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Das Ende des britischen Klimacamps

Fünf Jahre lang haben die Klima-Aktivisten in Großbritannien vorgemacht, wie es geht. In diesem Jahr wird es kein britisches Klimacamp mehr geben. Die Bewegung will sich an "neuen Experimenten" versuchen.

Von Sarah Messina

2006 war es das Kohlekraftwerk Drax in West Yorkshire: Im Schatten der Kühltürme des größten einzelnen Kohlendioxid-Emittenten Großbritanniens schlugen rund 600 Klima-Aktivisten aus dem ganzen Land ihre Zelte auf und hoben das "Klimacamp" aus der Taufe. Das Konzept vom gemeinsamen klimaneutralen Leben zwischen Solarpanelen, Komposttoiletten und direkten Aktionen gegen Klimakiller hat sich seitdem in vielen anderen Ländern von Ghana über die USA über Frankreich und Deutschland bis nach Australien etabliert. 


2009: Kapitalismus bedeutet Krise. Die britische Klimabewegung tritt gleich mehrfach in Erscheinung und landet Punktsiege in London und am Eon-Kohlekraftwerk Kingsnorth. (Foto: Camp for Climate Action)

2011 ist das britische Klimacamp Geschichte. In diesem Jahr soll es kein Camp geben, gaben die Aktivisten des Camp for Climate Action kürzlich bekannt. Das Ende des britischen Klimacamps bringt einen ungewissen Neuanfang einer Bewegung mit sich, die "mit der Zeit gehen" und sich verändern will.

Wie das genau aussehen will, wissen die britischen Aktivisten wohl selbst noch nicht genau. Von "neuen radikalen Experimenten" ist die Rede, die "der ökologischen, sozialen und ökonomischen Krise" gerecht werden können. Dabei zielt die Klimabewegung offenbar auch auf eine stärkere Zusammenarbeit mit anderen Bewegungen und eine breitere Aufstellung des Protests ab, der sich über ein zentrales jährliche Pflichtereignis wie das Klimacamp hinausbewegen will.


2010: Das Camp for Climate Action visiert die Zentrale der Royal Bank of Scotland in Edinburgh an. (Foto: Camp for Climate Action)

Dass der britische Klima-Protest spürbar über seine Wurzeln von 2006 hinausgewachsen war, zeigte sich bereits an den jüngsten Klimacamps. Nach dem Protest am Kohlekraftwerk Drax hatte sich das Camp 2007 zunächst am Londoner Flughafen Heathrow positioniert, wo rund 2.000 Aktiviten gegen die geplante dritte Landebahn demonstrierten. 2008 richtete sich der gemeinsame Widerstand ebenfalls geradezu "klassisch" gegen das von Eon geplante Kohlekraftwerk Kingsnorth in Kent, den ersten Kohlekraftwerks-Neubau seit 20 Jahren in Großbritannien.

Die Krise und der Kapitalismus: Der Protest zieht um ins Londoner Finanzzentrum

2009 kam die Finanzkrise und der "Umzug" des Klimacamps mitten ins Herz der Finanzwelt - rund 4.500 Menschen besetzten mit einem Camp während der Gespräche der G20 in London das Finanzzentrum der Stadt, noch einmal 5.000 Aktivisten schlugen bei einem Klimacamp in der Nähe von London ihre Zelte auf und visierten von Banken bis zu Konzernen mehrere Ziele zugleich für ihren Protest an. Im gleichen Jahr gelang der Bewegung mit dem "Great Climate Swoop" und direkter Aktion am Kraftwerk Kingsnorth ein weiterer Coup, bevor das Jahr mit dem Klimagipfel in Kopenhagen und Demontrationen gegen "falsche Lösungen" wie den Emissionshandel und für mehr Klimagerechtigkeit schloss.

Die Bewegung feierte weiter Erfolge, gleichzeitig nahmen Diskussionen um die wirksamste Ausrichtung des Protests jedoch zu, berichten die Aktivisten in ihrer Stellungnahme zur Absage an ein neues Klimacamp. 2010 nahm das britische Klimacamp noch einmal die Royal Bank of Scotland (RBS) in den Blick, die bereits im Vorjahr auf der "Liste" der gesplitteten Aktionen der Klimacamper stand. Die britischen Klima-Aktivisten besetzten das Gelände der RBS in Edinburg - der Bankenzentrale, von der aus die extrem klimaschädliche Förderung von Teersanden auf den Weg gebracht wird. Nach diesem weiteren verlässlichen Erfolg zogen die Aktivisten 2011 die Bremse: Das britische Klimacamp und seine Organisatoren wollen sich einer "Metamorphose" unterziehen.


Und so fing alles an: 2006 auf dem Klimacamp am Kohlekraftwerk Drax. (Foto: Camp for Climate Action)

Auf das Ergebnis dieser Wandlung darf man sicher gespannt sein. Und auch darauf, wie sich das Konzept Klimacamp andernorts fortsetzt und weiterentwickelt. In Deutschland etwa fand 2008 das erste Klimcamp mit 2.000 Aktivisten in Hamburg statt, wo gegen den umstrittenen Neubau des Vattenfall-Kohlekraftwerks Hamburg-Moorburg demonstriert wurde. Schon im Jahr darauf tat man sich jedoch schwerer mit der gemeinsamen Organisation des Camps.

Statt des ursprünglich geplanten Klimacamps gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens im Kelsterbacher Wald gab es die "Wahnsinnstage", bei denen Klimaschützer den Waldbesetzern unter dem Motto "Kerosin und Kohl" ein Wochenende lang Gesellschaft leisteten. 2010 folgten mit den Aktionstagen im rheinischen Braunkohlerevier unter dem Motto "Wer anderen eine Grube gräbt". Auch in diesem Jahr soll es jedoch ein deutsches Klimacamp geben: In der Lausitz werden die umstrittenen neuen Tagebaue für die Braunkohleförderung und der Protest gegen mögliche CO2-Endlager im Mittelpunkt der deutschen Klimabewegung stehen.

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