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Die größten Energie-Demos aller Zeiten

Noch nie war die deutsche Anti-Atomkraft-Bewegung so stark wie jetzt. In den letzten Jahren gab es immer wieder Demonstrationen mit ungeahnt hohen Teilnahmezahlen. Die Aktionen der 70er- oder 80er-Jahre sind dagegen vergleichsweise klein gewesen. Eine Übersicht – ohne Garantie auf Vollständigkeit.

Von Felix Werdermann


So sahen die Anti-Atomkraft-Demonstrationen früher aus: 1979 kamen über 100.000 Menschen nach Bonn. (Foto: Hans Weingartz/Wikimedia Commons)

23. Februar 1975: Der Bauplatz des geplanten Atomkraftwerks Wyhl am Kaiserstuhl wird besetzt. Etwa 30.000 Menschen hatten zuvor gegen den Neubau demonstriert. Erst im November verlassen die Atomkraftgegner das Gelände wieder. Das Kraftwerk wird nie gebaut.

31. März 1979: In Hannover demonstrieren 100.000 Menschen gegen die Planungen, in Gorleben ein Atommülllager sowie eine Wiederaufarbeitungsanlage zu errichten. Eine Woche lang sind Bauern aus dem Wendland mit ihren Treckern in die Landeshauptstadt Niedersachsens gefahren. Währenddessen erreignete sich im US-Atomkraftwerk Three Miles Island die bis dahin größte Atomkatastrophe. Nach der Demonstration erklärt Niedersachsens Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) die geplante Wiederaufarbeitungsanlage für nicht durchsetzbar.

14. Oktober 1979: Unter dem Eindruck vom Unfall im US-Atomkraftwerk Three Miles Island demonstrieren in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn knapp 150.000 Menschen für die Abschaltung der Atomanlagen.

3. Mai 1980: Die "Republik Freies Wendland" wird ausgerufen. Etwa 5.000 Demonstranten ziehen zum Gelände der geplanten Tiefbohrstelle 1004 in der Nähe von Gorleben. Dort besetzten sie das Gelände, um gegen den Bau des Atommülllagers Gorleben zu protestieren.

28. Februar 1981: Die bis dahin größte Anti-Atom-Demonstration in Deutschland gibt es in Brokdorf bei Hamburg. Rund 100.000 Menschen reisen an. Über 10.000 Polizisten versuchen, die Erstürmung des Geländes zu verhindern, auf dem das Atomkraftwerk gebaut werden soll (und später auch gebaut wird). Es kommt zu gewalttätigen Ausschreitungen, auf beiden Seiten gibt es über 100 Verletzte.

31. März 1986: Proteste gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf in der Oberpfalz: 100.000 Menschen demonstrieren an Ostern, dabei setzt die Polizei erstmals CS-Gas ein. Ein Demonstrant stirbt nach einem Asthmaanfall.

Und heute?


So sehen Anti-Atomkraft-Demonstrationen heute aus: Alles in Farbe und nicht mehr Schwarz-Weiß. (Foto: Andreas Conradt/PubliXviewinG)

8. November 2008: Mehr als 16.000 Menschen demonstrieren in Gorleben. Der von SPD und Grünen ausgehandelte Atomkompromiss droht aufgekündigt zu werden. Im kommenden Jahr steht eine Bundestagswahl an. Mehr...

5. September 2009: Drei Wochen vor der Bundestagswahl geht die Anti-Atomkraft-Bewegung in Berlin auf die Straße. 50.000 Menschen und 350 Trecker aus dem Wendland kommen in die Hauptstadt. Mehr...

24. April 2010: Zwischen den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel entsteht eine riesige Menschenkette gegen Atomkraft. Auf einer 120 Kilometer langen Strecke geben sich Atomkraftgegner die Hand. 120.000 Demonstranten sorgen dafür, dass die Kette weitestgehend geschlossen ist. Auch am Atomkraftwerk Biblis und vor dem Zwischenlager Ahaus wird demonstrieren. Insgesamt kommen zwei Tage vor dem Tschernobyl-Jahrestag 147.000 Menschen zusammen. Mehr...

18. September 2010: Wieder eine Großdemonstration in Berlin: Diesmal kommen 100.000 Menschen in die Hauptstadt, wollen das Regierungsviertel umzingeln, aber es sind so viele, dass das Viertel nur "geflutet" werden kann. Rund zwei Wochen vorher hatte sich Bundeskanzlerin Merkel mit den Atombossen auf eine Laufzeitverlängerung geeinigt. Mehr...

9. Oktober 2010: Menschenkette in klein: In München kommen keine 120.000 Menschen zusammen, aber immerhin 50.000. Sie bilden eine Kette von der CSU-Zentrale zum Umweltministerium. Bayern zählt wie Baden-Württemberg zu den größten Verfechtern der Atomenergie. Mehr...

6. November 2010: Der Gorleben-Protest wächst weiter im Vergleich zum letzten Castor-Transport im Jahr 2008. Zur Auftaktkundgebung kommen 50.000 Menschen. In den Tagen danach macht vor allem die Kampagne "Castor Schottern" von sich reden. Der Castor hat so viel Verspätung wie noch nie. Mehr...

12. März 2011: Unerwarteter Ansturm bei der Menschenkette in Baden-Württemberg. 60.000 Menschen reichen sich zwischen dem Atomkraftwerk Neckarwestheim und der Landeshauptstadt Stuttgart die Hand. Die Aktion war schon lange vorher geplant, durch die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima hat sie zusätzlich Aktualität erfahren. Im ganzen Bundesgebiet gibt es Mahnwachen. Mehr...

26. März 2011: Kurzfristig werden nach Fukushima mehrere Großdemos organisiert. Die Teilnahmezahlen übertreffen alle Erwartungen: In Berlin demonstrieren 120.000 Menschen, 50.000 sind es in Hamburg. In Köln und München sind es jeweils 40.000. Summe: 250.000 Atomkraftgegner auf Deutschlands Straßen. Mehr...

25. April 2011: Die Tschernobyl-Katastrophe jährt sich am Folgetag zum 25. Mal. In Deutschland gibt es an 12 Orten größere Aktionen, bei denen insgesamt rund 120.000 Menschen teilnehmen. Mehr...

28. Mai 2011: Kurz vor den wichtigen Entscheidungen in Sachen Atomausstieg will die Anti-Atomkraft-Bewegung noch einmal Druck machen. In 21 Orten soll es Großdemonstrationen geben, die Veranstalter erwarten "zehntausende" Teilnehmer.

Fortsetzung folgt...


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