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Die Ressourcen der Natur zurücksingen

Die isländische Künstlerin Björk sammelt mit einem Karaoke-Marathon Unterschriften: Per Volksabstimmung soll der Verkauf geothermischer Energiequellen verhindert werden.

Aus Stockholm Reinhard Wolff

Mit einem von ihr organisierten dreitägigem Karaoke-Marathon "Die Stimme des Volkes" hat die isländische Sängerin Björk Guðmundsdóttir die erforderlichen Unterschriften für eine Volksabstimmung gesammelt, mit der der Ausverkauf wichtiger Energieressourcen der Insel womöglich doch noch gestoppt werden kann. Dabei geht es um den Verkauf geothermischer Energiequellen an einen fragwürdigen Investor und der Einräumung privater Nutzungsrechte an diesen Ressourcen für die nächsten 65 Jahre.


Hat Menschen, Elfe, Trolle und andere Isländer zum "Zurücksingen" aufgefordert: Die eigenwillige Sängerin Björk. (Foto: Björk.com)

Juristisch ist der Verkauf des bislang in öffentlichem Eigentum stehenden drittgrössten isländischen Energieunternehmens "HS Orka" eigentlich schon so gut wie über die Bühne gegangen. Im Dezember meldete der kanadische Energiekonzern "Magma Energy" 98,53 Prozent der Orka-Anteile erworben zu haben. Doch die Politik könnte den Deal noch stoppen. Und Islands Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurðardóttir hat die Abhaltung eines Referendums versprochen, falls für die Petition "Naturressourcen in der Hand des Volkes" die Unterschriften von 15 Prozent oder ca. 35.000 der wahlberechtigten Isländer zusammen kommen sollten.

Bis Sonntagabend hatten über 46.000 die Petition unterschrieben. Björk musste ihre Drohung also nicht wahrnehmen, es werde solange weitergesungen, bis das Ziel erreicht sei. Viel Prominenz zeigte sich "für den Versuch unsere Naturressourcen zurückzusingen" (Björk) auf der Bühne des "Nordischen Hauses" in Reykjavik und an vier weiteren Orten des Landes. Vom Hauptstadt-Oberbürgermeister Jón Gnarr bis zum Kapitän der Handballnationalmannschaft Ólafur Stefánsson, der dabei gleichzeitig seinen Austritt aus der konservativen Selbständigkeitspartei, einer Befürworterin der Verkaufspläne bekannt gab.


Heiße Quellen in Island: Finger weg von unseren Natur-Ressourcen, fordern Björk und ihre Protest-Singer. (Foto: Andreas Tille/Wikipedia

Der "Magma Energy"-Konzern ist derzeit dabei, weltweit geothermische Energiequellen unter seine Kontrolle  zu bringen. Er betreibt bereits Kraftwerke u.a. in den USA, Nicaragua und mehreren südamerikanischen Ländern. Mit dem "Orka"-Kauf, so Björk und andere Kritiker, wolle Magma nur einen Fuß in die isländische Tür bekommen: Die Pläne zum Erwerb weiterer öffentlicher Energieproduzenten und die grossskalibrige Ausbeutung der Erdwärme auf der Vulkaninsel würden bereits fertig in der Schublade liegen.

Der Verkauf öffentlicher Ressourcen um damit die defizitäre Statskasse zu füllen, ist ein Rezept, das der internationale Währungsfonds Island verordnet hat. Doch dagegen formiert sich nun wachsender Widerstand. "Für eine Zukunft haben wir nur unsere Naturressourcen" warnt Björk: "Verscherbeln wir die jetzt, werden wir ein Dritte-Welt-Land."

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