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Globalisierung der Alternativen

Weltsozialforum in Dakar: China will mit Hilfe der Weltbank und der Afrikanischen Entwicklungsbank ein neues Kohlekraftwerk in Senegal bauen. Chinesische, indische und arabische Konzerne kaufen in Afrika Land. Reichlich Konfliktstoff also.

Aus Dakar Sven Giegold

Das Weltsozialforum in Dakar: 30.000 Menschen sind in die senegalesischen Hauptstadt gekommen, um über die Probleme der Welt zu diskutieren. Über 200 Veranstaltungen stehen bis zum Wochenende an. Gleichzeitig gibt es riesige organisatorische Schwierigkeiten: Denn in der Universität, dem Hauptveranstaltungsort, fand am Montag gleichzeitig zum Forum noch Unterricht statt. Fast alle Räume waren damit doppelt belegt. Angesichts von Tausenden von Teilnehmern, die ihre Räume suchten, blieben alle erstaunlich ruhig – die Studierenden eingeschlossen, die sich nun plötzlich auf einem völlig überfüllten Uni-Gelände wieder fanden. Der Rektor der Uni hatte vor einigen Monaten gewechselt - und damit war die Absprache mit dem Weltsozialforum nicht mehr gültig.

Die Veranstaltungen verlagerten sich einfach nach draußen unter Bäume oder in zufällig freie andere Räume. Prominentester Gast dürfte der brasilianische Ex-Präsident Luis Inácio Lula da Silva sein (nicht im Bild), der am Montag das Ende des Kapitalismus beschworen hatte. "Es ist jetzt soweit: Die reichen Länder haben ihre Aufmerksamkeit auf die ärmeren Länder gerichtet", sagte Lula unter frenetischem Beifall.

30.000 Menschen aus 123 Ländern diskutieren bis zum Wochenende sozial und ökologisch nachhaltige Strategien und Alternativen zur weltweiten neoliberalen Globalisierung. Viele Veranstaltungen drehen sich um neuen Formen des Kolonialismus. Agrarmultis haben die Kontrolle genauso über Saatgut wie über die Vermarktung bäuerlicher Produktion. Die Erträge aus steigenden Nahrungsmittelpreisen kommen so bei den armen Bauern oft nicht an.

Gleichzeitig kaufen gerade chinesische, indische und arabische Konzerne in Afrika Land oder pachten es langfristig, um dort Lebensmittel und Biomasse herzustellen, für die im eigenen Land der Platz fehlt. Das drängt jedoch die bäuerliche Produktion für den afrikanischen Eigenbedarf genauso zurück wie Naturräume.

Nach Nairobi im Jahr 2007 ist es das zweite Mal, dass das Treffen auf dem afrikanischen Kontinent stattfindet. Auf der Demo am Montag forderten die

Teilnehmer "eine Welt ohne Mauern". Unerfreulich war allerdings zu hören, dass China mit Hilfe der Weltbank und der Afrikanischen Entwicklungsbank ein neues Kohlekraftwerk baut, also auch mit europäischen Steuergeldern. Damit hintertreibt die EU ihre eigene Klimapolitik. Auch das wird in Dakar sicher noch zum Thema werden.

Sven Giegold ist bündnisgrüner Europa-Abgeordneter. Mehr von ihm gibt es hier

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