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In Grönland regt sich Protest

Nach Greenpeace-Aktionen werden auch in Grönland Ölbohrungen zunehmend in Frage gestellt. Umweltorganisation droht Geldstrafe, wenn sie weitere Aktionen startet.

 
Aus Stockholm Reinhard Wolff

Die Umweltorganisation Greenpeace muss hohe Geldbußen zahlen, sollte sie erneut die Bohrungen der Ölgesellschaft Cairn vor Grönland durch Protestaktionen behindern. Ein Gericht in Amsterdam erließ am Donnerstagnachmittag auf Antrag von Cairn eine entsprechende einstweilige Verfügung gegen Greenpeace, schraubte allerdings die drohende Geldbusse auf ein Vierzigstel des gestellten Antrags herunter: Von zwei Millionen auf 50.000 Euro täglich für jeden Fall des Eindringens von Greenpeace-Schiffen in die 500-Meter-Schutzone rund um die Bohrplattformen. Darüber hinaus deckelte das Gericht mögliche Geldbußen insgesamt auf eine Million Euro.


Greenpeace-Aktivisten besteigen eine Ölplattform von Cairn vor der Küste Grönlands. (Foto: Steve Morgan / Greenpeace)

Im Zusammenhang mit seiner Entscheidung unterstrich der Richter das berechtigten Interesse der Öffentlichkeit daran, dass – wie von Greenpeace gefordert – die Katastrophenbereitschaftspläne veröffentlicht werden sollten. "Die können alle Anwälte der Welt anheuern, aber sie werden die Kampagne gegen die Bohrungen nicht stoppen können", erklärte Ben Stewart, Leiter der internationalen Ölkampagne von Greenpeace. Man werde neu überlegen, zu welchen Aktionsformen man jetzt greifen werde: "Aber die Ölgesellschaften müssen raus aus der Arktis."

Zeitweise Haft für Greenpeace-Aktivisten

Rund eine Woche lang saßen 20 Greenpeace-Aktivisten in der grönländischen Hauptstadt Nuuk – eine Kleinstadt mit 15.000 Einwohnern – in Haft. Nach zwei Protestaktionen der Umweltschützer gegen Tiefseeölbohrungen musste Grönlands kleine Polizeitruppe Überstunden schieben.

Nach Protesten mit zeitweiliger Besetzung der Ölplattform Leiv Eiriksson vor der Westküste des Landes drohen den Greenpeace-Leuten, die selbst nicht aus Grönland stammen, nicht nur Strafen wegen Hausfriedensbruch und Eindringen in eine von den Behörden errichtete Sicherheitszone. Es erwartet sie vermutlich auch eine Ausweisung in ihre Heimatländer und die Verhängung zeitweiser Einreiseverbote. Doch sie dürfen sich über ein erfolgversprechendes Echo auf ihre Aktionen freuen. In Grönland selbst wächst jetzt nämlich deutlich die Unruhe über die Konsequenzen der umstrittenen Tiefseeölbohrungen.

Einer breiten Öffentlichkeit galten diese trotz der Ölkatatrophe im Golf von Mexiko im vergangenen Jahr und trotz der Warnungen von Umweltschutzorganisationen, vor Grönland könne sich ähnliches ereignen, als relativ wenig kontrovers. Die vom sozialistischen Ministerpräsidenten Kuupik Kleist geführte Regierung sieht Öl, Gas und andere Bodenschätze als Voraussetzung für eine stabile und selbständige Volkswirtschaft Grönlands, die dann nicht mehr am Tropf dänischer Subventionen hängen müsse.

Bislang war es vor allem die oppostionelle sozialdemokratische "Siumut" gewesen, die unzureichende Informationen und mangelnde Offenheit im Zusammenhang mit den Ölbohrungen beklagt hatte. Am Dienstag schloss sich nun mit Naaja Nathanielsen die Finanz- und Rohstoffexpertin der regierenden "Inuit Ataqatigiit" diesen Stimmen an. Sie forderte von ihren Parteifreunden in der Regierung die Beantwortung eines 26 Punkte umfassenden Fragenkatalogs. Kernstück sind die Sicherheitsfragen, auf die auch Greenpeace und Co. bislang keine Antworten erhalten haben: Was geschieht bei einem Blowout und wie ist sichergestellt, dass die bei den Bohrungen freigesetzten Chemikalien und giftigen Bohrschlämme nicht die marine Umwelt gefährden?

Unter Hinweis auf nicht näher definierte "Sicherheitsbedenken" haben bis jetzt sowohl die grönländische Regierung wie die schottische Ölgesellschaft "Cairn", die mittlerweile mit zwei Offshore-Bohrungen in rund 1000 m Tiefe begonnen hat, die Veröffentlichung der entsprechenden Bereitschaftspläne verweigert. "Eine Weigerung, die alles sagt", meint der norwegische Greenpeace-Mitarbeiter Truls Gulowsen: Man habe offenbar kein Konzept, wie man einer Ölkatastrophe im Stil der von Deepwater Horizon begegnen wolle. In allen europäischen Ländern, in denen Ölexploration betrieben werde – so beispielsweise in Norwegen und Großbritannien – sei ansonsten solche Öffentlichkeit selbstverständlich.

Nach den entsprechenden Katastrophenbereitschaftsplänen fragte am Dienstag auch ein Richter in Amsterdam. In den Niederlanden sind die derzeit vor Grönland kreuzenden Greenpeace-Schiffe Esperanza und Arctic Sunrise registriert. Und gegen die hatte Cairn vor dem Bezirksgericht in Amsterdam den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gestellt. Der kurze arktische Sommer setzt ein enges Zeitfenster für die Bohrarbeiten. Ein infolge von Protestaktionen ausgefallener Bohrtag kostet die Ölgesellschaft nach deren Angaben mehr als 2,7 Millionen Euro.

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