menschen nach einem Sit-In verhaftet, darunter Bill McKibben, einer der Initiatoren der Aktion. Im Vorfeld hatten über 2.000 Menschen in einer Online-Unterschriftenaktion erklärt, sich an den Aktionen beteiligen zu wollen.


Samstag vor dem Weißen Haus. (Foto: Tar Sands Action)

Ziviler Ungehorsam ist zur Zeit ein großes Thema in der US-amerikanischen Umweltbewegung. Und die Umweltschützer gehen dabei ein nicht unerhebliches Risiko ein. Tim DeChristopher, ein 27-jähriger Umweltaktivist, wurde kürzlich zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er mit gefälschten Angeboten eine Auktion für Öl- und Gasförderlizenzen behinderte. Das Gericht hatte betont, DeChristopher werde nicht in erster Linie für seine Tat verurteilt, sondern dafür, dass er andere ermutigt hatte, ähnliche Aktionen durchzuführen.

"Präsident Obama kann diesen das Klima zerstörenden Wahnsinn mit einem Federstrich verhindern", sagte Bill McKibben heute morgen vor der Aktion."Wir werden  vor dem Weißen Haus ausharren und hoffen, dass wir den Präsidenten dazu bringen können, die Versprechen einzuhalten, die uns in seiner Wahlkampagne 2008 überzeugt hatten. Da der Kongress in dieser Entscheidung nichts verhindern kann, ist dies ein deutlicher Test für den Präsidenten."


Abbau von Teersanden in Kanada. (Foto: Jiri Rezac / Greenpeace)

Präsident Barack Obama hatte im Wahlkampf 2008 gesagt, der Klimawandel werde unter ihm zur Priorität. Bislang sind US-Umweltschützer von ihm jedoch weitgehend enttäuscht worden. Ölbohrungen in der Arktis wurden genehmigt, die Pläne für ein Klimagesetz sind wieder in der Schublade verschwunden und der Kohlebergbau durch "Mountaintop Removal" (Wegsprengen von Bergspitzen) in West Virginia geht ungehindert weiter.

 

 

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