Thailand: Jagd auf Öko-Aktivisten
Thongnak Sawekchindas Killer kam auf dem Motorrad. Auf offener Straße schoss Yothin Theprian am 28. Juli neunmal auf den engagierten thailändischen Umweltaktivisten, der in seiner Heimatprovinz Samut Sakhon in Zentralthailand seit fünf Jahren Proteste der lokalen Bevölkerung gegen die von der mächtigen Kohleindustrie verursachten Luft- und Umweltschäden organisiert hatte.
Aus Samut Sakhon Marwaan Macan-Markar (IPS)
Die 10.000 US-Dollar, die für den Auftragsmord an dem 47-jährigen Thongnak bezahlt wurden, erstaunte die Polizei, die den Täter und seine sechs Helfershelfer inzwischen gefasst hat. "Üblicherweise wird für derartige Verbrechen weit weniger gezahlt", meinte der mit der Untersuchung des Falls beauftragte Polizeioberst Caicharn Purathanont.

Protest gegen Kohlekraft in Thailand. (Foto: Athit Perawongmetha/Greenpeace)
Die Aussichten, dass auch die eigentlichen Hintermänner ins Visier der Polizei geraten, sind jedoch gering. Internationale Aktivisten-Organisationen wie 'Human Rights Watch' (HRW) und 'Greenpeace' kritisieren, dass bisher keiner der Drahtzieher der 27 Morde, die in den vergangenen 16 Jahren in Thailand an Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten begangen wurden, zur Rechenschaft gezogen wurde.
"Soweit reicht der Arm der Justiz nicht", stellte Tara Buakamsri gegenüber IPS fest. Der Aktivist leitet in Südostasien Kampagnen von Greenpeace. "Selten genug werden Leute gefasst, und auch bei ihnen handelt es sich durchweg um kleine Fische."

Thongnak Sawekchinda - ermordet am 27. Juli. (Foto: Human Rights Watch)
Auch Thailands Medien, für die Umweltschutz kein Thema ist, interessieren sich kaum für den Kampf einheimischer Öko-Aktivisten gegen industrielle Umweltverschmutzung, das Abholzen der Wälder, fehlendes Abfallmanagement oder die Zerstörung von Mangrovenwäldern.
Der für HRW arbeitende thailändische Wissenschaftler Sunai Phasuk sagte IPS: "Die thailändischen Behörden akzeptieren die Rolle der privaten Unternehmen als Hauptstütze der wirtschaftlichen Entwicklung. In ihren Augen sind Aktivisten lästige Störenfriede, im schlimmsten Fall sogar Staatsfeinde, die der Wirtschaft Knüppel zwischen die Beine werfen. In entlegenen Regionen ausgetragene Konflikte gelten als lokale Probleme."

Umweltschützer protestieren bei der Klimakonferenz in Bangkok im April. (Foto: Oxfam GB East Asia)
HRW-Asiendirektor Brad Adams klagte: "Die Regierung erkennt den Beitrag von Aktivisten zum Umweltschutz nicht an und unternimmt auch dann kaum etwas, wenn Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten umgebracht werden. Jetzt sind die Behörden in der Verantwortung, die Hintergründe von Thongnaks Ermordung aufzuklären."
Die Freunde des Ermordeten sind vom Ausgang der polizeilichen Ermittlungen enttäuscht. "Dahinter stecken mächtige Interessen von Netzwerken, lokalen Wirtschaftsunternehmen und Politikern", sagte Chanchai Rungrotsakorn. Gemeinsam mit Thongnak hatte er sich seit fünf Jahren an Kampagnen für ein Ende des zunehmenden Transports von Kohle für die Kraftwerke in die Provinz Samut Sakhon beteiligt. In dem aufstrebenden Industriegebiet ist die Einfuhr von Kohle und ihre Verteilung ein lohnendes Geschäft. Etliche der 114 daran beteiligten Unternehmen gehören zu den größten des Landes und werden an der thailändischen Börse notiert.
Mit massiven Importen ausländischer Kohle – allein aus Indonesien wurden im vergangenen Jahr zehn Millionen Tonnen geliefert – will Thailand den wachsenden Energiebedarf der Industrie sichern. Basisaktivisten protestieren seit Jahren gegen die Folgen der Kohleindustrie für die Umwelt. Die Aussichtslosigkeit ihrer Klagen bringt viele Einheimische davon ab zu protestieren, wenn private Industrieprojekte ihre Felder, ihre Atemluft und ihre Siedlungen verseuchen.
"Am deutlichsten macht sich dieses Klima der Straflosigkeit nach der Ermordung von Aktivisten bemerkbar, die sich aus Sorge um die Umwelt ihrer Provinzen mit mächtigen Konzernen angelegt haben", sagte Tara.Dennoch können die Aktivisten auf erste Erfolge verweisen. Nach Protesten wurden in zwei Provinzen im Nordosten der Betrieb von Kupferminen und der Abbau von Salpeter gestoppt. Und im vergangenen Jahr klagten Gemeinden erfolgreich vor Gericht gegen die in einem der größten thailändischen Industriegebiete angerichteten Schäden. Das Gericht hat die Verursacher zu Instandsetzungsmaßnahmen in Höhe von Milliarden Dollar verurteilt.
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