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CCS in Brandenburg gefährdet Berliner Wasser


Gemeinde Barnim-Oderbruch gibt Gutachten für Kohlendioxid-Speicherung in Auftrag. Erhöhter Druck könnte Trinkwasser in 100 Kilometer Entfernung versalzen.

Von Johanna Treblin

Mit dem neuen Gesetzentwurf zur Kohlendioxidspeicherung können einzelne Länder die sogenannte CCS-Technologie für sich ausschließen. Brandenburg spricht sich als einziges Bundesland für die Kohlendioxidspeicherung aus. Bereits seit 2008 erprobt der schwedische Energiekonzern Vattenfall in der Lausitzer "Schwarzen Pumpe" die Kohlendioxid-Abscheidung bei der Verbrennung von Braunkohle. Am Standort Jänschwalde will Vattenfall bis 2015 ein CCS-Demonstrationskraftwerk bauen und Kohlendioxid in den Regionen Beeskow und Neutrebbin unterirdisch verpressen.


Brandenburger protestieren gegen Kohlendioxid-Erkundung und Erpressung. (Foto: CCS-protest.de)

Die Auswirkung der unterirdischen Kohlendioxidspeicherung könnten allerdings über Brandenburg hinaus negative Auswirkungen haben. Einem geologisches Gutachten für die Gemeinde Barnim-Oderbruch zufolge, das klimaretter.info vorliegt, muss wegen Überdrucks in den Gesteinsschichten in einem Umkreis von 100 Kilometern von der Injektionsbohrung mit Grundwasserversalzungen gerechnet werden. Das würde Teile Mecklenburg-Vorpommerns und Polens sowie Berlin betreffen.

In Neutrebbin geht es auf einer Fläche von rund 350 Quadratkilometern um salzwasserführende Sandsteine in einer Tiefe von rund 1.400 Metern. Dafür hat das Unternehmen im März 2010 die Erlaubnis des Brandenburgischen Landesamts für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) erhalten. Eine Speicherung von Kohlendioxid selbst ist damit noch nicht genehmigt. Noch haben die Erkundungsarbeiten nicht begonnen. Die Bevölkerung wehrt sich gegen die CO2-Verpressung, weil sie Schäden für Umwelt und Gesundheit fürchtet und bereitet sich schon für den "Tag X" vor, wenn Vattenfall zu den ersten Erkundungen ansetzen wird.

Krupp: Salzschicht ungeeignet für CCS

Der Geologe Ralf Krupp kommt nun im Gutachten für die Gemeinde Barnim-Oderbruch zum Ergebnis, dass das Erkundungsgebiet zahlreiche Lücken in der Salzschicht aufweist. Dadurch sei fraglich, ob der Untergrund dicht genug sei, um das Kohlendioxid sicher zu speichern. Die Salzschicht sei darüber hinaus mit 20 Metern möglicherweise nicht ausreichend, um die geplanten Mengen an Kohlendioxid zu fassen.

Krupp, der im vergangenen Jahr bereits für den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ein Gutachten zu den Auswirkungen von CCS erstellt hatte, fürchtet, dass sich durch den erhöhten Druck Salzwasser führende Schichten, die an das Grundwasser grenzen, mit diesem vermischen und das Trinkwasser versalzen. Besonders problematisch ist für Krupp, dass das Salzwasser wahrscheinlich Schwermetalle mit sich führt. "Dies könnte für zahlreiche Wasserwerke eine akute Gefährdung darstellen", schreibt der Geologe.


An der Schwarzen Pumpe erprobt Vattenfall die Abspaltung von Kohlendioxid. Verpresst werden soll das Gas in Gebieten um Neutrebbin und Beeskow in Brandenburg. (Foto: Vattenfall)

"Die vorgesehene Erkundungstechnologie entspricht im Wesentlichen dem Stand der Technik, reicht aber zur zuverlässigen Beurteilung möglicher Risiken einer CO2-Verpressung nicht aus", folgert Krupp und fordert daher weitere Studien auf Basis von Simulationen, bevor Kohlendioxid tatsächlich verpresst wird.

"Angaben, die zum jetzigen Zeitpunkt getroffen werden, haben rein spekulativen Charakter", sagt Vattenfall-Sprecherin Katharina Bloemer gegenüber klimaretter.info. Richtig sei, dass die Injektion von CO2 zu einer Druckerhöhung im Speicher und einer Verdrängung von Salzwasser führt, die auch über die Struktur in der das CO2 eingeschlossen ist, reichen kann. Die Reichweite der Druckerhöhung sei aber von einer Vielzahl technischer Größen und von natürlichen Faktoren abhängig. Belastbare Aussagen zur Reichweite seien daher bisher nicht möglich. Zunächst sei eine eine geologische Erkundung erforderlich.

Die Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft hält die Aussagen Krupps dagegen für nachvollziehbar. "Das klingt sehr plausibel", sagte Geschäftsführerin Christa Hecht. Das Problem: Man wisse nicht, wie die Grundwasserleiter miteinander verbunden seien, und daher sei schwer abschätzbar, wie weit sich der Druck auswirke.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland sieht nicht nur Brandenburg, sondern auch die Landesregierungen der angrenzenden Bundesländer in der Verantwortung. Energieexperte Robert Pörschmann: "Die Entscheidung für CCS betrifft nicht nur die Länderfürsten, wie Platzeck oder Mc Allister, sondern auch die regierenden Bürgermeister Wowereit, Scholz und Ude und die Bevölkerung in Berlin, Hamburg und München."

Mit der jetzt vorliegenden Ausstiegsklausel im CCS-Gesetzentwurf soll die Kohlendioxidspeicherung in der gesamten Bundesrepublik zwar möglich sein, die Bundesländer können entsprechende Projekte aber über Landesgesetze auf ihrem Gebiet verbieten. Während Niedersachsen und Schleswig-Holstein den Entwurf bereits abgesegnet haben, will Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) den aktuellen Gesetzentwurf verhindern: Die Bundesregierung habe mit der Verabschiedung des Entwurfs "politisch inakzeptabel und energiepolitisch kurzsichtig" gehandelt. "So sieht nationale Energiepolitik nicht aus", sagte der Minister in einem Interview mit der Märkischen Allgemeinen Zeitung in der vergangenen Woche.

Mit dem neuen Gesetzentwurf zur Kohlendioxidspeicherung liegt der Schwarze Peter in Brandenburg: In den Bundesländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Brandenburg gibt es bereits Pläne für die sogenannte CCS-Technologie. Während sich die CDU-geführten norddeutschen Länder jedoch gegen die Kohlendioxidspeicherung wehren, will die rot-rote Regierung Brandenburgs die CCS-Pläne des Energiekonzerns Vattenfall unterstützen. Mit der jetzt vorliegenden Ausstiegsklausel soll die Kohlendioxidspeicherung in der gesamten Bundesrepublik zwar möglich sein, die Bundesländer können entsprechende Projekte aber über Landesgesetze auf ihrem Gebiet verbieten.

Während Niedersachsen und Schleswig-Holstein besänftigt sind, will Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) den aktuellen Gesetzentwurf verhindern: Die Bundesregierung habe mit der Verabschiedung des Entwurfs "politisch inakzeptabel und energiepolitisch kurzsichtig" gehandelt. "So sieht nationale Energiepolitik nicht aus", sagte der Minister in einem Interview mit der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Brandenburg werde einem Gesetz auf dieser Basis nicht zustimmen.

In Brandenburg sind die CCS-Pläne bereits am weitesten fortgeschritten: Der schwedische Energiekonzern Vattenfall erprobt bereits seit 2008 in der Lausitzer "Schwarzen Pumpe" die Kohlendioxid-Abscheidung bei der Verbrennung von Braunkohle. Am Standort Jänschwalde will Vattenfall bis 2015 ein CCS-Demonstrationskraftwerk bauen und Kohlendioxid in den Regionen Beeskow und Neutrebbin unterirdisch verpressen. In Neutrebbin geht es auf einer Fläche von rund 350 Quadratkilometern um salzwasserführende Sandsteine in einer Tiefe von rund 1.400 Metern. Dafür hat das Unternehmen im März 2010 die Erlaubnis des Brandenburgischen Landesamts für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) erhalten. Eine Speicherung von Kohlendioxid selbst ist damit noch nicht genehmigt.

Die Auswirkung der unterirdischen Kohlendioxidspeicherung könnten allerdings über Brandenburg hinaus negative Auswirkungen haben. Einem geologisches Gutachten für die Gemeinde Barnim-Oderbruch zufolge muss wegen Überdrucks in den Gesteinsschichten in einem Umkreis von 100 Kilometern von der Injektionsbohrung mit Grundwasserversalzungen gerechnet werden. Das würde Teile Mecklenburg-Vorpommerns und Polens sowie Berlin betreffen.

Der Geologe Ralf Krupp kommt nun in dem Gutachten zu dem Ergebnis, dass das Erkundungsgebiet zahlreiche Lücken in der Salzschicht aufweist. Dadurch sei fraglich, ob der Untergrund dicht genug sei, um das Kohlendioxid sicher zu speichern. Die Salzschicht sei darüber hinaus mit 20 Metern möglicherweise nicht ausreichend, um die geplanten Mengen an Kohlendioxid zu fassen. Krupp, der im vergangenen Jahr auch für den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ein Gutachten zu den Auswirkungen von CCS erstellt hatte, fürchtet, dass durch den erhöhten Druck Salzwasser führende Schichten, die an das Grundwasser grenzen, sich mit diesem vermischen und das Trinkwasser versalzen. Besonders problematisch ist Krupp zufolge, dass das Salzwasser wahrscheinlich Schwermetalle mit sich führt. "Dies könnte für zahlreiche Wasserwerke eine akute Gefährdung darstellen", schreibt der Geologe.

"Die vorgesehene Erkundungstechnologie entspricht im Wesentlichen dem Stand der Technik, reicht aber zur zuverlässigen Beurteilung möglicher Risiken einer CO2-Verpressung nicht aus", folgert Krupp und fordert daher weitere Studien auf Basis von Simulationen, bevor Kohlendioxid tatsächlich verpresst wird.

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Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland sieht nicht nur Brandenburg, sondern auch die Landesregierungen der angrenzenden Bundesländer in der Verantwortung. Energieexperte Robert Pörschmann: "Die Entscheidung für CCS betrifft nicht nur die Länderfürsten, wie Platzeck oder Mc Allister, sondern auch die regierenden Bürgermeister Wowereit, Scholz und Ude und die Bevölkerung in Berlin, Hamburg und München."

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