Australische Aktivisten müssen zahlen
Gericht verurteilt Kohlegegner zu Strafen zwischen 250 und 1.000 Dollar: Die einen haben im Dezember die Gleise für Güterzüge zum Kohlekraftwerk Bayswater besetzt, die anderen einen Verladekran blockiert.
Von Johanna Treblin
Für ihren Protest an einem Kohlekraftwerk wurden 73 australische Klimaaktivisten am Montag zu je 250 australischen Dollar (rund 180 Euro) Strafe verurteilt. Zwei Aktivisten müssen 1.000 Dollar Strafe zahlen, weil sie sich an ein Förderband gekettet hatten. Im Rahmen eines Klimacamps im Dezember 2010 hatten 130 Menschen das Gelände des Bayswater-Kohlekraftwerks gestürmt und die Gleise für die Güterzüge besetzt. Die Polizei brauchte schließlich acht Stunden, um die Aktivisten zu räumen.

Anti-Kohle-Protest: Im September besetzten mehrere Aktivisten Gleise für Güterzüge am Bayswater-Kohlekraftwerk. Der Gerichtsprozess endet mit 250 australischen Dollar für jeden. (Fotos: climatecamp.org.au)
"Ich stehe zu dem, was ich getan habe", sagte Aktivisten-Veteran Bill Ryan. Der 88-Jährige hatte sich gemeinsam mit Studenten, Lehrern, Regierungsmitarbeitern, Geschäftsleuten und ehemaligen Kohlearbeitern an der Aktion beteiligt. "Wenn Bayswater weiter expandiert, wird das Kraftwerk seine Kohlendioxidemissionen verdoppeln. Wir müssen dafür sorgen, dass der Klimawandel gestoppt wird und wir eine lebenswerte Welt für unsere Enkelkinder zurücklassen", sagte Ryan.
350 Aktivisten hatten im Dezember eine Woche lang gegen das Bayswater-Kraftwerk gecampt, das nach eigenen Angaben Australiens größte einzelne Quelle für die Verschmutzung durch Kohlendioxidemissionen ist. Dort soll in den nächsten Jahren ein weiterer Kohleblock entstehen. Damit würde in New South Wales so viel Kohle verbrannt, wie in keinem anderen Teil Australiens. Sollten zudem alle aktuellen Pläne der Regierung für neue Tagebaue in die Tat umgesetzt werden, produziert Australien soviel Emissionen wie weltweit 100 andere Länder zusammen.

Ebenfalls am Montag wurden laut ABC Net sieben Aktivisten der Organisation Rising Tide zu je 300 australischen Dollar Strafe verurteilt. Im September hatten sie den weltgrößten Hafen für die Verladung von Kohle zur Energieerzeugung im australischen Newcastle für zehn Stunden blockiert.
Dem Verladehafenbetreiber Port Waratah Coal Services zufolge konnten wegen der Aktion 140.000 Tonnen Kohle an dem Tag nicht verladen werden. Das Unternehmen habe deswegen rund 500.000 Dollar verloren. Das Geld will das Unternehmen von den Aktivisten zurückerhalten – die Summe solle als Abschreckung dienen, damit sich künftig niemand mehr durch das Klettern auf Verladekräne "in Gefahr" bringe.
"Der Klimawandel ist die drängendste Herausforderung für unseren Planeten, und Kohle trägt am meisten zum Klimawandel bei", heißt es seitens Rising Tide. Lege man die Berechnungen des Stern-Berichts zugrunde, habe die Welt durch die Besetzung des Kohle-Hafens und weniger emittierte Kohlendioxid-Emissionen bereits rund 28 Millionen Euro an Klimafolgekosten eingespart.
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